Schülerprojekt forscht auch im alten Daverdener Küsterhaus

Schule zu Omas Zeiten

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Zum ersten Mal nach fast 60 Jahren gab es in der alten Daverdener Schule, dem Küsterhaus, wieder Unterricht. Wenn auch längst nicht wie früher und nur für einen Vormittag.

Langwedel - „Kultur ist auch…“ – so ist die aktuelle Projektwoche der Oberschule am Goldbach überschrieben. Eines der 23 Themen lautet: „Wie Oma und Opa zur Schule gingen“. Und wie könnte man das besser herausbekommen, als mit einem Besuch in der alten Daverdener Schule, dem Küsterhaus.

Natürlich sind die 29 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen fünf bis neun ihr Projekt noch viel breiter gefächert angegangen.

Erst einmal wurde ins Internet geguckt. Dann fuhren sie gemeinsam in das Schulmuseum nach Bremen, wo es schon bei dem einen oder anderen eine Überraschung gab, wie es einst in den Schulen zuging So gut wie heute hatten es die Kinder damals nicht.

Im Daverdener Küsterhaus, früher auch die Schule des Ortes, wurden die Projektforscher und ihre Lehrerinnen Birgit Wegener, Britta Meineke und Frauke Schnater von der Vorsitzenden des Vereins für Kultur und Geschichte Daverden, Theda Henken, begrüßt.

Die Schülerinnen und Schüler hatten einen Fragebogen ausgearbeitet und wollten von Klaus Fricke, der einen interessanten Vortrag über die Schule damals hielt, noch einiges wissen.

Im Mittelalter gab es noch keine öffentlichen Schulen. Lesen und Schreiben konnten nur die Vertreter der Kirche, so dass regelmäßiger Unterricht in den Klöstern stattfand. Im späten Mittelalter kamen Lateinschulen auf, ebenfalls in der Hand der Kirche. Auch die Domschule Verden, das heutige Domgymnasium, gehörte dazu.

Im Daverdener Kirchenarchiv gibt es für das Jahr 1568 einen ersten Hinweis auf einen Küster, von Schulunterricht ist dabei nicht die Rede. Hinterlegt ist aber, dass 1569 eine Schulordnung in Daverden bestand – die älteste Erwähnung einer Schule im Landkreis Verden.

In einer Pfarrakte von 1663 wird ein Küster erwähnt, der in seinem Haus unterrichtete. Der Unterricht im Küsterhaus fand in dieser Zeit für alle Kinder des Kirchspiels statt, doch dürften es kaum mehr als 50 Schüler gewesen sei, so Klaus Fricke. 1719 wird erstmals eine Hauptschule in Daverden und Langwedel sowie Nebenschulen in Cluvenhagen und Etelsen genannt. Unterrichtet wurde im Winter täglich, im Sommer an zwei Tagen, die übrigen Tage mussten die Kindern im Haus und auf dem Feld helfen. Noch 1829 waren Rechnen und Schreiben übrigens keine allgemeinen Schulfächer, sondern nur der Katechismus.

1733 wurde das bereits 1568 erwähnte Küsterhaus neu gebaut – mit einer 25 m² großen Schulstube. Gestiegene Schülerzahlen machten 1844 einen Umbau nötig, ein Schulraum von 50 m² entstand. Bis 1880 war dieses die einzige Schule in Daverden.

Die Schülerzahlen stiegen weiter, so dass in Sichtweite des Küsterhauses eine zweite Schule gebaut wurde. 1912 wurde dann die „Neue Schule“ mit drei weiteren Klassenräumen gebaut, aber auch zwei Lehrerwohnungen. Im Küsterhauses blieben die Kleinen des ersten und zweiten Schuljahres und das blieb so bis 1968. Bis die neue Mittelpunktschule gebaut wurde, die heutige Oberschule.

Wie sah es in einer Schulstube vor 150 Jahren aus? Es gab einen Kanonenofen, die Feuerung dafür mussten die Schulkinder mitbringen. Die Schüler saßen auf viersitzigen Bänken, der Lehrer thronte hinter dem Katheder auf einem Podium. Ganz wichtig war auch der Rohrstock, Prügelstrafen waren sogar behördlich geregelt. Bis 1973 gab es ein Züchtigungsrecht der Erziehungskräfte. Die ersten Schreib- und Rechenversuche erfolgten auf Schiefertafeln.

Als Klaus Fricke über das damalige Schulleben berichtete, sah er reichlich staunende und lachende Gesichter. So saßen früher Mädchen und Jungen getrennt, aber alle Jahrgänge wurden gemeinsam in einem Raum unterrichtet. Die Schule begann schon um 7 Uhr, im Winter um 8 Uhr und wurde nach einstündiger Mittagspause auch nachmittags fortgesetzt.

Die Kinder mussten gerade sitzen und den Lehrer ansehen. Die Lehrer durften nicht erlauben, dass die Kinder ungewaschen und ungekämmt in die Schule kamen. Schulschwänzen gab es damals auch schon. Die Eltern mussten im ersten Fall zwei Pfennig Strafe zahlen, im Wiederholungsfall vier Pfennig.

Klaus Fricke bekam für seinen launigen Vortrag ordentlich Beifall.

Anschließend zeigte Dirk Meyer noch einen alten Film aus dem Jahr 1959, in dem die Kinder nach ihren Großeltern Ausschau halten konnten.

hu

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