Verein für Kultur und Geschichte im Denkort Bunker Valentin 

Reise in eines der dunkelsten Epochen deutscher Geschichte

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Mit mehr als 50 Mitgliedern begab sich der Verein für Kultur und Geschichte auf die Erkundung des Bunkers Valentin. 

Daverden - Eine Reise in eine der dunkelsten Epochen deutscher Geschichte unternahmen jetzt über 50 Mitglieder des Vereins für Kultur und Geschichte Daverden, und zwar zum Denkort Bunker Valentin in Farge. Kurz vorm Ziel ging es im äußersten Norden von Bremen durch das beschauliche Rekum an der Weser. In nächster Nachbarschaft zu den teils noch reetgedeckten Häusern tauchte bedrohlich das übergroße Betonbauwerk auf.

Dort erwarteten im Ausstellungsbereich zwei versierte Besucherführer die Gäste. Mit viel Wissen informierten die Politikwissenschaftler, sodass die Besucher in zwei Stunden einen umfassenden Einblick sowohl über die Konstruktion des Bauwerkes als auch zu den unmenschlichen Arbeitsbedingungen beim Bau der Anlage erhielten.

Vor dem Bunkerbau wurde 1938 als erstes Rüstungsprojekt im Bremer Norden das Tanklager „Tesch“ errichtet, vorgesehen zur Betankung von Kriegsschiffen, ohne dass es während des Krieges noch zum Einsatz kam. Von 1943 bis 1945 wurde dann der Bunker Valentin errichtet, eines der größten Rüstungsprojekte des nationalsozialistischen Deutschland.

In den riesigen Hallen mit einer Gesamtlänge von über 400 Meter war eine Fließbandmontage von 120 U-Booten geplant, die den Krieg entscheiden sollten. Es sollte ein Bauwerk mit bombensicherem Dach werden. Dafür wurde zunächst eine Decke mit einer Stärke von viereinhalb Metern eingebaut.

Nachdem man in Erfahrung gebracht hatte, dass diese den schwersten Bomben der Alliierten nicht gewachsen sein würde, wurde im vorderen Teil des Bunkers die Betonstärke auf sieben Meter erhöht. Kurz vor Kriegsende gelang es dann britischen Bombern, die nicht verstärkte Decke an zwei Stellen zu durchbrechen.

Mithilfe von schienengeführten Transportwagen sollten die U-Boote in drei riesigen Hallen an 13 Taktplätzen montiert werden. Doch den Bunker verließ kein einziges U-Boot, noch vor der Vollendung des Baus war der Zweite Weltkrieg zu Ende.

Bis zu 4 000 Zwangsarbeiter aus ganz Europa arbeiteten gleichzeitig auf der Bunkerbaustelle. Die körperlich schwere und auch lebensgefährliche Arbeit, mangelnde Ernährung und schlechte Unterkünfte ließen die Sterberate hochschnellen. Mehrere Tausend Kriegsgefangene starben auf der Baustelle.

Die Bremer Gestapo unterhielt „Arbeitserziehungslager“ für Arbeitsverweigerer, die sogenannten „Bummelanten“, die von Baufirmen für 56 Tage dorthin geschickt werden konnten. Diese Haft sollte als Abschreckung dienen und war es auch, denn wer auf seine eigentliche Arbeitsstelle zurückkam, war deutlich körperlich und seelisch geschunden.

Ab Oktober 1944 wurden beim Bunkerbau auch „jüdische Mischlinge ersten Grades“ zur Zwangsarbeit eingesetzt. Auf Fotos waren die ausgemergelten Arbeitskräfte zu sehen, dabei auch ein Aufpasser mit Schlagstock.

Als die Alliierten näher rückten, wurden die Zwangsarbeiter auf Todesmärsche geschickt, so auch zum Lager Sandbostel bei Bremervörde.

Nach Kriegsende diente der Bunker als Zielobjekt der Alliierten für Bombentests. Ab 1960 wurden Teile der Anlage als Materialdepot der Bundesmarine genutzt. Heute gehört der Bunker immer noch der Bundesrepublik. Die Landeszentrale für politische Bildung errichtete dort den  Denkort Bunker Valentin.

Nach den vielen Informationen der beiden Besucherführer in dem recht kühlen Bunker ging es hinaus in die Sonne, um den riesigen Betonklotz zu umwandern. Vom Weserdeich hatte man einen Blick auf die nicht fertiggestellte Schleuse und auf die Bucht in der Weser, wo die U-Boote wenden sollten.

Der Bus brachte die Daverdener dann nicht gleich nach Hause sondern in das Restaurant „Zur Gläsernen Werft“ im Stadtgarten Vegesack, wo bereits eingedeckt war. Der Matjesteller schmeckte hervorragend, dazu ein wundervoller Ausblick auf die Weser. Kein schlechter Ausklang für einen nachdenklich stimmenden Tag. 

hu

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