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Radfahrer-Brücke am Weserwehr in Intschede: Im großen Bogen hoch über die Weser

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Von: Heinrich Kracke

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Grafik einer Brücke über einen Fluss. Im Hintergrund ist ein Wehr zu sehen.
Zumindest als Visualisierung gibt es die neue Radfahrer-Brücke am Weserwehr in Intschede schon. © Ramboll

Im hohen Bogen über die Weser soll die neue Radbrücke am Wehr von Intschede nach Daverden führen. Die Kreispolitik hat das Projekt, das bis zu zehn Millionen Euro kosten könnte, einstimmig abgesegnet. Berechnungen haben ergeben, dass etwa 70 000 Pedalritter pro Jahr das Bauwerk nutzen könnten.

Verden/Intschede – Darf es ein schöneres Bauwerk sein, auch wenn der Preis ein bisschen höher ausfällt? Als die neue Radbrücke am Intscheder Wehr ans Licht der Öffentlichkeit kam, im Bauausschuss des Landkreises, da ging es um Strecken-Varianten, um Konstruktionsmöglichkeiten, um das alte Wehr und dessen Denkmalschutz und um Baupreise. Um gut eine halbe Million Euro differierten die Kosten der einzelnen Projekt-Vorschläge, die Alexander Mai vom Hamburger Ingenieurbüro Ramboll vorstellte. Vom rechtwinkligen Bau bis zum kurz geschwungenen S war nichts ausgelassen, aber am Ende votierte die Politik einstimmig für jene Lösung, die in den einzelnen Kriterien die besten Noten erhalten hatte. Es ist die filigranste. Und die teuerste. „Es lohnt sich. Die Brücke entwickelt sich zum echten Alleinstellungsmerkmal“, befand Ausschussvorsitzender Herfried Meyer.

Kommt alles, wie es sich jetzt abzeichnet, wird die Brücke von Intschede aus in einem weiten und hohen Bogen über die Weser führen, sie wird von Stahlseilen gehalten, die wiederum an einem etwa 50 Meter hohen Pylonen befestigt sind. Die Steigung fällt mit drei Prozent moderat aus, Radler können sich auf drei Metern Breite komfortabel begegnen und, angekommen auf der Daverdener Seite, erwartet die Pedalritter ein Verweilplatz mit Rundumblick auf Wehr und Weser. Der Radweg wird viereinhalb Meter über dem höchsten schiffbaren Wasserstand liegen. Ein Viertel der Baukosten entfallen auf die Zuwegungen bis zum Strom, auf die Rampen also, drei Viertel auf den reinen Brückenbau.

Sogar genaue Kalkulationen zum künftigen Radler-Aufkommen liegen schon vor. Demzufolge werden an Werktagen im Schnitt 100 bis 150 Pedalritter die Stelle passieren, an Wochenendtagen sind es 180 bis 250, in der Hauptsaison 300 pro Tag und bei besonderen Anlässen mehr als 300. Insgesamt also rund 70 000 pro Jahr. Auf dieses Aufkommen ist auch die Verweilfläche am nordöstlichen Ufer, an der Daverdener Weser-Seite, zugeschnitten. Er rechne mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 20 Minuten, so Mai, es müssten also 15 Radler gleichzeitig Platz finden. Für sie wird nicht etwa ein rundes oder quadratisches Areal geschaffen, sie können stattdessen gleich am Wegesrand parken. Jeweils drei Meter stehen beidseitig der eigentlichen Fahrbahn zur Verfügung, und das auf 40 Metern.

In der Politik fand das Projekt bemerkenswert einstimmige Unterstützung quer durch alle Fraktionen. Sogar Enthaltungen blieben aus. „Die SPD unterstützt es, auch wenn es nicht bei den aktuell kalkulierten Preisen bleiben wird. Die Brücke dient nicht nur dem Tourismus, sie ist auch ein wichtiger Beitrag zur Verkehrswende“, befand Dörthe Liebetruth. „Wir sollten die Chance nutzen, auch wenn wir bei den Kosten womöglich auf zehn Millionen Euro zulaufen“, ergänzte Günter Lühning (CDU). „Wir brauchen nicht nur den Fahrradschnellweg von Bremen über Achim und Verden Richtung Nienburg, wir brauchen auch eine Querverbindung in die Samtgemeinde Thedinghausen. Die Brücke erfüllt diese Voraussetzung“, sagte Frank-Peter Seemann (Grüne). Versüßt wurde die Entscheidung mit der Zusage aus Hannover, 75 Prozent der Kosten zu übernehmen.

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Die generelle Lage bewertete Landrat Peter Bohlmann: „Mit dieser Brücke kommen Radler entspannt über die Weser. Gleichzeitig können Autofahrer wegen kürzerer Gelbphasen vor dem Wehr schneller passieren. Damit dürfte sich das Fahrzeugaufkommen auf den vollen Kreuzungen in Hönisch und Uesen entspannen.“

Während die Bauphase der Brücke mit etwa einem Jahr angegeben ist, zieht sich die Planung noch etwa drei Jahre hin. Demzufolge können Radler erstmals frühestens im Jahr 2026 die neue Herrlichkeit hoch über dem Strom nutzen. Deutlich früher dürfte die Autofahrbahn über das Wehr fertiggestellt sein. Zunächst werden, so Werner Stadtlander vom Straßen-Fachbereich, Radler und Autofahrer sich die schmale neue Fahrbahn teilen müssen. Die Wartezeiten dürften sich jedoch verkürzen. Stadtlander: „Die neue Ampelanlage reagiert selbstständig auf das Radleraufkommen.“ Kostenpunkt: Rund 100 000 Euro.

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