Melanie und Holger Schmorl beenden ihre Pferdezuchtkarriere in Australien

„Reise nach Deutschland wird es nicht mehr geben“

+
Melanie und Holger Schmorl haben sich aus der Pferdezucht in den wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen – und haben in Australien ihren endgültigen Heimathafen erreicht.

Völkersen - Von Rolf Göbbert. Es ist kein Geheimnis, dass der Landkreis Verden mit dem Verband der Hannoveraner Pferde eine Anlaufstelle erster Güte für Freunde der Warmblutpferdezucht weltweit ist. Familie Schmorl, die einst in Völkersen wohnte und Anfang der 1980er Jahre nach Australien auswanderte, hat sich diesen Vorteil zunutze gemacht und war Mitbegründer des Hannoveraner Stutbuches in Australien und Neuseeland.

Ein vom Arzt beherzigter Ratschlag, den Wohnort wegen gesundheitlicher Gründe in eine andere Klimazone zu verlegen, führte dazu, dass Melanie Schmorl, früher Lehrerin im Schulzentrum Langwedel, mit Familie nach Australien übersiedelte.

„Mit sieben Pferden und einem Haufen Antiquitäten haben wir um Weihnachten 1982 Deutschland verlassen, um unser neues Heim im australischen Bundesstaat Queensland einzurichten. Dort kauften wir nahe der Stadt Toowoomba eine Farm und mussten uns diese erst einmal nach unseren Wünschen einrichten. Der Anfang war nicht einfach, denn auch die Kinder mussten sich an das Leben und das Schulsystem in Australien gewöhnen.“

Holger Schmorl ergänzt: „Aber dann dauerte es nicht lange und die Hengste mit sehr guter Abstammung wurden schnell gefragte Deckhengste. Auch der Absatz der Nachzucht lief gut an und die Farm „Kinnordy Stud“ wurde zügig ausgebaut.

Eine Reithalle musste gebaut werden, denn die Anzahl der Pferde stieg zeitweilig bis auf über 120 Tiere. Während wir zuerst den Nachwuchs so verkaufen konnten, stiegen die Ansprüche der Australier im Laufe der Zeit und die Tiere mussten vor dem Verkauf angeritten werden. Dazu holten wir uns professionelle Reiter aus Deutschland, denn die hatten eine Ausbildung, die man so in Australien nicht kennt.“

Auf die Frage, wie es zur Pferdeliebe gekommen ist, erzählte der Sohn eines Verlegers aus Hannover: „Als Junge verbrachte ich oft meine Schulferien mit meinem Bruder auf einem Reiterhof bei Hoya. Ich wohnte damals in Isernhagen bei Hannover. Dort lernte ich Melanie kennen. Sie war begeisterte Reiterin und ich schenkte ihr ein Trakehnerpferd.“

Übrigens ließ Holger Schmorl deutlich werden, dass er neben schönen Frauen insbesondere schnelle Autos liebte. Er hatte eine Vorliebe für Porsche und gab sich als Draufgänger zu erkennen. Ein schwerer Verkehrsunfall führte dazu, dass seine Frau ihn diesbezüglich bremste.

„Sport spielte in jungen Jahren immer eine wichtige Rolle. Ich boxte sehr intensiv und ruderte auf Bundesebene. Doch meine Leidenschaft gehörte irgendwann den Pferden und sie standen im Mittelpunkt unseres Lebens. Ich bekam das Elternhaus in Isernhagen und kaufte weitere Pferde. Das Anwesen wurde zu klein und wir entschieden uns in den Landkreis Verden nach Völkersen zu ziehen, denn in Verden war das Zentrum der Hannoveraner Pferdezucht. Wir bauten uns ein Haus und stellten bei der Familie Bokeloh in einem Stall unsere Pferde unter.“

Schon vor der Auswanderung züchteten die Schmorls Pferde, die unter anderem in den USA Titel in der Dressur und im Springen gewannen. Mit dem Hengst Winterkönig und anderen legten sie den Grundstein für eine erfolgreiche Pferdezucht in Australien. Auch dort wurden Pferde mit Vorfahren aus dem Landkreis Verden erfolgreich verkauft und holten internationale Titel.

Holger Schmorl: „Meine Vision von einem optimalen Springpferd war immer eine gesunde Mischung aus kräftigem Warmblut und feurigem Vollblut. Damit hatten wir Erfolg.“

Im vergangenen Jahr haben sich die Schmorls in den wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen und die Farm mit allen Pferden verkauft.

„Wir haben in unserem neuen Haus am Stadtrand von Toowoomba unseren Heimathafen erreicht. Während ich früher alle zwei Jahre nach Deutschland geflogen bin, haben wir jetzt die langen Reisen aufgegeben. Eine Reise nach Deutschland wird es nicht mehr geben“, meint Melanie Schmorl.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Neues Spezialfahrzeug für Leester Feuerwehr

Neues Spezialfahrzeug für Leester Feuerwehr

Machtkampf: Zahl der Todesopfer in Venezuela steigt auf 100

Machtkampf: Zahl der Todesopfer in Venezuela steigt auf 100

Prinzessin Charlotte (2) ist einfach süß, auch schlecht gelaunt 

Prinzessin Charlotte (2) ist einfach süß, auch schlecht gelaunt 

Blutige Unruhen in Jerusalem: Bilder der Wut und Gewalt

Blutige Unruhen in Jerusalem: Bilder der Wut und Gewalt

Meistgelesene Artikel

22 Tonnen Äpfel auf Fahrbahn: A27 bei Verden gesperrt

22 Tonnen Äpfel auf Fahrbahn: A27 bei Verden gesperrt

Der brennende Mönch zündet in Verden

Der brennende Mönch zündet in Verden

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Kommentare