Erinnerungen über das Aufwachsen auf einer Ferieninsel

Rosi Nikolai aus Daverden: „Ich bin ein Sylter Kind“

Rosi Nikolai hat ihre Kindheit und Jugend auf Sylt zu Papier gebracht. Erst nur für die Familie, jetzt auch in Buchform für eine interessierte Öffentlichkeit.
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Rosi Nikolai hat ihre Kindheit und Jugend auf Sylt zu Papier gebracht. Erst nur für die Familie, jetzt auch in Buchform für eine interessierte Öffentlichkeit.

Daverden – „Wer kann meinen Enkelkindern erklären, wo ich meine Kinder- und Jugendzeit verbracht habe“? Diese Frage stellte sich Rosi Nikolai. Wenn sie einmal nicht mehr da ist, kann niemand mehr erzählen. So kam sie auf die Idee, die ersten 20 Jahre ihres Lebens für die Nachkommen aufzuschreiben, ganz privat. Die Geschichte war aufgeschrieben, wurde auf DIN-A-4-Papier gedruckt, in Heftform gbunden – und dann schenkte Rosi Nikolai das Werk Weihnachten 2020 ihren Kindern.

Katharina, Andreas und Karen waren so begeistert, dass sie ihrer Mutter rieten, die spannenden Geschichten als Buch herauszugeben, berichtet Rosi Nikolai. Eine reizvolle Idee, die Nikolai aber äußerst skeptisch beäugte. Sie hatte diesen Teil ihrer Biografie sehr persönlich geschrieben, für die Kinder und Enkel mit persönlichen Fotos ausgestattet.

Aber der Gedanke, ihre Lebensgeschichte zu einem Buch zu formen, blieb hängen. Und da es ja wegen der Corona-Pandemie kaum Veranstaltungen gab und die rüstige Rentnerin auch ihrer sportlichen Aktivität in der Stiftung Waldheim nicht nachgehen konnte, machte sie sich an die Arbeit.

Rosi Nikolai ist auf der Insel Sylt geboren und ist von dem Werbespruch der Insel „Sylt macht sychtig“ begeistert. Wer es nicht weiß: Die nördlichste deutsche Insel ist lang, 38 Kilometer.

Sylt ist wohl vor allem für Orte wie Westerland, Kampen und Wennigstedt bekannt. Nikolai ist in Hörnum aufgewachsen, ganz im Süden der Insel, die seit 1927 durch den Hindenburgdamm mit dem Festland verbunden ist.

Hörnum erhielt übrigens erst 1948 einen Anschluss an das Straßennetz, erzählt Rosi Nikolai, die 1954 in der Nordseeklinik Westerland geboren wurde.

In ihrem Buch beschreibt sie den Werdegang ihrer Eltern, die sich 1945 in Hörnum kennenlernten. Ihre Mutter stammt aus Ostpreußen und landete mit dem Flüchtlingstreck auf Sylt, während ihr Vater durch das Militär auf die Insel kam.

Die Eltern bauten sich ihre Existenz zuerst mit einem Obst- und Gemüsegeschäft auf und führten später eine Frühstückspension. „Im Sommer musste ich wegen der Gäste immer mein Zimmer räumen“, erinnert sich Rosi Nikolai.

Mitten auf der Insel, die schon immer ein Sehnsuchtsziel für viele Touristen war, wuchs Rosi Nikolai auf. Ihre Kindheits- und Jugenderlebnisse hat sie anschaulich zu Papier gebracht.

Nach ihrer Ausbildung in Westerland verließ sie mit 19 Jahren Sylt, wie viele andere Insulanerinnen und Insulaner vor ihr und nach ihr. Nikolai zog nie zurück, hielt aber immer den Kontakt, verbrachte auch etliche Sommerurlaube mit ihrer Familie auf der Insel, auf der Vater und Mutter weiter eine Pension mit 21 Betten betrieben, die sie 1985 verkauften und nach Moers zogen. Doch obwohl die Eltern nicht mehr auf Sylt lebten, war die Insel mehrmals jährlich Ziel von Familienfahrten.

Mit ihrer Schulfreundin aus Morsum (einen Ort dieses Namens gibt es auch auf Sylt und nicht nur in der Samtgemeinde Thedinghausen) organisiert sie regelmäßig Klassentreffen auf der Insel, die sie nun als Rentnerin mehrmals im Jahr besucht.

Für die Veröffentlichung hat Rosi Nikolai ihre Lebensgeschichte vier Monate lang etwas umgeschrieben. Ganz persönliche Zeilen und Bilder waren nur für die Familie bestimmt, wurden also ausgetauscht.

Für einige neue Fotos war die heutige Daverdenerin im Sommer auf Sylt und hatte dabei auch ein längeres Gespräch mit dem langjährigen Leuchtturmwärter von Hörnum. Das fertige Manuskript schickte sie an einen Verlag und wartete auf Rückmeldung – die aber so schnell nicht kam.

Es folgte die Entscheidung, das Buch im Eigenverlag herauszubringen, was aber noch einmal tüchtig Arbeit nach sich zog. Unter anderem musste ja ein Cover entworfen werden, das sollte unbedingt eine Karte der Insel Sylt beinhalten. Dafür eignete sich ein Bild hervorragend, das ihr ihre Kinder zum 60. Geburtstag geschenkt hatten. Eine Freundin aus Achim las Korrektur.

Jetzt ist das Buch fertig. Eingebunden in eine biografische Erzählung schildert es das Leben auf Sylt, die Entwicklung Hörnums von einem kleinen Fischerdorf zu einem gefragten Urlaubsziel wird anschaulich beschrieben. Unterstrichen wird die Erzählung mit reichlich Bildermaterial aus der damaligen und heutigen Zeit. Viele Veränderungen, die im Laufe der Jahrzehnte in Hörnum zu beobachten waren, lassen sich problemlos auf die anderen Orte der Insel übertragen.

Das Buch mit dem Titel „Ich bin ein Sylter Kind“ ist wirklich lesenswert, nicht nur für Liebhaber der Insel und ist zum Preis von 15,99 Euro über Books on Demand im Internet zu bestellen oder aber natürlich auch über jeden Buchladen. Die Buchhandlung Rohrberg in Langwedel hat sogar einige Exemplare vorrätig.

Von Wolfgang Hustedt

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