Martin Mitnacht aus Daverden rüstet alten VW um / Kraft aus acht Batterien

Ein Polo mit Elektropower

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Martin Mittnacht zeigt seinen Polo „Electric-Fantasy“.

Daverden - Der dunkle Polo 86 C Fantasy, der bei Martin Mittnacht vor der Tür steht ist ein echtes Unikat. Der 52-jährige Ingenieur hat das Auto in jahrelanger Tüftelei auf reinen Elektroantrieb umgebaut. Nun bekam das Auto auch das Okay vom TÜV. „Ich wollte einfach beweisen, dass so etwas möglich ist, ohne mehr als 5000 Euro auszugeben“, sagt Mittnacht.

„Ich habe schon so ziemlich alles alles gebaut und suchte nach einer neuen Herausforderung. Im Internet habe ich mich zunächst informiert, wie so ein Umbau ungefähr funktioniert“, erzählt Martin Mittnacht weiter. Die ersten Planungen begannen im März 2011. Dann begann die Suche nach einem geeigneten Fahrzeug. Maximal 300 Euro sollte es kosten.

Im Juli 2011 war das richtige Auto gefunden, ein 93-er Polo „Fantasy“. Nun konnte es losgehen. Seine Power sollte der Polo durch acht große Bleisäurebatterien erhalten, zwei vorne, sechs hinten. „Das ist zwar die schlechtere Technik, aber die günstigste.“.

Da eine Batterie rund 50 Kilogramm auf die Waage bringt, galt das besondere Augenmerk der Gewichtsverteilung und der Einhaltung der Achslasten. Damit die Batterien sicher im Fahrzeug untergebracht sind, fertigte der Ingenieur auch die nötigen Haltevorrichtungen und die Abdeckung in Maßarbeit.

Bereits im November 2011 war der erste Vorabtermin beim TÜV in Hannover, um den Umbau schon einmal theoretisch vorzustellen. Soweit war alles in Ordnung, bloß der Motor fehlte noch. „Es war einfach nichts Passendes zu bekommen.“ Erst im Juni 2012 hatte Mittnacht Glück und bekam günstig einen alten Pumpenmotor aus einem ausgeschlachteten Stapler. Anfang 2013 fand dann die „Hochzeit“ zwischen Motor und Getriebe statt.

In den folgenden Monaten ging es mit dem Umbau des Polos oft „einen Schritt vorwärts und drei zurück“. Mitte 2014 war aber das Schlimmste geschafft und erste Testfahrten mit einem Kurzzeitkennzeichen konnten stattfinden. „Die Probefahrten haben Spaß gemacht und gezeigt, dass das Ding läuft.“ Allerdings zeigten sich auch einige Probleme, die Nachbesserungen erforderten. An die TÜV-Abnahme war also erst einmal noch nicht zu denken.

„Anfang 2015 habe ich die letzten Arbeiten am Polo gemacht und die Dokumentation für den TÜV zusammengestellt. Ich war endlich auf der Zielgraden“, so Mittnacht. Im April ging es dann zum TÜV nach Hannover. Ein wenig Sorge bereitete dem Tüftler noch das Gewicht des Polos.

„Das war noch so ein kribbeliger Punkt, da das Ganze stolze 1120 Kilogramm leer auf die Waage drückte. Da blieb bei 1230 kg Gesamtgewicht kein Platz für den zweiten Sitz.“ Doch der TÜV-Prüfer war bereit, mit sich reden zu lassen. Da der Polo keine 150 km/h mehr fährt sondern nur noch 80 km/h und die Anhängerlast gestrichen wurde, wurde das zulässige Gesamtgewicht auf 1315 kg erhöht. Der zweite Sitz durfte also drin bleiben.

Dass der Polo trotzdem noch nicht die ersehnte Plakette erhielt, lag lediglich an ein einer festsitzenden Bremse. Doch für den erfolgten Umbau gab es den Segen vom TÜV. Ende April bestand der Polo schließlich auch die normale Hauptuntersuchung. Der Wagen hat eine Reichweite von ca. 30 Kilometern. Der Betrieb ist günstig, 100 km kosten ca. acht Euro, zudem ist das Auto für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit.

„Es war sicher viel Bastelei, aber für mich ist der Weg das Ziel, kaufen kann jeder“, zieht Martin Mittnacht Bilanz.

Doch vor dem nächsten Projekt sei erst einmal die Erweiterung seiner Brauerei an der Reihe. Denn seit 2013 braut Martin Mittnacht auch sein eigenes Bier. Das „Häsefelder“ hat in Daverden und umzu bereits viele Fans und kann demnächst auch auf dem Langwedeler Markt probiert werden.

Mehr zum Umbau des Polos unter e-polo86c.blogspot.com.

ahk

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