Ortsrat Etelsen und Bauausschuss lehnen Einvernehmen ab

Etelsen: Lauter Protest gegen Hähnchenmast

Die Verwaltung lag genau richtig mit ihrer Vermutung, dass das Thema Hähnchenmaststall viele Menschen interessieren würde. Darum hatte man die Sitzung in die Sporthalle der Oberschule verlegt.
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Die Verwaltung lag genau richtig mit ihrer Vermutung, dass das Thema Hähnchenmaststall viele Menschen interessieren würde. Darum hatte man die Sitzung in die Sporthalle der Oberschule verlegt.

Langwedel/Etelsen – Kaum jemand will es. Alle sind sie gegen den Bau eines Hähnchenmaststalls an der Kreisstraße 7 kurz vor Steinberg. Der Ortsrat Etelsen, der Bau- und Verkehrsausschuss – und die Leute aus Steinberg und Giersberg sowieso. Außer der Landwirtsfamilie Ernst natürlich, die den Bauantrag gestellt hat.

Der Flecken Langwedel wurde im Zuge des üblichen Verfahrens vom Landkreis Verden, der Bauvorhaben genehmigt (oder manchmal auch nicht) gefragt, ob er sein „Einvernehmen“ erteilt. Genau das wollen die Langwedeler Politiker mit großer Mehrheit nicht, wie auch noch einmal am Donnerstagabend in der gemeinsamen Sitzung von Ortsrat Etelsen und Bauausschuss in der Sporthalle der Oberschule deutlich wurde. Allerdings war man sich absolut im Klaren darüber, dass diese Verweigerung rechtlich so rein gar nichts bringt. Der Landkreis Verden wird das Einvernehmen ersetzen und den Bau genehmigen.

Bauamtsleiter Bernhard Goldmann hatte die Aufgabe übernommen, das Vorhaben und das Verfahren zu erläutern. Vor gut einem Jahr hatte der landwirtschaftliche Familienbetrieb Ernst beim Landkreis einen Bauantrag für einen gewerblichen Hähnchenmaststall mit 29 900 Plätzen gestellt. Stehen soll der Stall unweit der Hustedter Straße (Kreisstraße 7) kurz vor Steinberg.

Bereits im Juni 2020 hatte der Flecken Langwedel dem Landkreis mitgeteilt, dass er das Einvernehmen versagt. Man vermisse weitere Angaben zur verkehrlichen Erschließung, wollte wissen, wie das „häusliche Abwasser“ aus dem Stall, das zum Beispiel an Waschbecken anfällt, entsorgt wird, so die Begründung. Außerdem gab die Gemeinde selbst noch eine Plausibilitätsprüfung zum Immissionsgutachten des Bauantrages in Auftrag, bestellte also einen eigenen Gutachter. Der kam zu Ergebnissen, die sich durchaus vom Gutachten im Bauantrag unterscheiden. „Das Problem ist, jeder benutzt eine andere Berechnungsgrundlage“, so Bernhard Goldmann. Welche ist die richtige? Das müssten die Fachleute beim Landkreis Verden entscheiden.

Der Stall soll über die Kreisstraße 7 erschlossen werden. „Und damit haben wir als Gemeinde leider kein Mitsprachrecht“, so der Bauamtsleiter. Wenn in der Vergangenheit ein Investor, sei es für einen Gasbohrplatz oder einen Hähnchenmaststall ein Stück eines Weges brauchte, der dem Flecken Langwedel gehört – dann wurde dieser Umstand schon genutzt, um unliebsame Projekte zu verhindern. So gab es 2017 zwar keinen Bauantrag, aber eine Bauvoranfrage für einen Hähnchenmaststall an der Giersbergstraße unweit des Windparks. Der hier zuständige Ortsrat Daverden hatte sein Einvernehmen erteilt, der Gemeinderat hatte aber mit Mehrheit abgelehnt.

„Wir sind jetzt genau an dem Punkt, den wir damals befürchtet haben“, erklärte Marco Bachmann (CDU). 2017 hatte die Ratsmehrheit den Stallbau an der Giersbergstraße aus Ablehnung der Massentierhaltung blockiert, nun sei er an der K 7 nicht mehr zu verhindern.

Die Sitzung wurde unterbrochen, um den zahlreichen erschienenen Anwohnern die Gelegenheit zu geben, ihre Anliegen und Proteste los zu werden. Da wurde dann ganz schnell deutlich: Die erschienenen Steinberger fühlen sich von der örtlichen Politik im Stich gelassen, können oder wollen deren Machtlosigkeit gegenüber der Baugesetzgebung des Bundes nicht verstehen. Wie von Mitgliedern der WGL und SPD wurde auch aus dem Publikum eine Ablehnung der gewerblichen Massentierhaltung erklärt.

Aber in der Mehrheit gilt das vor allem dann, wenn solche Ställe vor der eigenen Haus- oder Gartentür entstehen sollen. Könne man dem Landwirt nicht nachträglich den Bau an der Giersbergstraße möglich machen? Und er ließe dafür vom Bau an der Kreisstraße ab? So die Hoffnungen etlicher Steinberger.

„Wir von der CDU sind dazu immer noch bereit“, so Marco Bachmann, wenn auch mit unguten Gefühlen. Aber dazu brauche es Bewegung beim Bürgermeister, bei WGL und SPD.

„Ihr erwartet von uns, dass wir als Mandatsträger erpressbar sind“, meinte Andreas Noltemeyer (WGL). „Auch ich fühle mich erpresst“, sagte dazu Wolfgang Ewert (SPD), der sich zudem gegen die „Legendenbildung“ wehrte, allein SPD und WGL hätten den Bau eines Stalls an der Giersbergstraße verhindert. Dies habe der Landwirt genauso zu verantworten.

Man habe ja Gespräche geführt, so Lars-Henrik Haase. Hermann Ernst sei in einer Fraktionssitzung der SPD gewesen, man habe überlegt: „Wie kriegen wir da was hin?“ Längst nicht alle seien dafür gewesen, es habe sich aber eine Mehrheit für eine Zustimmung zum Bau an der Giersbergstraße gefunden – unter der Bedingung, dass ein Maststall an der K7, durch welchen Investor auch immer, für alle Zukunft ausgeschlossen werden kann. Dafür hätte Familie Ernst die Fläche aber an die Gemeinde verkaufen müssen, wozu sie nicht bereit gewesen sei.

„Vielleicht kommen wir ja doch noch zu einer Lösung im Sinne der Bürger“, hoffte Etelsens Ortsbürgermeisterin Irmtraud Kutscher.

„Wir werden nochmal telefonieren“, erklärte Bürgermeister Andreas Brandt.

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