Klaus Meyer gibt sein Geschäft auf 

Im letzten Elektroladen in Langwedel gehen die Lichter aus

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Das wird manch einer in Langwedel vermissen: Klaus Meyer hat die Kunden über Jahrzehnte kompetent beraten und bedient. Gleich ob es dabei um Leuchtmittel oder den Kauf einer Waschmaschine ging.

Langwedel - Von Michael Mix. In Langwedel gehen die Lichter aus? So schlimm ist die Lage im Flecken zum Jahreswechsel 2017/2018 nun auch wieder nicht. Aber mit „Klaus Meyer Elektrotechnik“ verschwindet ein Unternehmen, das sich zweifellos mit Beleuchtung auskennt und dessen Waren und Dienstleistungen bei Privat- und Firmenkunden über Jahrzehnte gefragt waren.

Im Laden, Große Straße 37, läuft der Räumungsverkauf. Leuchtmittel, Schalter, Steckdosen und anderes Kleinmaterial sind ebenso noch zu haben wie Waschmaschinen. Elektroinstallateurmeister Klaus Meyer (61), der das Familienunternehmen in dritter Generation führt, gibt sein Geschäft auf.

Er hätte gerne noch einige Jahre weitergearbeitet, erzählt er, während immer wieder Kunden auf der Suche nach Schnäppchen den Laden betreten. Aber er müsse sich nun um seine stark pflegebedürftige Ehefrau Gitta kümmern.

Mit Ablauf dieses Jahres gehen die Lichter bei Meyer-Elektrotechnik noch nicht ganz aus. „Ich werde an einigen Tagen im Januar und Februar noch mal öffnen; wann genau, steht aber noch nicht fest“, sagt Klaus Meyer.

Firmengeschichte endet nach mehr als 100 Jahren

Dann endet eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte am Standort. 1912 hatte der Schmiedemeister Heinrich Meyer, der Großvater des heutigen Chefs, das Unternehmen gegründet. Er sorgte mit dafür, dass Langwedel noch vor dem Ersten Weltkrieg elektrische Straßenbeleuchtung bekam.

„Mein Vater Erich Meyer hat dann aber erst in den 60er Jahren so richtig mit Elektroinstallation und Hausgeräteverkauf begonnen“, erinnert sich Klaus Meyer. „Brenners Erich“, wie er von der Bevölkerung wegen Vorfahren, die Schnapsbrenner gewesen waren, genannt worden sei, habe das Geschäft ausgebaut und den Schmiedebetrieb eingestellt.

Ein Bild, das die Große Straße nicht mehr lange bieten wird, denn Meyers Elektroladen schließt.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm Klaus Meyer 1985 die Firma. Bereits vier Jahre zuvor hatte der junge Mann, der bei Siemens gelernt hatte, seine Meisterprüfung abgelegt. Klaus Meyer vergrößerte vor allem das Angebot an „weißer Ware“ und setzte dabei auf das Spitzenfabrikat Miele. Trotz der Konkurrenz durch Großmärkte in der Umgebung und den benachbarten Einzelhändler Edgar Bohlmann, der seinen Laden vor einigen Jahren aufgegeben hat, lief das Geschäft.

Meyer punktet mit Service. „Der wird von den Kunden sehr geschätzt“, weiß er. Kauf, Lieferung und Aufbau einer Waschmaschine oder eines Geschirrspülers sowie die Entsorgung des alten Geräts gab es bei Meyer-Elektrotechnik zum „fast unschlagbaren Komplettpreis“.

Darüber hinaus beackerte der Unternehmer weitere Geschäftsfelder. Elektroinstallationen nahm er bei Privat- und Firmenkunden im ganzen Landkreis und bis hin nach Bremen vor, ebenso die Montage und Wartung von Steuerungstechnik in Industrie und Handwerk. „Zudem habe ich im Auftrag der Gemeinde Langwedel mit für die Straßenbeleuchtung hier gesorgt und zuletzt auf moderne, energiesparende LED-Leuchtkörper umgestellt.“

Sohn Christian half im Laden aus

Neben der Qualität der Waren und dem Kundendienst sieht Klaus Meyer auch im „kompetenten, zuverlässigen und freundlichen“ Personal einen Schlüssel für den Erfolg der Firma. Helmut Nast habe fast 50 Jahre lang dort gearbeitet, Friedhelm Dierks 25 Jahre. Aber auch Barbara Brand und Tobias Jüntgen seien lange in seinem Betrieb tätig gewesen.

Sohn Christian habe zwischenzeitlich im Laden ausgeholfen, nun aber eine andere berufliche Richtung eingeschlagen, merkt Meyer an. „Und auch sonst hat sich kein Nachfolger gefunden.“

Einen Elektroladen gibt es damit in Langwedel künftig nicht mehr. Für Installationsarbeiten stehe den Stammkunden nun sein Fachkollege Marcel Clüver an der Moorstraße zur Verfügung, informiert Klaus Meyer.

Langweilig wird es dem umtriebigen Handwerker und Händler garantiert nicht werden. Auch als Rentner will er weiter werkeln. „Ich werde zum Beispiel an meinem Miele-Motorrad aus den 50er Jahren herumbasteln.“

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