Wer hat mehr Angst vor wem?

„Mensch und Wolf“ Thema beim Männergrillen in Etelsen

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Eigentlich hätte man ja lieber draußen im Garten gesessen – aber bei diesem nassen Sommer ließen sich die Herren für den Vortrag und das Menü dann doch lieber im Gemeindehaus nieder.

Etelsen - Es sollte ein gemütlicher Männer-Grillabend an der Etelser Kirche werden, an der frischen Luft natürlich. Was allerdings ein ausgemachter Landregen verhinderte. Also, gegrillt wurde schon noch draußen, die etwa 100 Männer begrüßte Pastor Martin Beckmann aber im Gemeindesaal.

„Männer und Kirche“ lautete der Obertitel für einen Abend mit Gesprächen unter Männern, einer Einladung zum Reden über Gott und die Welt sowie Planungen und Ideen für die Zukunft. Auf einer Leinwand liefen währenddessen Fotos mit den zurückliegenden Aktivitäten, wie etwa der Riga-Reise.

Zu Gast: Frank Fass, Leiter des Wolfscenters Dörverden

So ein Etelser Männer-Grillabend hat immer auch einen Referenten. Das Thema dieses Mal: „Mensch und Wolf? Wer hat mehr Angst vor wem?“ Eingeladen war Frank Fass, Wolfsberater des Landkreises Verden und Leiter des Wolfscenters Dörverden.

Man war sich schon klar darüber, das Thema nicht erschöpfend behandeln zu können, so sollte aber auch für Gesprächsstoff an den Tischen gesorgt werden. Martin Beckmann wies darauf hin, dass es in der Bibel Wölfe gibt, die friedlich mit Lämmern weiden. „Friede unter uns wie zwischen Wolf und Lamm in der Bibel“, war sein Wunsch.

Frank Fass zum Wolf: „Ich sehe sie weder als gut noch als böse.“ Der Wolf ist wie der Luchs ein Großraubtier – und eine neue Realität in unserer Natur. In den 1960er-Jahren war er in Mitteleuropa ausgerottet, erst danach kam er aus Russland über Polen wieder zu uns, wobei die DDR-Westgrenze ein unüberwindbares Hindernis war.

Wolf überspringt keinen 90-Zentimeter-Zaun

Seit 1992 sind die Wölfe innerhalb der Europäischen Union in FFH-Gebieten geschützt, sie leben in einer internationalen Schutzzone. Fass rechnete vor, dass in Deutschland 1000 Wölfe leben könnten, heute gibt es etwa 600 geschlechtsreife Wölfe bei uns, die täglich 70 Kilometer laufen können. Es gibt in Deutschland 46 Wolfsrudel und 15 Wolfspaare. Dann wies er auf Konfliktkreise mit Wölfen hin: die Jagd, Menschen und Hunde sowie die landwirtschaftliche Nutzung.

Im Landkreis Cuxhaven gibt es die höchste Milchkuhdichte, dort könnte der Wolf zum Problem werden. Er könne sich die Kreise an der Nordseeküste ohne Wölfe vorstellen, auch wenn in Sachsen nur ein Prozent der Nutztiere von Wölfen gerissen wurden. In Niedersachsen wurde 2008 erstmals ein Nutztier von Wölfen gerissen.

„Jeder Hund überspringt einen Zaun von 90 Zentimeter Höhe, ein Wolf macht das nicht“, so Fass. Zäune zum Schutz von Nutztieren gegen Wölfe sollten aber einen Untergrabeschutz besitzen. „Es ist möglich, mit den konfliktträchtigen Tieren zu leben“, so Frank Fass.

Beim Männergrillen gibt es nicht nur Bratwurst

Als die Etelser Kirchturmuhr dann acht Mal schlug, dankte Pastor Martin Beckmann Frank Fass unter großem Applaus der Männer mit einer Flasche Kirchwein und einem Buch über den „Wein in der Bibel“ – und eröffnete das Grillbuffet. „Es soll keine Fütterung der Wölfe sein, sondern geordnet zugehen“, so Beckmann schmunzelnd.

Wer einmal beim Etelser Männergrillen war, weiß: Hier gibt es nicht nur Bratwurst. Wetten, dass darum auch so viele Männer da waren? Die beiden Grillmeister Jürgen Neumann und Heino Buß zaubern nämlich eine unglaubliche Palette an verschiedenen Fleischarten und -sorten, Lachs und Garnelen und sogar Gemüse vom Grill. Dazu gab es Kartoffel- und Krautsalat, Zaziki, Brot und Knoblauch-Kräuterbutter. Wer da nicht satt wurde, der hatte selbst Schuld.

Nachdem die beiden Grillmeister Feierabend gemacht hatten, wurden sich von den versammelten Männern mit einem kräftigen Applaus gewürdigt. Martin Beckmann hatte zudem noch jeweils eine Grillmeisterurkunde und eine Flasche Ouzo parat. Zufrieden gingen die Gäste am späten Abend auf den Nachhauseweg, natürlich nicht, ohne seinen Obolus in den Spendentopf getan zu haben.

hu

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