Papierkunst von Friederike Blumberg / „Etwas Schönes draus machen“

Weg vom Alltäglichen

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Friederike Blumberg mit „meditativen Kritzeleien“, wie sie es nennt.

Daverden - „Ich hatte zu viel, und ich wollte weiterarbeiten. Also musste ich einiges verkaufen.“ Deshalb war Friederike Blumberg als Ausstellerin auf Kunsthandwerker- und Hobbymärkten anzutreffen. Mit ihrer Papierkunst.

Die Daverdenerin war unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt in Daverden, auf dem Kunsthandwerkermarkt im Langwedeler Rathaus und auf dem Novembermarkt in der Waldorfschule in Ottersberg mit dabei. Ganz neu: Sie verkauft ihre Papierkunst jetzt auch privat in ihrem Haus am Goldbergsring 41. Im eigens dafür eingerichteten Verkaufsraum.

Das Zimmer ist voller schöner Dinge. Ausgefallene Geschenke – Hübsches, das nicht jeder hat. Klein und groß, farbig und schwarz-weiß. Es ist so viel, dass man lange stöbert und immer noch Neues entdeckt.

Ihre Eltern führten die Gärtnerei Philipp, und dort wuchs Friederike Blumberg auf. Schon damals malte und zeichnete sie viel. Nach ihrer Schulzeit erlernte sie den Beruf der Industriekauffrau. 1972 heiratete sie und wurde Mutter zweier Kinder. Seidenmalerei und Portraitzeichnen waren damals ihre Steckenpferde.

Zehn Jahre lang arbeitete Blumberg in einem Achimer Bestattungsunternehmen und absolvierte bei der Hospizhilfe Achim eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin. Bis sie ihren Beruf wegen einer Krankheit aufgab. „Musik und Malerei waren mir eine wertvolle Hilfe, meine Therapie. Sie bringen mich weg vom Alltäglichen.“ Rund drei Stunden lang arbeitet die 63-Jährige jeden Tag. „Das ist Meditation für mich“, sagt sie und erklärt, wie ihre Scherenschnitte entstehen: „Auch wenn es Scherenschnitt heißt, schneide ich nicht mit der Schere, sondern mit dem Cutter.“ Langsam und vorsichtig schneidet sie Figuren, Bäume und Blumen, taucht völlig in ihre Arbeit ein. Wie bei einer Meditation.

Einen schönen Kontrast zu den schwarz-weißen Scherenschnitten bildet Blumbergs Schmuck: Ketten, Ringe und Ohrringe. Was das mit Papierkunst zu tun hat? Auf den ersten Blick nicht zu erkennen: Die Perlen bestehen aus Papier. Dafür finden mal eines der selbst gemalten Aquarelle, mal ein Stück Tapete, mal eine Serviette, mal Geschenkbänder Verwendung. Auch ein Gemälde von Paula Modersohn-Becker hat die Künstlerin schon als Perle verarbeitet. Kein Original, sondern ein Druck, versteht sich.

Seiten eines Notenbuchs aus der Zeit um 1900 sind ebenfalls als Kette und Ring zu bekommen. Einige Perlen scheinen aus Leder hergestellt zu sein. „Nein, das ist bestempeltes Papier“, erklärt Blumberg schmunzelnd. Für Kinder gibt es Schmuck mit beispielsweise Mickymaus. Wer die Ketten in die Hand nimmt, mag staunen: Alle sind federleicht. Und zum Schutz gegen Nässe imprägniert.

Die Idee, Perlen aus Papier zu wickeln, entstand vor vier Jahren, als Blumbergs Enkelkinder etwas ähnliches in der Schule bastelten. Das entwickelte die Künstlerin weiter. Zeitschriften betrachtet sie inzwischen mit einem ihr eigenen Blick. „Da kann ich etwas Schönes draus machen“, denkt sie, wenn sie so manche Seite in einer Illustrierten entdeckt.

Irgendwann begann Blumberg mit Kritzeleien. „Meditative Kritzeleien“ nennt sie es. Der Begriff mag irreführen, denn mit Schmierereien oder wirren Linien hat es überhaupt nichts zu tun. „Es ist ein Malen von Mustern“, erläutert die Künstlerin. Wenn man weiß, wie es geht, entstehen wunderschöne Motive. Klar, dass Blumberg sich auch darin vertieft, und eine meditative Atmosphäre entsteht.

Auf diese Weise stellt Blumberg kleine Notizbücher („Hosentaschenbüchlein“) und Büchlein zum Verschenken her. Letztere mit kurzen herzerwärmenden Geschichten. Aber auch Karten und Papiertüten.

Als Blumberg von einer Bekannten einen Ball aus Papier geschenkt bekam, erweiterte sie ihr Repertoire: Seitdem werden Bücher für sie zu Kunst. Jede Seite wird gefaltet, und das Ergebnis sind wahre Hingucker: Babyfüße, Lippen, Pfötchen und Worte wie „Danke“ und „Home“. Die Kunstwerke dekoriert Blumberg mit Perlen.

Wer Interesse an Papierkunst hat, meldet sich bei Friederike Blumberg unter der Rufnummer 04232/ 7884 oder per E-Mail an hartmut.blumberg@web.de.

is

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