Versuchsfeld auf dem Etelser Giersberg / Ergebnisse im kommenden Jahr erwartet

Pflanzen als Grundwasserschutz

Zunächst war eine große Investition in Saat und Bodenbearbeitung nötig: Landwirt Sebastian Ernst verfolgt mit seinen Berufskollegen die Ausführungen von Heiner Lass (v.re.) und Carsten Meyer.
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Zunächst war eine große Investition in Saat und Bodenbearbeitung nötig: Landwirt Sebastian Ernst verfolgt mit seinen Berufskollegen die Ausführungen von Heiner Lass (v.re.) und Carsten Meyer.

Etelsen – Das Thema Grundwasserschutz und „rote Gebiete“ beherrschte vor der Pandemie die öffentliche Diskussion zur Landwirtschaft. Auch im Landkreis Verden sind weite Teile der Ackerflächen, insbesondere in der Geest als rotes Gebiet deklariert worden. Dort sind bei den Messungen erhöhte Nitratwerte im Wasser aufgetreten, was von einer Landesbehörde in ganz Niedersachsen untersucht wurde. Die Folge ist, dass hier von den Landwirten nach der Novelle der Düngeverordnung 20 Prozent weniger gedüngt werden darf und die Zwischenfrüchte sogar gar nicht mehr mit Dünger im Wachstum gefördert werden dürfen.

Daher startete die Ingenieursgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU) mit Hauptsitz in Göttingen einen Feldversuch auf dem Etelser Giersberg. Auf dem Feld des Betriebes Sebastian Ernst drillte der Landwirt eine spezielle Saatmischung in Kooperation mit der Saatenunion ein, um nun Erkenntnisse in die Bewirtschaftung mit Zwischenfrüchten ohne Düngung auf mageren Böden zu erlangen.

„Die 25 Bodenpunkte sind hier eher sparsam, was den Boden angeht“, sagte Carsten Meyer (IGLU). Mit Sonnenblumen und Phacelia am breiten Rand des Feldes und Rauhafer sowie Ölrettich im Zentrum wuchsen vier Pflanzenarten, die alle auch bei der sogenannten Nulldüngung laut Experten gut gedeihen konnten. Das Feld selber liegt zwar nicht im roten Gebiet, was für den Versuch aber unerheblich gewesen sei.

Der Zwischenfrucht kamen dabei gleich mehrere positive Funktionen für die Allgemeinheit zu Gute. „Es geht darum, dass das Sickerwasser von den Pflanzen gebunden wird“, sagte Meyer, weil sonst die Rate des Wasseraustausches 1 bis 1,5 betrage. Dies führe zum Auswaschen des Stickstoffes im Boden und letztendlich zu erhöhten Nitratwerten im Sickerwasser. „Ein Ziel ist, das Wasser in die Zwischenfrucht zu bekommen. Damit der Nitratwert nicht über 50 Milligramm kommt“, sagte er.

Entsprechende Wurzelbildung der Pflanzen lockere außerdem den Boden auf, was wichtig für die Fruchtbarkeit des Ackers sei. Dies sei auch bei Rauhafer und Ölrettich auf der Etelser Fläche gelungen, wie Heiner Lass von der Saatenunion mit Spaten und Körpereinsatz demonstrierte. Zudem wirkten diese beiden Arten quasi als biologische Waffe gegen Pflanzenschädlinge, wie Würmer bei Kartoffeln, wodurch weniger chemischer Pflanzenschutz durch den Landwirt nötig werde. Was einen weiteren positiven Effekt für die Wasserqualität darstelle.

Die Blühpflanzen böten dazu jetzt im Herbst eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Insektenpopulation.

„Der ganze Effekt wird mit der Entwicklung der Biomasse überprüft“, sagte Paul Kastner (IGLU), weil die Bindung von Wasser und Stickstoff durch die Pflanzen wissenschaftlich dokumentiert werde. Die Etablierung einer Zwischenfrucht ohne Düngung mit Berücksichtigung von Ernteresten und Bodenbearbeitung sollte so auf verschiedenen Bodentypen entwickelt werden, damit in Zukunft die ideale Pflanzenauswahl und Menge nach standardisieren Verfahren ermittelt werden könne.

Denn für den Ertrag der Landwirte spiele die Zwischenfrucht vor allem eine Rolle mit einer besseren Ernte der Hauptfrucht, weil das Feld gute Voraussetzungen für Getreide oder Kartoffeln bekomme. „Das ist erst einmal eine große Investition in Saat und Bodenbearbeitung. Der Mais nächstes Jahr zeigt dann das Ergebnis“, schaute Sebastian Ernst voraus. Also müsse für die wirtschaftlichen Erkenntnisse des Projekts noch die Maisernte 2021 abgewartet werden.

Von Henning Leeske

Heiner Lass von der Saatenunion zeigt die Wurzelbildung des Rauhafers.

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