Lebhafter Austausch im „Begegnungscafé“ / Zahlreiche ehrenamtliche Helfer

Junge Deutsche wollen mit Flüchtlingen ausgehen

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Viele Einheimische und Flüchtlinge treffen sich im „Begegnungscafé Cabataan“.

Daverden - Pegida? Offenkundig fremdenfeindliche Züge? Davon könne im Flecken Langwedel zum Glück keine Rede sein, sagt Sigrid Meyer-Klein. Beim „Cabataan“, dem arabischen Wort für „Begegnungscafé“, begrüßt sie am Mittwochnachmittag neben zehn Flüchtlingen viele deutsche Frauen und Männer, die sich für die in Cluvenhagen, Daverden oder Langwedel Gestrandeten engagieren oder aber dieses vorhaben.

Bei Kaffee und Kuchen sitzen alle in entspannter Atmosphäre im evangelischen Gemeindehaus am Daverdener Kirchweg zusammen. Die Zahl der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer übersteigt die der dunkelhäutigen Gäste, die überwiegend aus Somalia stammen, bei weitem.

Nach der Begrüßung durch Meyer-Klein, die das Begegnungscafé zusammen mit Bettina Carstensen und Claudia Kluth im Frühjahr auf die Beine gestellt hatte und das inzwischen vom Ehepaar Lepzy, Liliane Steinke und Reinhild Wiechers für jeden dritten Mittwoch im Monat organisiert wird, ist Andrea Wessel von der Caritas an der Reihe. Die Diplom-Sozialpädagogin berät die Flüchtlinge und Helferteams im Landkreis Verden in vielen Fragen und spricht in der Runde so manchen „Juckepunkt“ an, nennt aber auch Lösungsmöglichkeiten. „Schön, dass Frau Wessel auch mal zu uns gekommen ist“, sagt Meyer-Klein.

Schon bald geht es in Kleingruppen weiter. Deutsche und Afrikaner stecken die Köpfe zusammen, um sich zu verständigen, sich kennenzulernen, um etwas über Bedürfnisse und Wünsche zu erfahren.

„Leider wissen wir vielfach nicht, wo neu ankommende Flüchtlinge hier im Flecken untergebracht werden“, übt Sigrid Meyer-Klein Kritik an den dafür zuständigen Behörden. „Wenn wir informiert würden, könnten wir sie willkommen heißen und ihnen Unterstützung anbieten.“

Denn es gebe im Flecken Langwedel „sehr viele, die helfen wollen“. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, sollte sich bei Carstensen, Telefon 04235/957605, oder bei Meyer-Klein, Telefon 04232/1748, melden.

Sie freut sich über die Initiative von Sebastian Ehmke und weiteren jungen Männern aus der Gemeinde, die mit den Flüchtlingen ausgehen und andere Aktivitäten starten wollen, damit diese hier unter Gleichaltrige kommen. „Dass hat doch einen ganz anderen Effekt, als wenn wir Alte das machen“, merkt Meyer-Klein an.

Ein Somalier wird allerdings demnächst nicht mehr so viel Freizeit haben. „Nach einem Praktikum bei Edeka beginnt er dort nun eine Ausbildung“, teilt die engagierte Flüchtlingsbetreuerin mit einem Lächeln im „Cabataan“ mit.

Aber sie berichtet auch von Problemen, die manche im Ort im Umgang mit Flüchtlingen hätten. So habe eine ältere Daverdenerin ihr gegenüber Vorbehalte und Ängste gegenüber den jungen Männern aus Afrika oder auch Asien geäußert. „Ich werde mal gucken, ob ich einen dafür gewinnen kann, die Dame zu besuchen. Denn wenn man sich kennt, sieht es doch meist ganz anders aus“, weiß Meyer-Klein.

Unterdessen basteln Ehmke und Jutta Winter an einer „Willkommensbroschüre“. Von A wie Ärzte bis V wie Vereine sollen die Flüchtlinge darin alles vorfinden, was für ihr Leben in der Gemeinde wichtig und hilfreich sein könnte.

mm

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