Weltpremiere im kleinen Holtebüttel mit Thundermother aus Schweden

Rock ‘n’ Roll hinter dem Feuerwehrhaus

So sieht das bei einem Rock-Konzert in Coronazeiten aus, bevor es losgeht. Schon irgendwie merkwürdig.
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So sieht das bei einem Rock-Konzert in Coronazeiten aus, bevor es losgeht. Schon irgendwie merkwürdig.

Holtebüttel – Der ausverkaufte Auftakt ist in Wacken, einen Tag später, auch ausverkauft, war Holtebüttel dran. Das ist jetzt keine Meldung aus dem vergangenen Jahr, sondern eine Geschichte aus diesem Corona-Sommer.

Ja, sicher, das große Wacken-Openair ist auch abgesagt. Aber es gab eine Ersatzfete, die ein Telekommunikationsunternehmen ins Internet streamte. Korrekt, auch das kleine (aber immer feinere) Holtebüttel-Rockt-Festival hat Mitte Juni nicht stattgefunden. Trotzdem spielte jetzt der geplante Headliner – die Band Thundermother – auf der großen Pferdewiese hinter dem Feuerwehrhaus. Die Damen der schwedischen Rockband spielten gar vor Publikum – und das war auch noch fast so etwas wie eine Weltpremiere.

Am 31. Juli kam das neue Album der Band auf den Markt: „Heat Wave“. Aus der lange geplanten Sommertour durch Europa wurde aus den bekannten Gründen nichts. Aber nach den Lockerungen gab es einen Anruf aus Schweden in Holtebüttel, Flecken Langwedel, Landkreis Verden: „Geht bei Euch was?“

„In Holtebüttel sind wir ja schon ein bisschen bekloppt“, meint Lars Rohde vom Vorstand des Vereins Holtebüttel rockt. „Wir kriegen das hin, haben wir gesagt.“ Dazu muss man vielleicht noch wissen: „Wir“ – das ist ein eingetragener Verein aus lauter Ehrenamtlichen. Die Idee zu einem Rockfestival auf dem Dorf soll gar mal eine Schnapsidee während des Schützenfestes gewesen sein. Heute gibt es Vereinsmitglieder, die für ihr Festival richtig Urlaub nehmen. „Wir wollen nie ein Wacken werden. Das kannst du nur hauptberuflich machen“, findet Lars Rohde. Angefangen hat man, weil man Bands aus der Gegend und dem weiteren Umland Auftrittsmöglichkeiten geben wollte. Mittlerweile möchte man sich auch schon bekanntere Bands gönnen – wie Thundermother.

Aber ein Release-Konzert in Coronazeiten?

Die Holtebütteler guckten sich die Vorschriften an, erarbeiteten ein Konzept, legten das bei der Gemeinde und beim Landkreis vor, bekamen noch ein paar Tipps, wie es besser gehen könnte und dann die Ansage: „So könnt ihr es machen.“

„So“ – das heißt, dass es kein normales Konzert wie früher sein konnte. Maximal 200 Besucher, die Karten wurden aufgrund der kleinen Zahl nur übers Internet beworben und verkauft. Alle Tickets sind personalisiert, Einlass gab es nur auf Corona-Abstand und mit Lichtbildausweis. Auf dem Parkplatz neben dem Schützenhaus und dem Feuerwehrübungsgelände standen dann 20 Boxen mit Bierzeltgarnituren, an denen jeweils zehn Leute Platz nehmen durften und mussten. Sitzen war Vorschrift. Auf dem Weg zur Box und zu den Toiletten im Schützenhaus, die nach jedem Besucher einzeln desinfiziert wurden, war Maske zu tragen.

Speis und Trank an einem festen Stand gab es auch nicht, dafür mobile Verkäufer. Mittels Fahne in der Box konnte den Stewards „Durst“ signalisiert werden. Die Wege auf dem Konzertgelände waren teilweise Einbahnstraße, Begegnungsverkehr sollte tunlichst vermieden werden.

Und die Besucher? Durstig, gut gelaunt, diszipliniert und rücksichtsvoll. Wie das bei Konzerten der lauteren und härteren Art eigentlich immer so ist.

Und die Band? Kam, wie das auch so üblich ist, natürlich unpünktlich, um dann auf Feinste mit 200 Leuten die Veröffentlichung ihres neuen Albums zu feiern. Thundermother spielten übrigens auf dem Dach eines alten und umlackierten Feuerwehrautos. Was absolut in die Holtebütteler Lokalität hinter dem Feuerwehrhaus und neben dem Schützenhaus passte.

Der Verein Holtebüttel rockt freute sich über einige Sponsoren, von denen einer stellvertretend, weil in die aktuelle Situation passend, genannt sei: Die Firma Solight aus Achim. Man würde endlich mal wieder gern eine Veranstaltung begleiten, für Licht, Effekte und Co sorgen – so die Bitte vor diesem nicht nur für die Holtebütteler ungewöhnlichem Konzert.

„Wir spielen kein Rock’n’ Roll, wir sind Rock’n’ Roll“ – behaupten die Schwedinnen. Wo sie recht haben, haben sie recht. Und wer schon in Wacken und auf einer Full Metall Cruise (eine Kreuzfahrt der anderen Art) gespielt hat, der hat seine Qualitäten längst bewiesen.

Von Jens Wenck

„Wir spielen kein Rock’n’ Roll, wir sind Rock’n’ Roll“. Das behauptet die schwedische Band Thundermother von sich und stellte das beim Festival in Holtebüttel, das unter Corona-Einschränkungen stattfand, eindrucksvoll unter Beweis.

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