Selbstbehauptungstraining, Karate und noch viel mehr

Schläge auf den Kopf – für Schulkinder

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Karatelehrer Dennis Albrecht (li.) bringt diesen Viertklässlern in der Grundschule Etelsen die Grundtechniken des Karate bei – und das ist längst noch nicht alles. - Foto: Sommerfeld

Etelsen - Als Selbstbehauptungstraining war die Veranstaltung angekündigt, doch es war erheblich mehr. Sinn für Gemeinschaft, für das Miteinander, für Zivilcourage wollte er wecken. Mit Karate.

„Karate ist eine Lebenseinstellung, nicht nur ein Sport“, wird Dennis Albrecht, Leiter der Achimer Karateschule Kumadera, nicht müde zu wiederholen. Das demonstriert er momentan ehrenamtlich und mit Herzblut in der Etelser Grundschule – jede Klasse erlernt in zwei Schulstunden, was die Schüler stärkt und wie es funktioniert.

Mit dem Kurs erfüllte Rektorin Kerstin Burgard den Wunsch von Eltern. Albrecht lehrt zum ersten Mal in Etelsen, für ihn ein besonderes Ereignis, wie er lächelnd erzählt: „Ich bin hier zur Schule gegangen.“ Kindern altersgerecht Werte wie Respekt, Mut und Disziplin mit auf den Weg zu geben, stehe im Mittelpunkt.

Beispiel Klasse 4 c. Die soll stark für die neue Schule gemacht werden, die für die Mädchen und Jungen nach den Sommerferien beginnt. Klassen- und Sportlehrerin Tanja Bochinski sitzt am Rand auf einem kleinen Kasten und schaut zu, wie sich ihre Schüler bewähren. Erfreut ist sie, als sie sieht, wie ein sonst zurückhaltendes Mädchen Mut beweist und ein selbstbewusster Junge in seinem Selbstgefühl gestärkt wird: Ihre Klasse macht konzentriert und motiviert mit.

Albrecht versteht es, die Schüler zu begeistern. Die Kinder erlernen grundlegende Techniken des Karate, beispielsweise eine Abwehrbewegung. „Ich gehe jetzt rum und schlag euch auf den Kopf“, kündigt Albrecht an. Darüber sind die Kinder geteilter Meinung. „Damit tut es nicht weh“, beruhigt der Karatelehrer und holt eine grüne Nudel aus Schaumstoff.

Als er zum Schlag ausholt, heben die Kinder ihre Arme und wehren so die Nudel ab. Erst nur mit der Technik, dann kommt der Kampfschrei hinzu. „Der ist wichtig zum Kräftebündeln“, erklärt der 41-Jährige. Wichtig beim Training: „Man muss sich konzentrieren und aufpassen, das ist wie in der Schule.“

Die Viertklässler lernen, sich mit einem Fauststoß zu verteidigen und sich den Gegner mit einem Fußtritt vom Leib zu halten. „Der Tritt muss wie eine Peitsche kommen. Das heißt, den Fuß anschließend sofort wieder zurückziehen“, erklärt Albrecht.

Doch Konfrontation ist nicht alles. „Der beste Kampf ist der, der nicht stattfindet“, ist der Trainer überzeugt. Dementsprechend bringt er den Kindern bei, den Gegner ins Leere laufen zu lassen: sich einfach aus der Bewegung herausdrehen.

Nicht zu unterschätzen: die Atmung. „Wenn ihr tief in den Bauch atmet – durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmet – bleibt ihr mit ein wenig Übung stabil und stark. Dann kann euch niemand so schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Das hilft auch, die Aufregung vor schweren Klassenarbeiten zu mindern“, sagt der Trainer.

Einfache Techniken helfen, wenn Kinder belästigt werden. „Macht eine klare und deutliche Ansage, ruft ‚Halt, Stopp, gehen Sie weg‘, wenn ein Fremder nach euch greift. Das ‚Sie‘ ist wichtig, denn damit zeigt ihr an, dass ihr den Erwachsenen nicht kennt“, rät Albrecht.

Weitere Schritte: „Feuer“ rufen, um auf sich aufmerksam zu machen, dorthin laufen, wo es belebt ist, beispielsweise in ein Geschäft, und bitten, die Eltern oder die Polizei anzurufen. Ebenfalls wichtig: Helfen, wenn jemand bedroht wird. Zusammenhalten. Arm ausstrecken, „Halt Stopp“ schreien. „Nur gemeinsam seid ihr stark“, mahnt Albrecht immer wieder.

Das auch in der weiterführenden Schule. „Hier in Etelsen seid ihr die Großen, doch in eurer neuen Schule seid ihr die Kleinsten. Manche älteren Schüler mobben jüngere, greifen sie mit Worten an, und Gewalt mit Worten kann ganz schön wehtun“, sagt Albrecht. Was also tun? „Wenn das über Wochen geht, wendet euch an die Polizei. Dort gibt es spezielle Stellen, die euch helfen können. Denn Mobbing ist eine Straftat“, gab er den Schülern, die jetzt mucksmäuschenstill lauschen, mit auf den Weg.

Sollte es passieren, dass ein Mitschüler gemobbt wird: „Macht nicht mit, sondern helft dem Opfer“, legt Albrecht den Kindern nahe. Grundsätzlich: „Geht mit anderen Menschen so um, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“  is

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