1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Langwedel (Weser)

Sirenen warnen in Langwedel bald per Lautsprecher

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lisa Duncan

Kommentare

Bereits auf digital umgerüstet ist diese Warnanlage in Nindorf. Die etwa 14 Meter hohen Masten können das Landschaftsbild teilweise stören, räumt Bürgermeister Andreas Brandt ein. Das sei hinzunehmen, weil der Bevölkerungsschutz Priorität habe.
Bereits auf digital umgerüstet ist diese Warnanlage in Nindorf. Die etwa 14 Meter hohen Masten können das Landschaftsbild teilweise stören, räumt Bürgermeister Andreas Brandt ein. Das sei hinzunehmen, weil der Bevölkerungsschutz Priorität habe. © Bartz

Langwedel – Seit der russischen Invasion in der Ukraine erscheinen Kriegshandlungen auch in Deutschland kein völlig abwegiger Gedanke mehr. Aber auch Großbrände, Giftwolken, Hochwasserereignisse und ein länger anhaltender Stromausfall sind Situationen, in denen der Zivilschutz greift. Um die Bevölkerung flächendeckend warnen zu können, sind zuverlässige Alarmsirenen notwendig.

Kreisweit sollen die technisch überholten Altsirenen ausgetauscht und durch neue digitale Anlagen mit Lautsprecherfunktion ersetzt werden. Die Umrüstung soll im Flecken Langwedel noch dieses Jahr erfolgen, teilte Bürgermeister Andreas Brandt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats mit.

Konkret gesagt: Die Verwaltung hat in Zusammenarbeit mit einem Fachunternehmen eine Beschallungsübersicht erstellt, und damit die zukünftigen Sirenenstandorte ermittelt. Die Übersicht ergab, dass die Anzahl der Warnanlagen von derzeit 30 Altanlagen auf dann 25 Neuanlagen reduziert werden können. „Allerdings werden mit einer Ausnahme ausschließlich Mastsirenen mit einer Höhe von bis zu 14 Metern installiert, die das gewohnte Landschaftsbild teilweise störend beeinflussen“, führt Brandt aus. Betrachtet man das Für und Wider der Alarm-Digitalisierung stehe allerdings der Bevölkerungsschutz im Vordergrund, sodass die Beeinträchtigung hinzunehmen sei. Die einzige digitale Warnsirene, die nicht auf einem Mast, sondern auf einem Hausdach installiert werden soll, wäre laut Brandt auf einem unbewohnten Technikgebäude der Telekom an der Tangenstraße in Cluvenhagen.

Storchenausguck: Die tellerförmige Sirene im Ortsteil Förth ist bei Stelzvögeln beliebt. Ob ein Storch sich auf einen Lautsprecher stellen würde?
Storchenausguck: Die tellerförmige Sirene im Ortsteil Förth ist bei Stelzvögeln beliebt. Ob ein Storch sich auf einen Lautsprecher stellen würde? © Wenck

Die neuen Anlagen haben Brandt zufolge auch viele Vorteile. „Zuvor hatten wir 30 Warnanlagen, haben aber trotzdem nicht alle Gebäude im Gemeindegebiet erreicht“, erklärt Brandt. Mit den neuen Sirenen sei eine flächendeckende Warnung problemlos möglich. Denn die drei bis vier Schalltrichter ließen sich entsprechend ausrichten. Zudem sei die Lautstärke nach Bedarf regulierbar. Vieles ließe sich genau programmieren, so könnten etwa die umliegende Landschaft und Bebauung mit einbezogen werden.

Im Umkehrschluss fallen unerwünschte Effekte der alten, tellerförmigen Sirenen weg. Laut Brandt könnten bei einem Alarm aufgrund der eingebauten Umlaufmotoren leichte Erschütterungen an Gebäuden auftreten. Es gibt auch die umgekehrte Problematik: In Häusern mit dreifach verglasten Fenstern sei auch der Schall einer Warnanlage möglicherweise leicht zu überhören.

Nicht nur Alarmsignale, auch die menschliche Stimme können die Lautsprecher in luftiger Höhe theoretisch transportieren. Somit ließen sich die digitalen Warnanlagen auch für Durchsagen an die Bevölkerung nutzen. Das sei aktuell aber ganz klar Zukunftsmusik, betont Andreas Brandt: „Dieses Modul ist noch nicht verfügbar.“

Damit die neuen Sirenen im Notfall funktionieren, das Alarmsignal also sicher auslöst, werden sie an einigen Standorten mit Fotovoltaik betrieben. Für den Fall, dass die Energieversorgung ausfällt, verfügen die digitalen Warnanlagen Brandt zufolge über Akkus.

Um die Umrüstung finanziell zu bewältigen, stellt der Flecken Langwedel mit den anderen beteiligten Kommunen einen Förderantrag. Der Landkreis Verden, der die Mittel gesammelt beantragt, hat eine Bezuschussung von 166 000 Euro in Aussicht gestellt, sofern die vorgesehene Maßnahme noch innerhalb dieses Jahres umgesetzt wird. Vorsorglich hat der Flecken 300 000 Euro Eigenanteil im Haushaltsplan 2022 vermerkt. Dieser Betrag sei „mit allem, was gerade in der Welt passiert“ und den damit verbundenen Preisschwankungen aber nicht in Stein gemeißelt, merkt Brandt an. „Eine Ausschreibung für alle Kreiskommunen ist derzeit in Arbeit“, gibt er den aktuellen Stand der Planungen wieder. „Wir hoffen, dass wir es bis Jahresende fristgerecht umsetzen können. Denn man kann grundsätzlich nicht davon ausgehen, dass eine Förderfrist verlängert wird“, betont der Bürgermeister.

Den Plan, die Warnsirenen umzurüsten, hat der Flecken übrigens nicht erst seit gestern. Seit etwa drei Jahren beschäftige sich die Verwaltung mit diesem Thema, „aber es war schwer, ein passendes Fachunternehmen zu finden“, so Brandt. An der Nindorfer Landstraße und in Völkersen hat der Flecken schon vorgearbeitet und zwei digitale Warnanlagen installiert – ohne Förderung, auf eigene Kosten. Brandt zufolge wäre der Austausch ohnehin fällig gewesen.

Auch interessant

Kommentare