Langwedeler Oberschüler lassen sich zu Konfliktlotsen ausbilden

Keine Richter und schon gar keine Hilfssheriffs

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Dennis, Marike, Isabel, Merle, Thea, Melisa und Fabien gehen nach den Sommerferien zusammen mit Miriam und Nike (nicht auf dem Foto) als Konfliktlotsen an die Arbeit.

Langwedel - Von Jens Wenck. Hilfssheriffs für die Lehrer? Auf gar keinen Fall. „Wir sind auch keine Richter“, kommt es aus der Runde. „Wir stehen nicht auf einer Seite. Wir sind unparteiisch.“ Sie müssen es zumindest mit aller Macht versuchen. Und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein kann auch nicht schaden, wenn man einer der Konfliktlotsen der Langwedeler Oberschule am Goldbach werden will.

Zu diesem Zweck haben sich seit ein paar Wochen acht junge Frauen und ein junger Mann in einer Arbeitsgemeinschaft (AG) zusammengefunden. Überwiegend aus der Klasse 9. Zwei aus der 10. sind auch dabei. Sie haben schon einmal mit der Konfliktlotsenschulung angefangen, bevor das Projekt kurzzeitig einschlief.

Wieso braucht denn eine Schule überhaupt jugendliche Konfliktlotsen? Sollen doch die Lehrer für Ruhe sorgen. Genau hier aber liegt der Hase im Pfeffer. Wenn zwei sich streiten, macht der Lehrkörper tunlichst den Deckel drauf, weil er Ruhe im Unterricht und auf dem Schulgelände haben will. Und unter dem Deckel? Da brodelt es weiter. Außerdem, mal ganz ehrlich, sind Lehrerinnen und Lehrer ja auch noch dazu da, Noten zu verteilen. Geht man da immer gleich hin, wenn es Stress gibt und man Gefahr läuft, sich unbeliebt zu machen? Eben.

Da bieten sich Gleichaltrige oder Jugendliche, die nur ein bisschen älter sind, doch viel besser an. „So für die 5. bis 7. Klassen“, denkt eine angehende Konfliktlotsin wird das Angebot hauptsächlich sein. „Aber der 8. Klasse sollte man das selber hinkriegen, oder...?“

Wenn nicht, kein Problem. Zumindest nach den Sommerferien. Dann haben die Konfliktlotsen in ihrem Raum in Haus D in Zweier-Teams feste Sprechzeiten. Wer Zoff hat, kommt vorbei. Das müssen aber beide Seiten machen. Die ganze Sache läuft absolut vertraulich ab, Konfliktlotsen sind keine Plaudertaschen und dürfen es in ihrem Job auch nicht sein. Mit den Streithähnen wird zuerst geklärt, wo man überhaupt hin will. Beide Seiten sollen und müssen ihren Standpunkt erzählen, dann versucht man gemeinsam Gefühle und Gründe für den ganzen Zoff herauszufinden. Extrem wichtig ist es, herauszubekommen, welche Wünsche die Streitparteien für die Zukunft haben. Schließlich soll eine Vereinbarung aufgesetzt und von allen unterschrieben werden. Gemeinsam will man nämlich das Zusammenleben für die Zukunft regeln und dabei nicht dauernd in alten Wunden herumprökeln.

Dass das funktioniert, da ist sich der stellvertretende Schulleiter Derik Eicke, der die AG auch leitet, sicher. Er kennt das Projekt aus Thedinghausen.

Die Langwedeler Konfliktlotsen haben jetzt ihren festen Raum und werden auch in der neuen Schule einen eigenen Raum bekommen. Die Sache wird im Schulprogramm festgeschrieben, erhält ihren festen Platz.

Den wollen sich die neuen Konfliktlotsen im Schulleben noch erobern. Nach der Ausbildung wird man die Mitschülerinnen und Mitschüler über Plakate und Unterrichtsbesuche auf sich aufmerksam machen. In die große Pausenhalle kommt eine Tafel mit den Fotos aller Lotsen und noch ein Briefkasten dazu.

Hier kann man dann seinen Hilfewunsch hinterlassen, wenn man nicht offen zu den Lotsen gehen will. „Wer dann aber im Briefkasten hinterlässt, wer sie sind und wo wir sie finden, dann kommen wir hin.“

Wenn das Programm erst einmal richtig angelaufen ist, werden sich mehr Bewerber für eine Lotsen-Ausbildung melden, als man Plätze hat, weiß Eicke aus Erfahrung. Ein Ausbilder kann nur eine bestimmte Anzahl angehender Konfliktlotsen betreuen. Auch deswegen werden die jetzigen Lotsen ihre Nachfolger mit ausbilden. Am Ende so einer Ausbildung gibt es übrigens ein Zertifikat. Selbiges war durchaus auch ein Argument, in die AG einzusteigen, wie die Runde unumwunden zugibt. „Klar, das macht sich in einer Bewerbung bestimmt nicht schlecht.“

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