Häuslingshaus als Ruheort und Baudenkmal

Malerei und Tagelöhner

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Der Garten des Häuslingshauses bot sich als Treffpunkt an.

Langwedel – Das Häuslingshaus in Langwedel war wieder ein Anziehungs- und Anlaufpunkt beim Tag des offenen Denkmals. Der stand dieses Mal bundesweit unter dem Motto „Modern(e) – Umbruch in Kunst und Architektur“. In Langwedel bot man den geneigten Besuchern daher nicht nur die Möglichkeit, sich über die Geschichte des Häuslingshauses zu informieren, sondern hatte noch eine besondere Ausstellung zusammengestellt.

Zu sehen war (und ist) auf der Diele des Hauses eine Annäherung an das Leben und Werk des Malers Franz Radziwill, der 1895 in Strohhausen als Sohn eines Töpfermeisters geboren wurde und in Bremen aufwuchs.

Nach Abschluss der Volksschule erlernte Radziwill das Maurerhandwerk, dem sich ein Studium (1913 bis 1915) in der Abteilung Baugewerkschule am Bremer Technikum anschloss. Während dieser Lebensphase verlagerte sich das Interesse Franz Radziwills vom Bauwesen zur Kunst. Seine frühen Werke zeigen Anlehnungen an Paul Cézanne und Vincent van Gogh.

Im Ersten Weltkrieg leistete Radziwill Kriegsdienst in Russland, Belgien und Frankreich, wo er in Gefangenschaft geriet. 1919 kehrte er nach Bremen zurück. Ihn inspirierte jetzt die Malerei von Marc Chagall, Edvard Munch sowie der Brücke-Vertreter. Nach „Arbeitsbesuchen“ mit Brücke-Malern im friesischen Dangast siedelte sich Franz Radziwill 1923 auf Dauer in diesem abgelegenen Ort an und vollzog die Abkehr vom Expressionismus zur Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit. So entstanden die Bilder „Windmühle bei einem Dorf“ und „Das Fenster meines Nachbarn“, von denen Kopien im Häuslingshaus zu sehen sind.

Im Häuslingshaus ausgestellt sind weitere Bilder, so die „Straßenecke mit Häusern“, das Häuser in Bremen um 1920 zeigt. Auch das 1921 gemalte Bild „Stillleben mit Krug“ ist zu sehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1947 das Bild „Die Welt ohne Verhältnisse“, als Fenstermotiv konzipiert. In den Vordergrund setzte Franz Radziwill ein „unversehrtes“ Stillleben, dahinter Zerstörung von Natur und Zivilisation. Beim 1950 gemalten Bild „Der Zeitungsleser sieht die Welt nicht mehr“ , berührt das spannungsvolle Szenario den Leser nicht. Mit diesem Bild zeigte Radziwill seine Vorbehalte gegen den zunehmenden Tourismus in Dangast. Beim Bild „Stillleben mit weißen Krügen“ ist von der impulsiven Malweise der expressionistischen Schaffensweise nichts mehr zu spüren. Bei „Stadtlandschaften“ von Bremen ist die Botschaft des Bildes, „je größer die Häuser, desto kleiner die Menschen“ eindeutig zu erkennen.

Bei der Auswahl der Bauhausarchitektur für die Ausstellung ist die 100-jährige Wiederkehr der Bauhausgründung in Weimar vordergründig, so Dr. Wolfgang Ernst, der die Ausstellung maßgeblich konzipierte.

Er weiß aber auch viel über das Häuslingshaus und die Häuslinge zu erzählen, die Einwohner mit dem niedrigsten Stand im Dorf. Fest angestellte Häuslinge wohnten im 16. und 17. Jahrhundert häufig in bescheidenen Unterkünften, die ihnen von ihren Gutsherren oder von Vollbauern gegen Miete gepachtet hatten.

Als Tagelöhner hatten sie Hausdienste zu leisten und konnten die Äcker bestellen, die ihnen gegen Abgaben überlassen wurden. Daneben boten sie handwerkliche Arbeiten an, um ihre missliche wirtschaftliche Lage zu verbessern.

Das Langwedeler Häuslingshaus hatte 1873 der Häusling Diederich Eggers vom Anbauern Jacob Lührs gekauft.

Wer mochte, der konnte es sich am Wochenende aber auch einfach nur im schönen Garten des Hauses gut gehen lassen – bei Kaffee, Kuchen oder einem Glas Wein.

Die Ausstellung zum Maler Franz Radziwill und der Bauhausarchitektur ist noch am kommenden Wochenende, am 14. und 15. September, sowie am Wochenende darauf, am 21. und 22. September, jeweils von 14 bis 17 Uhr im Häuslingshaus Langwedel (Auf dem Sandberg 11) zu sehen.

hu

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