Langwedeler Kulturverein versteigert Bild von Wolf-Dietmar Stock

„Haste mal ‘nen Euro?“

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Gerhard Behrmann hat das Bild ersteigert, das Wolf-Dietmar Stock malte und Jürgen Neumann (v. li.) versteigerte.

Langwedel - Mit dem hölzernen Fleischklopfer in der Hand betrat er das Langwedeler Häuslingshaus. Direkt von der Etelser Mühle kam er, dort hatte er Würstchen gegrillt. Es war ja Mühlentag. In Langwedel agierte Jürgen Neumann als Auktionator und brachte auf unterhaltsame und humorvolle Weise ein Kunstwerk an den Mann.

Die Auktion war Höhepunkt der Finissage - der Fischerhuder Maler und Verleger Wolf-Dietmar Stock hatte auf Einladung des Langwedeler Kulturvereins seine Werke in der Ausstellung „Lichtblicke“ präsentiert. Gerade mal zehn Tage zählte das Ölbild, das Stock in einer Stunde gemalt hatte: das Häuslingshaus im Frühjahr. Unter Einsatz seiner Gesundheit: Bei dem kühlen Wetter hatte er sich erkältet.

Das Werk versteigerte Neumann passenderweise vor dem historischen Gebäude. „Willkommen in dieser netten und niedlichen Runde“, begrüßte er das Publikum und erklärte den Ablauf: „Die Auktion beginnt mit zwei Euro und jedes Gebot beträgt ebenfalls zwei Euro. Wann Schluss ist, bestimme ich.“

Los ging's: „Wer bietet zwei Euro für dieses wunderschöne Bild?“ Die Hände schnellten in die Höhe. Vier, sechs, acht Euro - Kassenwart Wolfgang Ernst kam mit dem Kassieren kaum hinterher. Jeder Bieter zahlte sofort und in bar, und munter klimperten die Münzen in die Suppenschüssel.

Besonders engagiert boten Mitglieder des Kulturvereins. Beispielsweise Heinz-Dieter Gerkens, der bei den Schnapszahlen den Zuschlag bekam - bei 22, 44 und 66 Euro - und obendrein kräftigen Beifall.

82 Euro. Drei weitere Schaulustige kamen. „Sie können noch einsteigen, aber erst aussteigen, wenn das Bild versteigert ist. Also raus mit dem Portemonnaie und rein mit den Münzen in die Schüssel“, scherzte Neumann.

88 Euro. Eine Schnapszahl, und Gerkens war mit Bieten an der Reihe.

96 Euro. „Jetzt sind Material, Pinselstriche und Rahmen bezahlt“, ulkte Künstler Stock.

100 Euro. Wolfgang Ernst lief mit der Suppenschüssel von einem Bieter zum anderen. „Wer das Bild im Wohnzimmer hat, kann stolz sein. Wer weiß, was es in 50 Jahren wert ist“, animierte der Auktionator. Sigrid Ernst wollte weiterhin mitsteigern, doch ihr Geld war alle. „Jetzt muss ich um Taschengeld betteln“, sagte sie. Das bekam sie prompt - nein, nicht aus der Suppenschüssel - und steigerte weiter mit.

122 Euro. Das galt als Schnapszahl. Genau, Gerkens bekam den Zuschlag.

128 Euro. „Was sagt der Künstler?“, fragte Neumann. Stock antwortete: „Jetzt sind wir im Bereich der günstigen Bilder.“

144 Euro. Wieder eine Schnapszahl. Zuschlag für Gerkens. 148 Euro. , fragte Sigrid Ernst ihren Mann. Der griff in seine Hosentasche und holte die Münze heraus, die dann als folgendes Gebot in seiner Suppenschüssel landete.

160 Euro. Gerhard Behrmann gab das letzte Gebot ab, Neumann schlug dreimal mit dem Fleischklopfer auf die Palette, und der Langwedeler nahm mit strahlendem Gesicht die Glückwünsche der Mitbieter und das Bild von Künstler und Auktionator entgegen. Jürgen Neumann bekam als Dankeschön eine Flasche Langwedeler Wein, und der Nachmittag klang bei Kaffee und selbst gebackener Torte in gemütlicher Runde aus.

Den Erlös will der Kulturverein für die Pflege des Häuslingshauses verwenden.

is

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