„Texte und Zeichen“ von Klaus Hübotter und Lothar Bührmann

Prägnanten Reimform trifft sparsame Striche

Der Etelser Lothar Bührmann hat die Cartoons zu Texten von Klaus Hübotter geliefert. Das gemeinsame Buch heißt „Texte und Zeichen“. Als nächstes Projekt hat der Künstler die Zusammenarbeit mit der Lyrikern Inge Buck ins Auge gefasst. -  Foto: Hägermann

etelsen - Links die Texte, auf der gegenüberliegenden Seite die Zeichen. Die Zeichen sind Cartoons von Lothar Bührmann. Die Texte hat Klaus Hübotter, Bremer Ehrenbürger, geschrieben. Das gemeinsame Buch heißt „Texte und Zeichen“. Die Unterzeile verspricht „Literarische Cartoons“.

Der Ende des Vorjahres im Druckerpresse-Verlag erschienene Band ist nicht die erste gemeinsame Arbeit von Hübotter und Bührmann. Bereits 1996 wurde ein Buch aufgelegt, das Schrift und Bild vereinte. Treu geblieben sind beide Autoren ihrer Arbeitsweise und ihrem Ausdrucksstil. Hübotter setzt auf die prägnante Reimform, Bührmann auf Geometrie und sparsame Striche. Im besten Fall trifft alles auf den Punkt. Einige Zeilen von Johann Wolfgang von Goethe komplettieren ein Werk, das 75 Texte umfasst und ebenso viele Karikaturen.

Klaus Hübotter hat für das Buch eine Auswahl von Texten aus sechs Jahrzehnten getroffen. Die Sammlung enthält Sinnsprüche, Aphorismen und Lyrik. Anders als in der Erstausgabe von 1996, sind die Texte diesmal kurz. Sie thematisieren zum Beispiel den sozialen Wohnungsbau der 60-er und 70-er Jahre – keine Ruhmestat – ebenso den Kampf des Gartenfreundes gegen wuchernden Efeu, aber auch den Herbst 61, als die Kubakrise die Welt an den Abgrund trieb, oder Franz-Josef Strauß, dessen Unbeherrschtheit meistens gegen seine Hochbegabung obsiegte. Kanzler durfte so einer nicht werden. Klaus Hübotter gelingen in „Texte und Zeichen“ überdies lyrisch geformte Nachrufe auf Freunde, die zu den anrührendsten Stellen in diesem Buch gehören.

Sie sind wie die anderen Texte Arbeitsmaterial für den Künstler und Karikaturisten Lothar Bührmann. Seine Art ist die Überzeichnung, nicht die Überhöhung. Bührmann ist bekannt für einen Minimalismus, dem kompositorischer Zierrat fremd ist. Der Künstler, als Maler wie selbstverständlich fähig zu opulent vielschichtigen Werken, rückt als Cartoonist seine Motive, die auf einem von ihm selbst erdachten Zeichensystem gründen, gerne aus der Bildmitte und versetzt sie an den Rand.

So entstehen Freiflächen und Deutungsräume, die den Blick des Betrachters weiten.

Wer oder was als Teil des Sujet das Seitenende im Rücken hat, kennt nur eine Richtung: Vorwärts, und zwar kraftvoll. Andernfalls wird überblättert und vergessen. Lothar Bührmanns Arbeiten in diesem Buch, wie insgesamt sein karikaturistisches Werk, sind bildliche Verdichtungen von tatsächlichen Ereignissen und gedankliche Experimente - bittersüß, nicht selten gallig. Dass er dafür weniger Zeichen benötigt als der Dichter Worte, verstärkt die allgemeine Wirkung.

Als Karikaturist beschäftigen Bührmann etliche Themen - Musik, Literatur, Sport. In jungen Jahren war er Leichtathlet und vielmaliger Bremer Meister. Als solcher weiß Lothar Bührmann um die Faszination von Hoch-, Weit- und Dreisprung, von der kurzzeitigen Überwindung der Schwerkraft, aber auch vom Schmerz harter Landungen. Einem bildenden Künstler können diese Erfahrungen dauerhafte Inspiration sein.

Lothar Bührmann hat bereits neue künstlerische Aufgaben ins Auge gefasst. Vermutlich wird er bald Gedichte der Bremer Lyrikerin Inge Buck mit feinem Strich akzentuieren. - häg

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