Über zwölf Prozent weniger Mitglieder / Andere Sportvereine im Flecken stabil

MTV Langwedel: „Katastrophe“

Von wegen Weihnachtsstimmung. Beim MTV Langwedel ist alles zu – und die Mitgliederzahlen sinken in einem nie gekannten Ausmaß.
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Von wegen Weihnachtsstimmung. Beim MTV Langwedel ist alles zu – und die Mitgliederzahlen sinken in einem nie gekannten Ausmaß.

Für den MTV Langwedel kommt es in diesem Coronajahr 2020 knüppeldick. Mehr als zwölf Prozent der Mitglieder kehren dem Verein den Rücken. Das bedeutet auch Verluste bei den Beitragseinnahmen, die für den Unterhalt des vereinseigenen Sportzentrums gebraucht werden.

Langwedel – Geradezu euphorisch bedankt sich dieser Tage der Vorstand des TSV Cluvenhagen bei den Mitgliedern des Vereins. Wie gut der funktioniere, zeige sich besonders in schwierigen Zeiten. „Und hier tun sich die TSV-Mitglieder in ganz hervorragender Weise hervor. Keine nennenswerten Anstiege von Kündigungen, geschweige denn Rückforderungen gingen bisher als Folge des Corona-Virus ein“, schreibt der Vorsitzende Frank Rottstegge da. „Ganz offensichtlich ist es für unsere Mitglieder eine Selbstverständlichkeit, auch in schweren Zeiten zusammenzustehen und auch die aktuelle Krise gemeinsam zu meistern.“ Auf Nachfrage berichtet Rottstegge, dass der TSV Cluvenhagen in diesem Jahr die „üblichen Austritte“ zu verzeichnen hat: 25 Stück. Dem stehen noch 15 Eintritte im Jahr 2020 gegenüber.

Eine Austrittswelle habe auch der TSV Etelsen nicht zu verzeichnen, so dessen Vorsitzender Manfred Rischkopf, der die konkreten Zahlen auf die Schnelle nicht parat hat. Unter dem Strich müsse man sogar mehr Eintritte als Austritte haben. „Ja, gut. Beim Fußball ist im Moment tote Hose.“ Seit 2020 ist aber unter anderem auch eine dritte Fußball-Herrenmannschaft neu gemeldet. „Gerade im Bereich Turnen haben wir Angebote über das Internet für unsere Mitglieder“, so Rischkopf. Die würden via Videokonferenz auch eifrig genutzt, so die Rückmeldung von den Übungsleiterinnen.

Beim SV Holtebüttel verhält sich die Lage ähnlich, erklärt dessen Vorsitzender Carsten Hasselhof. Es gebe die gewohnte Zahl an Austritten, die üblichen Eintritte fehlten in diesem Corona-Jahr allerdings. Der Verein hatte nur eine Kündigung mit der Begründung Corona und Trainingsausfall für die Fußballmädchen – und die habe man nach einem Gespräch auch abwenden können. Der SV Holtebüttel ist stark auf den Fußball fixiert und im Mädchen- und Frauenfußball im Landkreis eine echte Größe. Das die Fußballerinnen dem SVH die Treue halten, hat für Hasselhof auch einen Grund: „Das liegt an der richtig guten Jugendarbeit.“ In Coronazeiten regen die Trainerinnen Aktionen über das Internet an, um den Gemeinschaftsgeist zu stärken. Aber mal ganz ehrlich gesagt: „Die sind alle heilfroh, wenn das wieder losgeht und sie wieder gemeinsam trainieren dürfen.“

Beim TSV Daverden halten sich die Corona-Auswirkungen bisher in Grenzen, berichtet der Vorsitzende Gerd Depke. Viele geplante Jubiläumsveranstaltungen sind ausgefallen. „Finanziell machte sich natürlich der Ausfall der Vorführungen auf der Freilichtbühne bemerkbar“, so Depke. „Coronabedingte Austritte sind nicht bekannt, wir haben 2020 sogar ein leichtes Plus an Mitgliedern zu verzeichnen, 73 Eintritten stehen 62 Austritte gegenüber.“ Dafür liegt das Sport- und Sozialleben fast komplett brach. „Einige Handballtrainer machen mit ihren Mannschaften allerdings Online-Training.“

So richtig übel hat es aber jetzt am Jahresende einen der größten Vereine im Flecken erwischt: den MTV Langwedel. Der MTV-Vorsitzende Marco Behrmann hat mit Blick auf den Stichtag 31. Dezember 2020 erst einmal nur ein Wort: „Katastrophe.“

Die Zahlen für den MTV: 2019 begann man noch mit 864 Mitgliedern, 2020 waren es im Januar 854. Nach dem zweiten Corona-Lockdown ohne jedes Vereinsleben werden es 105 Menschen weniger sein, zum 31. Dezember hat der Verein noch 749 Mitglieder. Ein Rückgang von mehr als zwölf Prozent. Am größten ist die Austrittswelle in der Altersstufe von 0 bis 14 Jahren: 60 Kinder und Jugendliche wurden abgemeldet. „Man kann nur hoffen, dass die woanders Sport machen und nicht vor der Playstation landen“, meint Behrmann. Im Alter zwischen 42 und 61 Jahren sind auch noch einmal 40 Mitglieder ausgetreten. Ob es an der Sportsperre aufgrund der Pandemie liegt? „Möglicherweise“, sagt Behrmann. „Aber die Leute geben ja keine Gründe an.“ Lediglich ein Paar habe mangelnde Trainingsmöglichkeit aufgrund der Pandemie als Kündigungsgrund angegeben. „Wenn es um die neun Euro Beitrag im Monat gegangen wäre, wenn die sich jemand nicht mehr leisten kann, da hätten wir doch reden können.“

In der Altersstufe von 61 bis 99 hat der MTV sogar ein kleines Plus zu verzeichnen. „Für die Älteren ist der Verein Familie. Einmal Verein, immer Verein“, ist Behrmann überzeugt.

Die 105 fehlenden Mitglieder sind für den MTV auch finanziell ein Schlag. „Das bedeutet 8 500 Euro an Beiträgen weniger im Jahr.“ Die Kosten für das vereinseigene MTV-Sportzentrum mit der Gaststätte laufen natürlich weiter. Heizung, Strom und so weiter. „Gott sei Dank haben wir vernünftig gewirtschaftet und ein paar Rücklagen. Ein so’n Jahr können wir überstehen,...“, sagt der MTV-Vorsitzende. „Wir überlegen jetzt, was übers Internet zu machen, wir sind da dran“, so Behrmann. Wenn man aber längere Übungseinheiten anbieten möchte, müsse man bei den einschlägigen Anbietern für Videokonferenzen eine Lizenz erwerben, hat Behrmann sich schon mal schlaugemacht. „Aber erst einmal ein großer Dank an alle Dabeigebliebenen.“

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