Pianisten Panos Karan und Johannes Mnich im Schloss Etelsen

Beifall ohne Ende

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Johannes Mnich und Panos Karan lieferten im großen Saal des Schlosses Etelsen ein wirklich in allen Belangen begeisterndes Konzert ab.

Etelsen - Von Ilse Walther. Im letzten diesjährigen festlichen Sommerkonzert war erstmalig der griechische Pianist Panos Karan im Schloss Etelsen zu Gast, der den ersten Teil des Konzertes allein bestritt, den zweiten gemeinsam mit Johannes Mnich – und zum Abschluss der Reihe wurde es ein mehr als bemerkenswertes Erlebnis.

Karan spielte im ersten Teil des Konzertes Werke von Brahms, Skrijabin und Balakirev. Im zweiten Teil war dann der Organisator der Schlosskonzerte Johannes Mnich als Pianist dabei, die beiden Künstler musizierten Werke für Klavier vierhändig. Wieder moderierte Johannes Mnich in der bei ihm gewohnten geistreichen Art fundiert über die Kompositionen, erzählte auch kleine Anekdoten über die Komponisten.

Panos Karan ist nicht nur ein exzellenter Pianist, er bringt auch vielen Kindern in der ganzen Welt die westliche Musik nahe, indem er in Schulen, Krankenhäusern und sogar mit e-Piano und Dieselaggregat im Amazonas die Menschen mit klassischer Musik begeistert, ein sympathischer Kosmopolit und Menschenfreund.

Er verfügt über geradezu atemberaubende Technik und hohe Musikalität. Sein Anschlag ist ungemein variabel, er entlockt dem Instrument die unwahrscheinlichsten Klänge, und das mit einer Leichtigkeit, die begeistert. Er bot zu Beginn 7 Fantasien op. 115 von Johannes Brahms und verstand es von Anfang an, sich in die große Gedanken-und Gefühlswelt des Komponisten zu versetzen. Zupackend leidenschaftlich trieb er die hochdramatischen Sätze voran und schloss diese mit kraftvollen Akkorden. Er lieferte eine in sich geschlossene Interpretation.

Alexander Skrjabin war Zeit seines Lebens sehr von sich überzeugt und hielt sich für den besten Pianisten und Komponisten. Seine 2. Klaviersonate hat zwei Sätze, der erste schildert hoch romantisch dicht die Stimmung am Wasser im Mondlicht ruhig und mit behutsamem Pedal. Im zweiten Satz rollen die Wellen turbulent heran, verlaufen am Ufer, wie ein Perpetuum mobile fließt das Meer weiter, immer höher, immer weiter. Eine tolle Naturstimmung, großartig musiziert.

Wohl eines der in Pianistenkreisen gefürchtetsten Werke ist die orientalische Fantasie „Islamey“ von Mili Alexejewitsch Balakirev – wegen seiner geradezu akrobatisch tobenden Technik, die man beherrschen muss. Und das war ein Paradebeispiel für das Können von Panos Karan. Er stürmte in unwahrscheinlichem Tempo durch diesen tscherkessischen Volkstanz, seine Finger schienen sich zu verknoten, mühelos leicht sprang er über die Tasten.

Mit Johannes Mnich am Flügel hatte Panos Karan einen adäquaten Partner. Dessen Klavierspiel ist hier bekannt, er kann sich einfühlen, mit dem Partner mitgehen, hat ebenso Freude am Musizieren, man versteht sich.

Und dabei war das für beide Pianisten eine Premiere mit dem Vierhändigspiel. Die wunderbare Fantasie f-moll, D940, die Franz Schubert ganz kurz vor seinem Tod schrieb, lässt das nahe Ende oft ahnen in seinen wehmütigen Passagen und auch in dem bekannten Thema, das immer wieder erscheint, feinsinnig verändert wird und auch ganz fröhlich, mozartisch leicht zu hören ist.

Panos Karan saß hier an der linken Seite des Flügels, Johannes Mnich rechts. Panos Karan begann die Fantasie in der Tiefe mit dem warmen Vorspiel, in das sich Johannes Mnich mit dem eingängigen Thema sensibel einfügte, und dann war es ein wunderbares gemeinsames Musizieren, eine sehr reife, bewegende Wiedergabe.

Die Pianisten beendeten den Abend farbig und mitreißend mit den Ungarischen Tänzen Nr. 1,4,5 und 6 von Johannes Brahms in der Originalfassung für Klavier vierhändig, mit Esprit und großem Spaß. Sie steckten mit ihrer Spielfreude die Zuhörer immer mehr an, der Beifall wollte nicht enden.

Dafür bedankten sich die Beiden mit einer Show, köstlichem Musiktheater, bei dem sie selber auch lachen mussten. Und dann war das noch nicht mal vorher geprobt worden, also eine ganz spontane, gelungene Sache. Toll!

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