Viele Reisebürokunden in Langwedel verlegen Urlaub auf Herbst / Demo für Touristik-Hilfsfonds

„Die Leute wollen raus“

Urlaub hinter Flatterband? Die Teilnehmer der Demonstration in Hannover sehen die Reisebranche von den aktuellen Einschränkungen besonders bedroht.

Langwedel / Hannover - Von Lisa Duncan. „Tourismus hält die Welt zusammen“, „Eine Exit-Strategie mit klaren Perspektiven“ und „Rettet die Reisebüros“ steht auf den Plakaten. Mit Blumengirlanden, Sonnenbrillen und -hüten bekleidet, bewegen sie sich durch das Zentrum Hannovers – pandemiegerecht im Mindestabstand und mit Mund-Nase-Schutz. Reisekauffrau Rieke Kühl aus Langwedel hat die Demonstration des Bündnisses „Rettet die Touristik“ in der Landeshauptstadt mitorganisiert. Seinen Protest will das Bündnis, dem Reisebüros und weitere mittelständische Reiseveranstalter angehören, fortsetzen. Es fordert die Bundesregierung auf, ein Hilfspaket für die Tourismusbranche zu beschließen. Das würde Unternehmen und Kunden mehr Planungssicherheit geben, so Kühl.

„Kunden suchen das persönliche Gespräch und wollen wissen, wie es nun weitergeht“, erzählt die Langwedelerin. Seit knapp zwei Wochen empfängt sie in ihrem Laden an der Hauptstraße wieder täglich Kunden, wenn auch mit eingeschränkten Öffnungszeiten (Montag bis Freitag von 10 bis 12.30 und 16 bis 18 Uhr sowie nach Terminabsprache). Und auch sonst sei aufgrund von Maskenpflicht, Bodenmarkierungen und einer Personenzahlbeschränkung im Raum vieles anders als vor der Pandemie. Kühls erste Einschätzung: „Die Leute wollen auf jeden Fall raus.“

Dabei spalten sich die Urlauber in zwei Lager: Die einen stören sich nicht an den Einschränkungen und buchen Urlaub – vornehmlich innerhalb Deutschlands, da für Auslandsreisen noch mindestens bis 14. Juni eine Sperre gilt. Die anderen wollen stornieren oder Urlaubswünsche aufschieben. „Das sind Leute, die Einschränkungen wie Mundschutzpflicht im Flugzeug nicht in Kauf nehmen wollen“, so Kühl. Hinzu kämen unmittelbare Gründe wie ältere Mitreisende.

Für den innerdeutschen Urlaub sei es übrigens mittlerweile schwierig, noch etwas zu buchen und wenn, dann müssten Kunden oft mit einem Preisanstieg rechnen. „Die Hotels haben weniger Kapazitäten, denn sie dürfen ja aufgrund der Beschränkungen nur zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet sein.“

Auch Flüge seien vielfach ausgebucht, aber erst mal nur bis Mitte Juni. „Die Leute sind skeptisch. Sie wollen warten, wie das mit der Umsetzung läuft und dann eher Last minute buchen, bevor sie nachher stornieren müssen.“ Viele fürchteten auch, dass „ihre“ Fluggesellschaft oder Reederei im Herbst insolvent sein könnte.

Viele Neu- oder Umbuchungen konzentrieren sich auf den Herbsturlaub. „Da sind die Leute entschlussfreudiger.“ Auch die Hoffnung auf europaweites Reisen spiele eine Rolle: „Ab Juni oder Juli soll es ja möglicherweise wieder losgehen.“ Rieke Kühl hat zum Beispiel kürzlich eine Familie beraten, die einen Urlaub nach Mallorca gebucht hatte. Erst hieß es, sie wollten die Pauschalreise stornieren, dann hielten sie doch an ihren Plänen fest. „Sie meinten, in Deutschland würde es möglicherweise auch nicht besser werden.“ Überlaufen und teuer – das sei an der Ostsee genauso möglich wie am Mittelmeer.

Schwierig für Reiseveranstalter und Kunden gleichermaßen findet Kühl die allgemeine Ratlosigkeit: „Auch seitens der Hoteliers fehlen die Infos.“ Nur bei wenigen ließe sich auf deren Internetseiten nachlesen, wie sie die Vorgaben zum Infektionsschutz konkret umsetzen wollen. „Die schreiben zum Beispiel, dass sie die Liegen am Pool, ähnlich wie die Tische im Restaurant, weiter auseinanderstellen wollen. Aber was ist mit Kid’s Club oder Planschen im Pool? Viele Fragen bleiben offen.“

Das Bündnis „Rettet die Touristik“ setzte nach der Demo in Hannover am Donnerstag noch einen drauf, und rief zu Sternfahrten nach Berlin auf. „Besser man versucht es, als kampflos aufzugeben“, sagt Kühl. Sie kritisiert: „Ein Entwurf für einen deutschen, nicht rückzahlbaren Reiserettungsfonds liegt im Bundestag vor, aber er wird auf die lange Bank geschoben. Dabei sind wir die Branche, die am längsten von der Krise betroffen sein wird.“ Im zweiten Schritt müsse ein Konzept her, wie die Einschränkungen umgesetzt werden sollen. „Kunden, die Reisekosten erstattet bekommen, buchen vielleicht neue Reisen“, vermutet Kühl. Bislang bieten Reisekonzerne kostenlose Umbuchungen nur teilweise an und oftmals nur bis zum 31. Juli.

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