Großer Andrang beim Lichtbildervortrag von Heinrich Stuckmann / Schlosspark: „Der lässt sich nur mit Herzblut verwalten“

Das Schloss Etelsen und seine Wiederauferstehung

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Heinrich Struckmann berichtete über die Jahrhunderte lange Geschichte von Ort, Schloss und Park.

Etelsen - Der große Saal des Etelser Schlosses war proppevoll, sogar die Empore war besetzt. „110 Besucher, mehr passen nicht hinein“, so Manfred Köster vom Schlossparkverein Etelsen. Alle kamen zum Lichtbildervortrag, den Heinrich Struckmann am Samstagabend zum Thema „Das Schloss Etelsen – eine Wiederauferstehung“ hielt. Der sollte eine Stunde dauern.

Die eine Stunde reichte bei weitem nicht. Und es war auch weit mehr als ein Lichtbildervortrag: ein Plädoyer für Engagement, Courage und Zusammenhalt, gepaart mit enormem Wissen. Begeistert und begeisternd gab Struckmann Geschichte und Geschichten über Ort, Schloss und Park zum besten. Anderthalb Stunden lang. Das Publikum lauschte dem Gründer des Förderkreises Schloss Etelsen und langjährigem Vorsitzenden des Schlossparkvereins gebannt, aber auch amüsiert.

Als erstes dankte Struckmann den Besuchern für ihre Spende, die für den Rosengarten des Schlosses bestimmt ist. „Der Rotary Club Achim will den Betrag verdoppeln“, verkündete er. Beifall brandete auf.

Am Beginn des Vortrags stand ein Foto, auf dem Schloss und Park aus der Vogelperspektive zu sehen waren. „Es gibt kein schöneres Bild als dieses, denn es zeigt die gesamte Anlage. Man sieht die Mächtigkeit gar nicht, sie verschwindet hinter den Bäumen“, schwärmte Struckmann.

Ein Ritt durch die Geschichte hub an. „Das erste Mal wurde Etelsen 1236 mit Eckehard von Etelsen urkundlich erwähnt. Etel bedeutet edel und die Endung -sen Ort, Behausung. Etelsen heißt also Ort, an dem der Adel saß.“

Weiter ging es durch die Adelsgeschlechter von Mandelsloh, von der Wisch, von Heimbruch und von Reventlow, er erwähnte das Fideikommiss – ein Erbrecht, dem zufolge nur ein Familienmitglied den Grundbesitz erbt – zu dem außer Etelsen weitere Güter der Gegend gehörten. Bemerkenswert: Auf einer Karte vom Adelshof aus dem 18. Jahrhundert war vom Schloss noch keine Spur, doch die Lindenallee gab es schon.

„Die Brüder von Heimbruch ließen das Schloss 1884 im Historismus bauen – die Handwerker leisteten hervorragende Arbeit. Es ist als wichtigstes Schlossbauwerk in diesem Stil nördlich des Mains anerkannt.“ Praktisch eingerichtet war es auch: „In der Kuppel war ein Bassin eingebaut, damit man fließend Wasser hatte und den Springbrunnen betreiben konnte.“

Zum Schloss gehörte ein richtiger Garten, den Gartenbaumeister Friedrich Kreiß gestaltete. „Alles ist in Ovalen angelegt – so fließt es.“ 1895 zog der Erbe der Heimbruchs und dänische Graf Christian von Reventlow ein. „Der war im Ort sehr angesehen.“ Ein Foto von vor ungefähr einem Jahrhundert zeigt den Saal. „Es hat sich nicht viel verändert. Doch wenn man damals die Türen öffnete, schaute man in blühende Gärten. Wir müssen noch Blumen pflanzen.“ Auch Magnolienbäume – die hatten hinten im Garten ihre Pracht entfaltet.

1922 starb der Graf, und mit dem Anwesen ging es bergab. Sein Erbe Rudolf von Reventlow geriet in finanzielle Schwierigkeiten und versuchte, das Schloss zu verkaufen. „Gräfin Else schlug vor, das Schloss abzureißen und das Gelände in 60 Bauplätze aufzuteilen. Das wirbelte damals eine Menge Staub auf.“ Schließlich kaufte es die SA und richtete 1937 dort eine Gruppenschule ein. 1945 wurde daraus ein britisches Lazarett, anschließend das Kreiskrankenhaus. In den 50-er Jahren stand das Schloss leer und verfiel.

Als ein Investor das Gelände 1959 in Tierpark und Restaurant umfunktionierte, keimte im Ort Hoffnung auf. „Ein tolles Unternehmen für Etelsen“, berichtete Struckmann und zeigte, wie Elefanten durch die Bahnhofstraße geführt wurden. „Löwen im Mausoleum, Flamingos in Teichen vor dem Schloss, weiße Tische, blankgeputzte Borgwards auf dem Parkplatz, das hatte nicht jeder zu bieten.“ Doch auch hier ging bald das Geld aus. Wieder stand das Schloss leer und verfiel.

Als es wiederum verkauft werden sollte, wurden die Etelser aktiv und gründeten 1978 einen Förderkreis. „Wir wollten den Landkreis unterstützen und Möglichkeiten suchen, um das Schloss zu erhalten. Innerhalb von zwei Monaten unterbreiteten wir vier Vorschläge. Einer davon wurde umgesetzt“, so Struckmann.

Nun wurde das Schloss restauriert. Fußböden wurden verstärkt, Leitungen gelegt, die Stuckdecken ausgebessert, sanitäre Anlagen eingebaut, das Treppenhaus renoviert. „Eine ganz große Leistung, und die jungen Handwerker waren mit Freude bei der Arbeit“, erinnert sich Struckmann. „Der Leuchter hier im Saal wurde aus Wien geholt“, berichtete er. 1983 wurde das Schloss wieder eingeweiht.

Nachdem der Tierpark geschlossen worden war, bestand das Außengelände aus einer Wüste.

„Unser kleiner Verein übernahm die Pflege und wandelte ihn nach und nach in den Schlosspark um. Wir begannen mit dem so genannten Südweg, wo zig Lastwagenladungen an Dachpappe abgefahren wurden. Wir gingen den Rosengarten an, dort müssten Duftrosen gepflanzt werden, legten Parkplätze an“, zählte Struckmann auf. „Heute ist es ein Park von Bürgern für Bürger. Der lässt sich nur mit Herzblut verwalten, zwischen Aktendeckeln stirbt er.“

Es folgte ein Moment der Stille, bevor das Publikum mit langem, bewunderndem Applaus dankte. Der Schlossparkverein dankte mit einer Flasche Wein – eingewickelt in Rosenpapier.

is

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