Hofverkauf bei Nolte zieht rund 500 Besucher 

Seltene Sachen vom Leinenzeug bis zum Mahlstein

Renate Wagemann (links) sucht Leinenhandtücher aus – ausgewählte „Schätze“ trägt ihr Mann Werner. Sigrid Ernst berät. - Foto: Sommerfeld

Förth - Von Inka Sommerfeld. Es gab alles. Dinge von vor 150 Jahren und von heute. Geschirr, Bestecke, Haushaltsgeräte, Leinenwäsche, Möbel, Werkzeug, Garten- und Ackergeräte, Trecker und vieles mehr. Müßig, alle Sachen aufzuzählen. Die sollten allesamt verkauft werden. Eine Herkulesaufgabe.

So geschehen am Sonnabend. Das Inventar des Hofs Nolte in Förth wurde zum Verkauf angeboten. Dazu kamen Interessierte aus nah und fern, einige standen sogar Stunden vor Beginn vor der Tür – sie wollten sich die besten Stücke sichern. Doch Organisator Rolf Göbbert, dem das Inventar gehörte, und seine 20 Helfer – Nachbarn und Mitglieder des Langwedeler Kulturvereins – ließen die Tore geschlossen. Wie angekündigt öffneten sie um Punkt 9 Uhr.

Der Ansturm war überwältigend. Wortwörtlich. Die Besucher drängten ins Haus, wurden von einem Raum in den nächsten geschoben. „Unglaublich, was es hier alles gibt“, staunten einige. „Wie im Museum“, meinten andere. Martha Nolte, ihr Bruder Johann und dessen Ehefrau Elisabeth hatten nichts weggeworfen.

Hinten auf dem Hof konnten die Besucher Werkzeug und vieles mehr erstehen. - Foto: Sommerfeld

Der Flur war zur „Leinenkammer“ umfunktioniert worden. Dort war Sigrid Ernst zuständig. Sie trug eine blütenweiße Schürze. Genau, aus Leinen. Die Schürze hatte sie vor Jahren im Rowohltschen Haus erstanden und geändert, erzählte Ernst. „Viele Leute kommen, um zu schauen, viele sind neugierig und viele kaufen“, fasste sie den Trubel schmunzelnd zusammen. Hände- und Geschirrhandtücher, Leinenbahnen, Tisch- und Bettwäsche lagen sorgfältig sortiert auf den Tischen, und an der Wand hing Unter- und Nachtwäsche. Sogar ein Taufkleid gab es. Das sicherte sich Renate Wagemann sofort. Mit geübtem Blick und flinken Fingern stöberte sie und legte die Stücke, die in die engere Wahl kamen, ihrem Ehemann Werner auf den Arm. Der trug alles mit einem Lachen im Gesicht. „Wir kaufen Leinen für den Ernte- und Mühlenverein Blender“, sagte Renate Wagemann und packte ihrem Mann noch einige Handtücher obendrauf. Letzterer durfte dann bezahlen – er ist Kassenwart des Vereins.

In einer Stube weiter hinten im Haus agierte Silke Fronzek. „Braucht noch jemand ein Buch über Säuglingspflege?“, rief sie. Oder gar die „Satzungen des Vereins für Kranken- und Gemeindepflege in der Kirchengemeinde Daverden“? Ach nee, die kaufte sie lieber selbst. „Martha Nolte war in der Kirche engagiert“, erklärte eine Besucherin.

Ein Mann interessierte sich für den Tisch, auf dem die Bücher lagen. „Kann man den ausziehen, und wie viele Personen finden an ihm Platz?“, fragte er. – „An solche Tische passen immer zwölf Personen“, wusste die Besucherin. Schnell war man sich über den Preis einig, und die Käufer bekamen sogar eine Zugabe. „Sucht euch noch eine Tischdecke aus“, sagte Fronzek.

Ein anderer Mann wollte den Mini-Blumenhocker haben, der auf der Fensterbank stand. „Was kostet der?“, fragte er – übrigens eine Frage, die man überall im Haus und auf dem Hof hörte. „Drei Euro“, verlangte Fronzek. Zum Spaß handelte der Mann: „Zwei Euro.“ Wieder die Verkäuferin: „2,50 Euro.“ Akzeptiert.

Der goldfarbene Parfümkarton, den hätte eine Besucherin gern. Genau: „Was soll der kosten?“ Bevor Fronzek etwas sagen konnte, griff eine weitere Frau das begehrte Stück: „Das ist meiner.“ Sogar schon bezahlt. „Leute, ich sage euch, lasst nichts liegen“, kommentierte die Helferin.

Leider gab es auch nicht so schöne Begebenheiten. Skrupellose Zeitgenossen hatten sich unter die ehrlichen Leute gemischt. „Gute Sachen sind verschwunden, ohne dass sie bezahlt wurden“, sagte Göbbert enttäuscht. Beispielsweise Geschirr aus dem Dritten Reich und ein Fotoalbum aus der Kaiserzeit. „Wir wurden überrannt und haben den Überblick verloren“, erklärte der Organisator. Schade, denn mit dem Erlös will Göbbert das Buch mit dem Titel dem „Auf der Suche nach dem Ende der Welt“, das seine Ex-Schwägerin Sabine van Lessen geschrieben hat, mitfinanzieren.

Zufrieden ist der Organisator mit der Anzahl der Besucher. „Es waren rund 500“, schätzt er. Die Versteigerung dagegen lief nicht so gut. „Es machten nur wenige Bieter mit“, sagte Göbbert. Ein kleiner Trost: Einige der Stücke fanden im Nachhinein noch einen Käufer. Wie der Mahlstein. Und was geschieht mit den übrig gebliebenen Sachen? Das will sich Göbbert noch überlegen.

Mehr zum Thema:

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

„Hoya ist mobil“ 2017

„Hoya ist mobil“ 2017

Treckertreffen in Dreeke

Treckertreffen in Dreeke

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Meistgelesene Artikel

A1 nach Unfällen wieder frei

A1 nach Unfällen wieder frei

Unfall mit vier Lkw: A1 bei Oyten in Richtung Hamburg gesperrt

Unfall mit vier Lkw: A1 bei Oyten in Richtung Hamburg gesperrt

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Brand in der Nacht vor dem „Vatertags Open Air“

Brand in der Nacht vor dem „Vatertags Open Air“

Kommentare