Langwedeler wollen Planungshoheit für Ortsentwicklung nicht an den Kreis abtreten

„Landkreis baut Misstrauen auf“

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In einer Reihe mit den neuen Edeka, dem Aldi wird es an der Hauptstraße gegenüber dem Rathaus einen Rossmann Drogeriemarkt geben.

Langwedel - Allein die amtsdeutsche Formulierung „Beteiligungsverfahren zur Neuaufstellung des Regionalen Raumordnungsprogrammes (RROP)“ mag bei manchem Zeitgenossen geistige Fluchttendenzen auslösen. „Es ist sehr abstrakt, was wir hier machen“, fand Langwedels Bauamtsleiter Frank Bethge. Aber das Ganze habe weitreichende Konsequenzen. Mit dem RROP legt der Landkreis nämlich weitestgehend fest, wie sich seine Städte und Gemeinden in Zukunft entwickeln sollen und können.

Eben das möchte man in Langwedel auch weiterhin selbst bestimmen und sich nicht vom Landkreis vorschreiben lassen. Diese Gefahr sehen die Ortsräte im Flecken und der Bau- und Verkehrsausschuss aber, wie am Dienstagabend im Langwedeler Rathaus bei einer gemeinsamen Sitzung deutlich wurde.

Im Kapitel „Entwicklung der Siedlungsstruktur“ hält der Landkreis im neuen RROP eine „regionalplanerische Steuerung von Siedlungstätigkeit und Infrastruktur für unabdingbar“. Eine Entwicklung soll demnach tunlichst in zentralen Bereichen erfolgen. Im Flecken also an der Achse Etelsen, Cluvenhagen, Daverden Langwedel.

Wenn da nichts mehr geht, könnten die Gemeinde auch in anderen Ortschaften etwas machen. Aber nur wenn mindestens zwei der vier folgenden Einrichtungen vorhanden sind: Kita, Grundschule, Lebensmittelhandel und/oder Bäcker, Apotheke und/oder ärztliche Versorgung.

„Das ist ein Messer in den Rücken für Holtebüttel. Eine Dreistigkeit. Und wenn sogar Völkersen abgehängt werden soll, ist das ein ziemliches Ding“, empörte sich Andreas Grimm (CDU). Junge Leute aus dem Ort müssten weiter die Möglichkeit bekommen, auch in ihrem Heimatort zu bauen, so Grimm.

Das könnte in Zukunft nicht mehr möglich sein, so die Befürchtung. Selbst bedachte Entwicklung und gelungene Integration von Neubürgern wie in der Vergangenheit in Völkersen beispielhaft erfolgt, sei so in Zukunft durch die Bestrebungen des Landkreises nicht mehr möglich.

Das Ganze sei ein Instrument zur Siedlungssteuerung angesichts sinkender Bevölkerungszahlen, warb Kreistagsmitglied Hans-Hermann Prüser (SPD) um Verständnis für das RROP. Es gehe darum, Neubaugebiete in der Größe von 50, 60 Bauplätzen zu verhindern, die dann Leerstände in den Kernortschaften nach sich zögen. „Eine Weiterentwicklung ist weiter möglich.“ Prüser fand allerdings wenig bis gar kein Gehör. „Ein Tritt vor das Schienbein der Landbevölkerung“, sei das Vorhaben, befand Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer. Der Landkreis wolle die kleinen Orte abwickeln und ihnen keinerlei Entwicklungschancen mehr lassen.

„Der Landkreis baut hier ein Misstrauen auf“, so Gerd Landzettel (WGL). In Langwedel habe man die Ortsentwicklung eh immer nach den Maßstäben betrieben, die der Kreis jetzt verlange. „Was mich stört, ist, dass der Kreis kommt und sagt, was wir machen dürfen und was nicht.“

Schließlich empfahlen alle Ortsräte und der Bauausschuss dem Gemeinderat, bei seiner Sitzung am 18. Februar, in seiner Stellungnahme die Streichung der regionalplanerischen Steuerung durch den Landkreis zu fordern.

Vor einer Neuaufstellung des RROP sollte für eine Fläche zwischen Völkersen und Haberloh ein neues avifaunistisches Gutachten erfolgen, ob hier wirklich das Aufkommen von bestimmen Vögeln dem Bau von Windkraftanlagen entgegensteht, so die Anregung aus Langwedel. Abgelehnt wurde ein Antrag von Karlheinz Glander, auch im Bereich Giersberg eines neues Gutachten mit genau dem entgegengesetzten Ziel durchführen zu lassen.

Einstimmig votierten die Ortsräte Daverden und Langwedel sowie der Bauausschuss dafür, den Bebauungsplan „Fachmarkt Hauptstraße“ aufzustellen, der den Bau eines Rossmann Drogeriemarktes neben dem Aldi und dem neuen Edeka ermöglicht. „Die Detailplanungen sind in Arbeit“, so Frank Bethge. Sobald man hier fertig sei, würden die entsprechenden Unterlagen den Ratsgremien sofort vorgelegt.

jw

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