75 000 Euro im Haushaltsplan für eine große Zaunanlage – die keiner wirklich will

Oberschule Langwedel hinter Gittern?

Ihr kommt hier nicht rein: jedenfalls nach Schulschluss nicht. Die Grundschule in Etelsen ist komplett eingezäunt. Der Grund sind Vandalismusschäden.
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Ihr kommt hier nicht rein: jedenfalls nach Schulschluss nicht. Die Grundschule in Etelsen ist komplett eingezäunt. Der Grund sind Vandalismusschäden.

Langwedel – „Zaun oder nicht Zaun, das ist hier die Frage.“ Und die stellt sich bei den aktuellen Haushaltsberatungen des Fleckens Langwedel, die in der kommenden Woche in den Fachausschüssen wieder anlaufen. Eingeplant werden sollen für dieses Jahr 75 000 Euro, um die neue Oberschule am Goldbach komplett hintern den Gittern eines Zaunes verschwinden lassen zu können.

Im Ortsrat Daverden, in dessen Zuständigkeit die Oberschule aufgrund ihrer Lage fällt, war die Meinung zu einem Zaun rund um die neue Schule jedenfalls eindeutig. „Mit einem Zaun tue ich mich schwer. Vielleicht gibt es noch andere Möglichkeiten“, meinte Heike Schmitz (WGL). Lars Lorenzen (CDU) hatte „große Probleme damit, ein Schulgebäude komplett einzuzäunen“. Was ist mit der Sporthalle und dem Trainingsbetrieb der Vereine nach Schulschluss, wenn da dann auch alles abgeschlossen ist?, gab Lorenzen einen weiteren Gesichtspunkt zu bedenken.

„Das geht mit komplett gegen den Strich“, erklärte Christin Sellinger (SPD) im Ortsrat. Die neue Schule mit ihrem architektonisch so offen angelegten Charakter einzäunen? Geht gar nicht. Wenig überraschend trat auch Ortsbürgermeister Alfons Adam gegen die Einzäunung auf.

„Wir hatten schon erhebliche Schäden durch Vandalismus im Bereich der Sporthalle“, gab Bauamtsleiter Bernhard Goldmann zu bedenken. Gäbe es konkrete Pläne zum Bau eines Zaunes, sei natürlich auch ein Konzept mit der Schule und den Nutzern der Halle zu erarbeiten, wie man alles regelt. Das ganze Schulgelände flächendeckend mit Kameras zu beobachten, um Vandalismus zu verhindern, dürfte Probleme mit dem Datenschutz hervorrufen, so Goldmann.

Oberschulleiter Rolf Bartels nach seiner Meinung über einen Zaun um die schöne neue Schule gefragt, erklärt: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust.“ Das Langwedeler Schulgelände mit der neuen Schule habe ja schon fast Parkcharakter. „Natürlich ist das ohne Zaun schöner.“ Jetzt im Winter ist ohnehin Ruhe, es gibt keine negativen Vorkommnisse oder gar Vandalismus zu verzeichnen. Das war in so manchem Sommer bereits vor dem Neubau im Bereich Sportplatz und Sprunggrube aber auch schon anders.

Bislang gibt es an der neuen Oberschule nur ein paar übrig gebliebene Bauzäune. In den Gemeindehaushalt 2022 sollen 75000 Euro, um das Gelände im Bedarfsfall komplett einzäunen zu können.

Was ist, wenn es da wieder mehr Verschmutzungen gibt, als die Hausmeister bewältigen können? „Es kann nicht sein, dass unsere Hausmeister da jeden Morgen die Scherben aus der Sprunggrube holen müssen“, zieht Bartels eine klare rote Linie.

Dass sich hinten auf dem Schulgelände gerade im Sommer de Jugendlichen schon seit Jahren treffen, ist niemandem entgangen und für den aktuellen Schulleiter auch problemlos zu tolerieren: wenn das Müll- und Scherbenproblem unter Kontrolle ist. „Es gab mal welche, die bekamen es hin“, erinnert sich Bartels. Die verstopften nicht die Paperkörbe, zerdepperten keine Flaschen auf dem Sportplatz, sondern stellten noch einen eigenen Müllsackständer auf und nahmen ihren Dreck wieder mit. „Das war eine gute Aktion“, findet Bartels. Aber wenn es zu Vandalismus kommt, wenn die Hausmeister Alarm geben – dann müssen auch für den Schulleiter andere Maßnahmen her, ohne jede Frage. „Dann bleibt der Gemeinde wohl auch keine andere Wahl mehr“, so Bartels.

Aber erst einmal stehen für das völlig neu gestaltete Schul- und Sportgelände die neue Feuerwehrzufahrt und die Busspuren ganz oben an, das Projekt Zaun ist aktuell noch gar keins und steht ganz hinten auf der Liste.

„Wir haben die Mittel in den Haushalt gestellt, um reaktionsfähig zu sein“, hatte Bürgermeister Andreas Brandt auch schon dem Ortsrat Daverden erklärt. Noch ist ja auch überhaupt nicht geklärt, wo so ein Zaun auf oder rundum das ganze große Schulgelände überhaupt hin soll und kann. Allerdings ist so ein Zaun für den Bürgermeister ein erwiesener Problemlöser. „Die Grundschule Etelsen mussten wir komplett einzäunen wegen der Schäden.“ Mit dem Zaun sei dann jetzt Ruhe in Etelsen.

„Wir müssen mit den jungen Leuten ins Gespräch kommen“, lautet die Meinung von Alfons Adam. „Ein Zaun löst nicht das Problem.“ Der Daverdener Ortsbürgermeister schlägt daher die Einrichtung eines „Generationenprojektes für den Flecken Langwedel“ vor und hat das auch zu einem Antrag für den Gemeinderat und die zuständigen Gremien gemacht. Am 12. Juni steht der Vorschlag auf der Tagesordnung des Jugend-, Sozial- und Sportausschusses, der dann ab 18 Uhr im Rathaus tagt.

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