Gedenkorte

Touristikverein Langwedel und Netzwerk Erinnerungskultur bringen Infotafel an

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Die reinste Idylle. In Cluvenhagen geht die Wurthdammbrücke über einen Abzugsgraben, der im Zuge der Arbeiten für den Schleusenkanal gebaut wurde. Fertiggestellt wurde der Graben unter menschenunwürdigen Bedingungen von Zwangsarbeitern.

Cluvenhagen - Manchmal kann man auch mit wenigen Worten eine Menge sagen. Wie der Touristikverein Langwedel mit seinen Infotafeln entlang der Radtouren und Wanderwege im Flecken Langwedel. Für die neueste Tafel hat man sich mit dem landkreisweiten Netzwerk Erinnerungskultur bzw. dessen Arbeitsgruppe III zusammengetan. Letztere kümmert sich um sogenannte Gedenkorte. Einer soll jetzt die Wurthdammbrücke in Cluvenhagen sein.

„Die Alte Aller – Dieser Abzugsgraben verbindet zwei Arme des alten Verlaufes der Aller. Er wurde angelegt, damit Teile des Flusses in den neu zu bauenden Schleusenkanal einbezogen werden konnten“, steht da auf dem Schild zu lesen. Und das der Bau in den 30-er Jahren des vorherigen Jahrhunderts durch den Reichsarbeitsdienst begonnen und später durch russische Zwangsarbeiter fortgeführt und vollendet wurde.

Die Russen waren in einem Barackenlager untergebracht, dass dort stand, wo sich heute die Cluvenhagener Mehrzweckhalle befindet. „Das war anfangs für die Arbeiter der Firma Tesch“, weiß Harald Gerken, der sich mit dem Bau des Schleusenkanals beschäftigt hat. Die Arbeiten am Schleusenkanal wurden eingestellt, die Baracken standen lange leer. Bis die russischen Kriegsgefangenen kamen.

Der heute 81 Jahre alte Hermann Cordes aus Cluvenhagen hat von damals noch so einige Bilder im Kopf. „Die hatten keine Schuhe. Nur so Lappen um die Füße. Sommer wie Winter.“ Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren nicht menschenwürdig.

Keine langen Vorträge

Damals gab es hinter jedem Haus noch einen Misthaufen, auf dem auch die Reste landeten, die in der Küche nicht mehr zu gebrauchen waren. Dann war da der eine Russe, der über den Zaun kletterte, um eine Runkelrübe (die nun wirklich nicht mehr gut war) zu schnappen. Wer bei so einem Versuch der Nahrungsbeschaffung erwischt wurde, musste mit heftiger Bestrafung rechnen.

Beim Touristikverein Langwedel will man mit den Informationstafeln keine langen Vorträge halten.

Nur kurz Bescheid geben, erinnern, einen kleinen Denkanstoß geben. Wie etwa mit den zwei vorletzten Tafeln die man in Cluvenhagen (Winkelstraße) und Förth/Nindorf aufgestellt hat. Hier weist man darauf hin, wo nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlingssiedlungen entstanden, die man auch heute an der Bauart der Häuser noch gut erkennen kann.

„Die Leute sollen kurz anhalten, ein Bein vom Fahrradpedal nehmen, kurz lesen und vielleicht ein bisschen nachdenklicher weiterfahren“, sagt Christoph Meyer, Vorsitzender des Touristikvereins.

„Manche haben die Strapazen – schwere körperliche Arbeit, unzureichende Kleidung, mangelhafte Ernährung – nicht überlebt. Was wohl aus den Überlebenden nach 1945 geworden ist?“ steht am Schluss auf dem Schild.

jw

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