Wie man Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt integriert

Von wegen abstrakt: „So sieht gelebte Inklusion aus“

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Kita-Leiterin Marion Haase, Praktikant Kolja Oestmann, Kimberley von Heyningen und Job Coach Anja Schiebe (hinten, von links) mit Kindern beim Tischdecken.

Etelsen - „So sieht gelebte Inklusion aus: Verschiedenheit wird zur Normalität, weil Unterschiede normal sind“, findet Marion Haase. Das heißt es für die Leiterin der Kindertagesstätte (Kita) Berkels: „Jeder ist herzlich willkommen; egal, wie unterschiedlich die Menschen sind.“ Keine Frage, dass sie vom Fördermodulsystem, entwickelt von den Waldheim Werkstätten, angetan ist.

Der Begriff klingt abstrakt, doch dahinter verbirgt sich „gelebte Inklusion“.

Was sich hinter dem Fördermodulsystem verbirgt, erklärt Anja Schiebe, Job Coach der Waldheim-Werstätten: „Unsere Beschäftigten haben Interesse an Arbeit im sozialen Bereich und werden im Verbund der Waldheimgruppe, beispielsweise in den Werkstätten und der Helene-Grulke-Schule, theoretisch und praktisch angeleitet. Das Wissen und die Fertigkeiten werden bei Kooperationspartnern, also Kindergärten oder Seniorenpflegeheime, angewandt und erweitert. Ziel ist es, dass unsere Beschäftigten in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.“

Insgesamt vier Wochen absolviert Kolja Oestmann sein Praktikum in der Kita Berkels. Der 26-Jährige kennt die Einrichtung bereits, machte er doch im vorigen Herbst dort ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum. Er kam bei Kindern, Erzieherinnen und Chefin gut an. Zudem bereitete die Arbeit ihm großen Spaß. „Im Kindergarten zu arbeiten ist etwas für mich“, meinte er damals. Seine Aufgaben liegen im hauswirtschaftlichen Bereich: Tisch decken, Geschirrspüler ein- und ausräumen, Boden fegen, Frühstück zubereiten, mit den Kindern Zähneputzen und Fußball-, Fangen- und Versteckspielen. Täglich von 7.30 bis 15.30 Uhr.

Nach dem Schnupperpraktikum beschäftigte sich Kolja in den Waldheim Werkstätten intensiv mit Hauswirtschaft. Ein weiterer Baustein war soziales Kompetenztraining, Deutsch und Mathe, auch das in den Werkstätten. Das Gelernte setzte er um - er brachte es an die Kinder: In einem weiteren Praktikum, diesmal in der Oytener Grundschule, die mit der Helene-Grulke-Schule kooperiert. Weitere Erfahrungen sammelte und sammelt er jetzt in der Kita Berkels. Er ist auf dem besten Weg zum Ziel: selbständiges Arbeiten.

„Nun müssen wir mit Kolja eine Kita finden, in der er arbeiten kann“, sagt Schiebe. Voraussetzung dafür: ein Praktikum in der Einrichtung. Koljas Aussichten sind gut - zwei Kitas haben Interesse bekundet.

„Die Arbeit ist super“, sagt der Achimer. Besonders gefällt ihm die Zusammenarbeit mit den Kindern. „Wenn ich morgens die fröhlichen Gesichter sehe, wird es ein schöner Tag“, erzählt er. Die Mädchen und Jungen sind ebenfalls begeistert.

Vor allem freuen sie sich darüber, dass er sich Zeit für einzelne Kinder nimmt und geduldig mit ihnen schaukelt. „Auch die Eltern reagierten positiv, als sie Kolja im Herbst kennenlernten“, hat Haase beobachtet.

Leiterin und Erzieherinnen sind zufrieden mit Kolja. Mehr noch: „Wir haben bereits mit Kimberley von Heyningen positive Erfahrungen gemacht - sie unterstützt uns seit zehn Jahren im hauswirtschaftlichem Bereich.“ Haase und ihre Mitarbeiterinnen hatten sich für Kolja entschieden, weil sie ihren Schützlingen zeigen wollte, dass auch ein Mann in der Hauswirtschaft arbeiten kann. „Kolja scheut vor nichts zurück, er erledigt alles, was wir ihm auftragen, und geht positiv an die Arbeit heran“, lobt sie.

Die Fördermodule gibt es nicht nur im sozialen Bereich, sagt Anja Schiebe. Das Modell ist auch in handwerklichen Betrieben möglich - dort werden noch Praktikumsplätze gesucht. „Unsere Leute können überall arbeiten“, weiß Schiebe. Nähere Auskünfte erteilt sie unter der Rufnummer 04202/ 955919.

is

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