Podiumsdiskussion zum Thema Fracking und Erdgasförderung in Völkersen

„Was brauchen wir eine Technik, die Risiken birgt?“

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Bundestagsabgeordneter Peter Meiwald (Grüne), Heinz Oberlach, Sprecher für Dea in Niedersachsen, Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden (Grüne) und Gero Landzettel, Sprecher der Langwedeler Bürgerinitiative (v. li.) diskutierten in Völkersen.

Völkersen - Was treibt grüne Bundestagsabgeordnete aus Berlin ins beschauliche Völkersen? „In Bundestag und Bundesrat wird derzeit über eine Regelung des umstrittenen Frackings zur Förderung von Erdöl und Erdgas diskutiert. Niedersachsen ist von der geplanten Neuregelung besonders betroffen, da hier mehr als 95 Prozent des Erdgases in Deutschland gefördert wird“, so Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik von Bündnis 90/ Die Grünen.

Grund für sie und ihren Kollegen, den umweltpolitischen Sprecher Peter Meiwald, sich auf ihrer zweitägigen Tour über lokale Auswirkungen und Probleme zu informieren. Am Donnerstagabend waren sie auf Stippvisite in Völkersen.

Gerade mal 30 Besucher, überwiegend Vertreter der Grünen und von Bürgerinitiativen, kamen zur Veranstaltung ins „Grashoff's“, die als Podiumsdiskussion angekündigt war. Nach kurzen und knappen Statements widmeten sich die vier Sprecher den Fragen der Besucher.

Als Hauptthema kristallisierte sich die Sorge über den Verbleib von Lagerstättenwasser heraus.

Soviel vorweg: Der Abend brachte keine Neuigkeiten. Sachlich und ruhig wurden die bereits bekannten Argumente ausgetauscht. Verlinden: „Wenn wir weiterhin in Erdgasförderung investieren, verlängern wir das fossile Zeitalter. Ich will, dass im Bereich der erneuerbaren Energien geforscht wird.“ Beifall brandete auf.

Gero Landzettel, Sprecher der Bürgerinitiative Langwedel gegen Gasbohren, sprach sich ebenfalls gegen Forschung für Fracking aus: „Was brauchen wir eine Technik, die Risiken birgt, um die Energieversorgung sicherzustellen? Wir als Bürgerinitiativen halten Fracking für großen Unsinn.“

Außerdem könne es Bürgern nicht zugemutet werden, dass sie Schäden, die nach Erdbeben am Haus entstanden sind, beweisen müssen: „Die Rechtslage ist miserabel.“ Nicht nachvollziehen könne Landzettel die im Gesetz vorgeschlagene Grenze von 3000 Metern - in tieferen Gesteinsschichten solle Fracking erlaubt werden. Und: Verpressen von Lagerstättenwasser in 5000 Metern Tiefe berge Risiken.

Einen schweren Stand hatte Heinz Oberlach, Sprecher für den Dea-Förderbetrieb Niedersachsen: Die Besucher waren seinen Erklärungen gegenüber misstrauisch. „Wenn das Gesetz verabschiedet wird, wird Dea nicht anfangen zu fracken, denn Fracking ist eine von vielen Methoden, um die Erdgasproduktion aufrecht zu erhalten.“ Weiteres Thema: Gemäß einer von Dea in Auftrag gegebenen Studie sei es am besten, Lagerstättenwasser dort hinzubringen, wo es herkommt. Das sei kein Verpressen, denn das Wasser werde „drucklos nach unten befördert“. Unten entstehe dann ein Druck von rund 500 bar.

„Lagerstättenwasser oberirdisch aufzubereiten, ist technisch möglich: Das Wasser wird verdampft“, sagte Oberlach. Doch wohin mit den Abfallstoffen, unter anderem Quecksilber? „Obwohl das Rohstoffe sind, ist es uns laut europäischem Recht nicht möglich, sie zu verkaufen. Sie müssen entsorgt werden. Überhaupt: „Wer will eine Aufbereitungsanlage vor der Haustür haben?“

Zwischendurch wurde Kritik am grünen Umweltminister Niedersachsens, Stefan Wenzel, laut: Der hatte sich für Fracking stark gemacht. Auf rhetorisch geschickte Art gelang es Verlinden, von Wenzel abzulenken.

Dann noch ein Appell an den Landkreis: „Wenn es um das Genehmigungsverfahren zum Verpressen von Lagerstättenwasser in eine ausgeförderte Lagerstätte in Völkersen geht, wird der als untere Wasserschutzbehörde beteiligt werden. Ich habe das Gefühl, es hat sich dort noch niemand damit beschäftigt“, sagte Landzettel.

Zum Abschluss luden Verlinden und Meiwald ein, die Anhörungen im Umweltausschuss am 8. Juni und im Wirtschaftsausschuss am 10. Juni zu verfolgen - ob in Berlin oder per Internet. „Möglicherweise wird noch vor der Sommerpause ein Beschluss gefasst“, sagte die Politikerin und versprach: „Ich werde eine namentliche Abstimmung beantragen.“

is

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