Produkt der Region: Erdgas

DEA-Öffentlichkeitsarbeiter setzt auf Sympathiewerbung

+
Der Betriebsplatz der DEA in Schülingen mit Bohrturm. Ausgerechnet in der Nachbarschaft, in der Region werden das Unternehmen und sein Tun äußert kritisch betrachtet. 

Langwedel - „Der Trend hin zu regionalen Produkten hält insbesondere in Deutschland unvermindert an. Was auf die Märkte einer Region kommt, sollte möglichst auch aus dieser Region stammen. Das gilt für Nahrungsmittel ebenso wie für viele andere Produkte des täglichen Bedarfs“, überlegt jetzt Heinz Oberlach, Pressesprecher der DEA, Deutsche Erdoel AG. Und versucht in einer folgenden Pressemitteilung mehr Sympathie und Verständnis für die heimische Erdgasförderung zu erreichen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher werde es unter anderem immer wichtiger, dass die Transportwege der Produkte von deren Entstehungsorten zu deren Märkten kurz sind, so Oberlach. Auch sollen die Bedingungen, unter denen die Produkte entstehen, den hohen heimischen Standards entsprechen. „Wenn es beispielsweise um Kartoffeln, Äpfel, Fleisch, Wurstwaren und Bier geht, gibt es beim Ruf nach regionalen Produkten einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Beim Erdgas - einem anderen wesentlichen Produkt des täglichen Bedarfes - ist dieser Konsens geringer ausgeprägt“, hat der DEA-Sprecher ausgemacht.

Dabei sei das Erdgas der DEA in Niedersachsen ein Vorzeigebeispiel dafür, wie die Forderung nach regionalen Produkten sehr konkret mit Leben gefüllt werden könne. Erdgas sei weiterhin der wichtigste Energieträger Niedersachsens. Mehr als die Hälfte des Energiebedarfs der Haushalte in diesem Bundesland werde mit Erdgas gedeckt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Niedersachsen benötigen darum pro Jahr mehr als 10 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Im vergangenen Jahr habe DEA in Niedersachsen knapp ein Viertel des von allen Unternehmen der Branche in diesem Bundesland produzierten Erdgases gefördert. „Damit konnte DEA fast 16 Prozent des gesamten niedersächsischen Jahres-Verbrauches an Erdgas bereitstellen“, so Oberlach.

DEA-Erdgas bleibt im Bundesland

Ein Blick auf die Verteilnetze in Deutschland lege zudem den Schluss nahe, dass auch im vergangenen Jahr wieder jeder von DEA in Niedersachsen geförderte Kubikmeter Erdgas im eigenen Bundesland geblieben sei.

Im Gegensatz zum Import-Gas müsse Erdgas aus Niedersachsen von den Förderplätzen zu seinen Verbraucherinnen und Verbrauchern nur über sehr kurze Strecken transportiert werden.

Auch gelten bei der Erdgas-Produktion in Niedersachsen sehr hohe, weltweit anerkannte Standards - insbesondere hinsichtlich des Umweltschutzes, des Arbeitsschutzes und der Arbeitssicherheit.

Nun produziert die DEA in Niedersachsen ausschließlich L-Gas. Ausgerechnet die Stadtwerke Achim, die auch den Flecken Langwedel, Ottersberg und Oyten versorgen, sind aktuell immer noch dabei, die Versorgung ihrer Kunden von L-Gas auf H-Gas umzustellen. Gleiches gilt für den Versorger Wesernetz, der im Land Bremen sowie unter anderem in der Samtgemeinde Thedinghausen aktiv ist.

Jetzt stellen die Unternehmen nicht freiwillig von L- auf H-Gas um. Zumal alle Gasverbrauchsgeräte (wie Heizungen) umgebaut werden müssen, um das H-Gas verarbeiten zu können.

Niederlande provozieren Umstellung

Man sieht sich zu der Umstellung gezwungen, weil die Niederlande ihre Erdgasförderung rund um Groningen aufgrund diverser Erdbeben stark gedrosselt haben und nun nicht mehr die entsprechenden Mengen liefern können. L-Gas wird in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt sowie in Bremen verbraucht. Der überwiegende Teil Deutschlands wird seit Jahrzehnten mit H-Gas versorgt. Das energiereichere H-Gas kommt zumeist den weiten Weg aus Norwegen und Russland. Etwa 2030 soll bundesweit nur noch H-Gas verbraucht werden. (www.erdgas.info)

Was macht dann die DEA mit dem heimischen, dem niedersächsischen Erdgas? Nach den aktuellen Prognosen, so Heinz Oberlach auf Nachfrage, reichen die Reserven im Erdgasfeld Völkersen noch etwa 15 Jahre. Passt ziemlich gut in den Zeitrahmen, in dem in Deutschland noch mit L-Gas geheizt werden soll.

Eine erste öffentliche Reaktion auf die DEA-Imagewerbung ließ nicht lange auf sich warten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt reagierte prompt und ziemlich ungehalten: „Die Produktion von regionalen Nahrungsmitteln wie Gemüse oder Fleisch mit der Förderung von Erdgas gleichzusetzen, ist skandalös und an Unverfrorenheit nicht zu übertreffen.“ Ein Gewinn für die Region sei nicht festzustellen, so Mattfeldt, im Gegenteil.

„Wenn der DEA tatsächlich an einem Gewinn für unsere Region gelegen wäre, dann müsste dies für die Anwohnerinnen und Anwohner auch spürbar sein, etwa durch eine Abgabe besagten Erdgases zu günstigeren Preisen. Was die Menschen hier in der Region stattdessen bekommen, sind Umweltverschmutzung, ein erhöhtes Erdbebenrisiko und ein schleichender Wertverlust ihrer Grundstücke. Aus meiner Sicht ist das kein guter Handel“, so Mattfeldt. 

jw

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Leipzig und Augsburg mit Mühe im Pokal weiter

Leipzig und Augsburg mit Mühe im Pokal weiter

Flutkatastrophe in Indien trifft Hunderttausende

Flutkatastrophe in Indien trifft Hunderttausende

Syker Gourmetfestival

Syker Gourmetfestival

Weyher Ortsschildlauf

Weyher Ortsschildlauf

Meistgelesene Artikel

Neue Kita-Gruppen, neue Räume – und Namensänderung

Neue Kita-Gruppen, neue Räume – und Namensänderung

Geflügelmast und Sauenstall: Neubaupläne kaum umstritten

Geflügelmast und Sauenstall: Neubaupläne kaum umstritten

Streit unter Kollegen eskaliert: Holzpflock und Messer im Einsatz

Streit unter Kollegen eskaliert: Holzpflock und Messer im Einsatz

„Neues Konzept geht auf“

„Neues Konzept geht auf“

Kommentare