Schlechte Erfahrungen, Medikamente, Krankenhaus

Ronja und ihr Ekel vor dem Essen: Kleine Daverdenerin braucht Therapie

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Lasse, Jennifer, Ronja und Marc Sommer würden zu gern einfach gemeinsam am Tisch sitzen und ganz normal essen. Stattdessen ist jedesmal Stress angesagt, weil Ronja mit ihren nicht ganz zwei Jahren eine böse Essstörung hat. 

Daverden - Lasse kommt um die Ecke. Der fast Zweijährige guckt, was der Mann da am Tisch wohl für einer ist. Lasse guckt verschmitzt und steuert das blaue Bobbycar an. Da ist er dem Fremden schon mal ein Stück näher. Seine Zwillingsschwester Ronja bleibt lieber im Flur. „Komm doch mal her“, lockt Mama Jennifer. Schließlich geht es um Ronja. Und um die ganze kleine Familie Sommer.

Ronja und Lasse sind Weihnachtskinder. Allerdings kamen sie 2015 knapp fünf Wochen zu früh per Kaiserschnitt auf die Welt. In der Kinderklinik hielt man es damals für angezeigt, zusätzlich zur Muttermilch mit Fläschchen zu zufüttern. Für Ronja oft eine ekelige Quälerei. Wenn das nicht funktionierte, wurde wieder eine Magensonde zum Einsatz gebracht. Von Anfang an standen auch Mutter Jenni und Vater Marc unter dem Druck: Trinkt das Kind genug?

Vor allem trank Ronja nicht gerne, meldete sich nicht von allein, litt unter starken Bauchschmerzen. Viele Wochen später erst bekam ein Kinderarzt heraus, woran die Schmerzen und der ungewöhnlich heftige Stuhlgang lagen: Ronja hatte sich im Krankenhaus mit einem Keim infiziert, der eine starke Darmentzündung ausgelöst hatte.

Ronja musste wieder ins Krankenhaus, wurde mit einem starken Reserveantibiotikum behandelt. Das schlägt an – aber Ronja bekommt einen heftigen Mundsoor. Der wird mit einem Antipilzgel behandelt – das definitiv für das Kleinkind ekelig schmeckt. Es folgt eine Nierenbeckenentzündung, langwierige Erkältungen und Bronchitis, Polypen wurden entfernt, immer wieder stehen Krankenhausaufenthalte an. Einer davon bedeutet eine erneute Infektion mit einem Krankenhauskeim.

Viel Geld für Probiotika

Die Sommers gehen mit Ronja auch zum Osteopathen, zum Heilpraktiker, investieren eine Menge Geld in Probiotika.

Aber mittlerweile verbindet Ronja mit dem Fläschchen, mit Brei, mit dem Essen überhaupt nur negative und ekelige Erfahrungen. Gut, mit Trickserein und Ablenkungen schaffen es die Sommers, ihrer Tochter Nahrung einzuflößen. Einfach von allein, mit Lust und Wonne oder ganz normal essen? Kann Ronja nicht. Mahlzeiten sind für die Familie oft der blanke Stress. Die Eltern kriegen Streit, es fließen Tränen.

Jennifer und Marc Sommer waren mit Ronja auch schon beim Kinderpsychologen. Der riet zu einer Therapie in einer Spezialklinik, die Ess- und Fütterstörungen behandelt. Die gibt es nur in Hamburg, München oder Graz. Die Therapie würde vier bis sechs Wochen dauern.

Schon wieder ins Krankenhaus? Die Zwillinge für so viele Wochen trennen? Gerade Letzteres geht gar nicht. Die beiden haben eine besondere Beziehung, suchen sich und brauchen sich. „Und wenn sie als Angehöriger bei einem Klinikaufenthalt in der Nähe sein wollen, müssen sie dafür selbst aufkommen“, erklärt Marc Sommer.

Bei ihrer Suche nach Auswegen, nach Hilfe stieß Jenni Sommer auf den Namen Stephan Echtermeyer. Der Mann ist examinierter Krankenpfleger, staatlicher anerkannter Logopäde, hat viele Erfahrungen in Klinken gesammelt, seit 2001 eine eigene Praxis (www.sprachpuzzle.de) im Landkreis Fulda, „Schwerpunkt besondere Kinder, Ess- und Trinkproblematik, Fütterstörung“. Seit 2007 arbeitet Echtermeyer mit Dr. Markus Wilken zusammen – und das so erfolgreich, dass es ihnen Fernsehauftritte einbrachte. „Ambulante Sondenentwöhnung“ ist das Stichwort. „Ambulant“ heißt: Echtermeyer kommt zu den Familien. Jenni Sommer schrieb ihn an, schilderte Ronjas Fall ausführlich – eigentlich mit wenig Hoffnung auf eine Rückmeldung. Und hatte Stephan Echtermeyer am nächsten Tag am Telefon.

Behandlung kostet bis zu 7.000 Euro

Nach ausführlichem Austausch, auch von Videos, stand für Echtermeyer fest: Ronja ist ein „klassischer Fall“. Natürlich würde er nach Langwedel kommen. Sein Honorar allerdings, seine Kosten für Unterkunft und Verpflegung zahlt keine Krankenkasse. Ronjas Behandlung kann bis zu 7. 000 Euro kosten. Die haben die Sommers nicht.

Vater Marc ist Alleinverdiener ohne Reichtümer nach Hause bringen zu können, Mutter Jenni kann nicht nebenbei arbeiten gehen. Der Versuch, Ronja und Lasse in der Krippe unterzubringen, scheiterte, musste wegen Ronjas Verfassung scheitern.

„Die Idee kam dann eigentlich aus unserer Krabbelgruppe“, so Jenni Sommer. Der Gedanke: „Macht doch eine Spendensammlung im Internet.“ Gesagt, getan. Es gibt eine Adresse, unter sich Ronjas Geschichte im Detail nachlesen lässt. Hier kann man auch gleich spenden, gucken, wie hoch die Spendensumme schon ist.

Dazu sind Frauen aus der Krabbelgruppe dabei, Plakate und Flyer zu verteilen, auf der man auch die Nummer eines Spendenkontos findet, wenn man helfen möchte.

Einige Leute haben schon Geld gegeben, Marc Sommers Arbeitskollegen haben gesammelt. „Alles werden wir wohl nicht zusammenbekommen“, meint Jenni Sommer. „Aber dann leihen wir den Rest. Irgendwie.“ J jw

Die Adresse im Internet: www.leetchi.com/de/Cagnotte/25665978/c9795f93

Das Spendenkonto bei der INGDiba: 

Jennifer Sommer, Verwendungszweck Spendenaktion Ronja; DE90 5001 0517 5549 4343 41, BIC INGDDEFFXXX

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