Ohne Termin kein Zutritt

Außergewöhnliche Zeiten im Rathaus Langwedel: Coronavirus stellt Verwaltung auf den Kopf

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Klar ist das improvisiert, funktioniert aber hervorragend: Moritz Nientkewitz (li.) und Bürgermeister Andreas Brandt am Serviceschalter im Windfang des Langwedeler Rathauses.

Langwedel - „Wir haben festgestellt: Das Publikum muss auch nicht immer rein“, sagt Bürgermeister Andreas Brandt. „Wir arbeiten mit digitaler und analoger Technik“, so der Verwaltungschef treuherzig – um dann strahlend auf den großen Kasten vor dem nördlichen Rathauseingang zu weisen: „Wir haben in den vergangenen Wochen gemerkt, wie wichtig so ein Briefkasten doch ist.“

Aber im Ernst: Solange wie die aktuelle Verordnung der Landesregierung gilt, also bis zum 27. Mai, bleibt das Rathaus Langwedel für die  Bürger geschlossen. Um den eigenen Mitarbeitern und den potenziellen Besuchern in Corona-Zeiten den bestmöglichen Schutz zu ermöglichen, hat man in Langwedel aber Mittel und Wege ersonnen, um den gewohnten Service bieten zu können.

Das fängt damit an, dass man die beiden Windfänge des Rathauses quasi zu Diensträumen umgebaut hat. Im Vordereingang finden die Bürger wie gewohnt die amtlichen Bekanntmachungen sowie diverse Formulare, und zwar nicht nur welche des Fleckens Langwedel, sondern auch Sachen des Finanzamts und anderer Behörden.

Rathaus Langwedel: Maskenpflicht und „Fahrkartenschalter“ für Pass-Angelegenheiten

Den Windfang auf der Hinterseite des Rathauses hält man für Besucher des Melde- und Passamtes frei. „Hier haben wir das Modell Fahrkartenschalter“, erklärt Andreas Brandt. Die Besichtigung muss während des Pressetermins warten, weil eine Besucherin gerade etwas zu erledigen hat. Und mehr als eine Person oder maximal zwei (wenn sie aus einer Familie sind) sollen da nicht rein.

Zwar gilt sonst beim Betreten des Rathauses grundsätzlich die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – hier am Schalter kann man den Schnutenpulli aber auch mal herunterziehen, weil eine Hygieneschutzwand eingebaut wurde.

Allerdings ergibt die Schalterlösung nur einen Arbeitsplatz – und damit begrenzte Kapazitäten. Daraus folgt: Ohne vorherige Terminabsprache geht hier gar nichts.

Corona-Pandemie in Langwedel: Rathaus führt Terminvergabesystem ein

Dafür hat die Gemeindeverwaltung aber die Öffnungszeiten auch verlängert: Von Montag bis Mittwoch kann man jetzt auch von 14 bis 16 Uhr einen Termin bekommen. Die Besuchszeiten am Freitag von 8.30 bis 12 Uhr bleiben genauso wie die am Servicedonnerstag von 8.30 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr.

„Früher hatten wir den Flur am Donnerstag vor dem Meldeamt immer voll. Da saßen die Leute dicht an dicht“, so Andreas Brandt. So etwas geht in Corona-Zeiten überhaupt nicht – und würde mit dem neuen Terminvergabesystem auch gar nicht mehr vorkommen. „Noch vergeben wir die Termine im Halbstunden-Takt. Wir überlegen, den zu verkürzen, solange brauchen die Leute nämlich meistens gar nicht.“

Rathaus Langwedel: Gewohnte Eingangstüren sind wegen Corona-Pandemie abgeschlossen

Wer zu den offiziellen Besuchszeiten früher nicht konnte, der schneite auch schon mal so ins Rathaus. Oft kein Problem, das nahm man in Langwedel schon mal lockerer als anderswo.

Wer jetzt etwas Besonderes auf dem Herzen hat, was am Schalter nicht erledigt werden kann, wer zu den Besuchszeiten nicht kann – der kann auch einen Termin bekommen. Nach vorheriger telefonischer Absprache. Wer einen Termin hat, meldet sich dann vorn am Eingang über die Gegensprechanlage, zieht sich seine Maske über – und wird über den Windfang ins Rathaus geschleust. Von allein kommt keiner rein, die Türen vor dem großen Foyer sind abgeschlossen.

Beim Gespräch im Rathaus herrscht für beide Seiten Maskenpflicht. Es sei denn, man ist in einem Raum mit Hygienewand oder einem der Besprechungszimmer, wo man sich unter strikter Einhaltung der Abstandsvorschriften setzen kann.

Rathaus Langwedel in der Corona-Krise: Trauungen nicht gefragt, Veranstaltungen abgesagt

Trauungen sind momentan nur im Rathaus möglich. Dann sitzen das Brautpaar und die Standesbeamtin oder der Standesbeamte allein im Trauzimmer, während sich der Rest der Hochzeitgesellschaft, natürlich im vorgeschriebenen Abstand, nur vor dem Rathaus aufhalten darf. „Aber die Nachfrage nach Trauungen ist im Moment eher verhalten.“

Alle Kulturveranstaltungen im Rathaus hat der Bürgermeister abgesagt. Das politische Leben nimmt langsam wieder Fahrt auf. Getagt wird sogar ohne Mund-Nase-Schutz. „Aber nur, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden können.“ Bei Sitzungen, bei denen man mit einem erhöhten Bürgerinteresse rechnet, wird man umziehen. „Dann gehen wir in die Sporthalle der Oberschule“, sagt Andreas Brandt. Die Politik wird sich in diesem Fall unten auf dem Parkett verteilen, die Bürger sollen auf den Tribünen Platz nehmen – mit dem geforderten Corona-Abstand.

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