Langwedeler Kulturtage 2016 sind eröffnet / Start mit Ausstellung und Konzert

Der Jazz und die Provinz

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Ein ganz feines Konzert lieferte Berlin 21 zum Auftakt der Langwedeler Kulturtage im Bürgersaal des Rathauses ab.

Langwedel - Von Jens Wenck. „Auch diese Kulturtage werden wieder etwas Besonderes“, meinte am Donnerstagabend Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt. Aber sicher. Was sollte er anlässlich der Eröffnung besagter Kulturtage im Bürgersaal des Rathauses auch anderes sagen. Der Mann hat nämlich absolut recht. Der beste Beweis war schon mal der Eröffnungsabend.

Der hatte mit einer Kunstausstellung, einem Vortrag und einem Konzert gleich die dreifache Dosis Kultur zu bieten. Werke des 2010 verstorbenen Malers Norbert Sauer sind seit gestern im Häuslingshaus zu sehen, aber auch im Langwedeler Rathaus.

Eben jener Norbert Sauer hat ein gerüttelt Maß Anteil daran, dass es in Langwedel seit 15 Jahren die Kulturtage überhaupt gibt. „Es war Norbert Sauer, der Bauamtsleiter Frank Bethge animierte, die Kulturtage ins Leben zu rufen. Sie sind damit auch ein Vermächtnis von Norbert Sauer“, so Andras Brandt.

Rainer Schossig begab sich in einem Vortrag nicht allein auf die Suche nach der Kultur und ihrem Stellenwert im provinziellen Langwedel und der Provinz überhaupt, er machte via Interview mit Silke Sauer, der Witwe Norbert Sauers, gelungen Werbung für die Ausstellungen.

Dann wurde die Bühne freigegeben für Berlin 21. Jazz aus der Hauptstadt. Der Langwedeler Kulturverein und dessen Vorsitzender Rolf Göbbert gingen damit ein gehöriges Risiko ein. Schließlich ist Jazz nicht gerade massenkompatibel. Der Bürgersaal musste so auch nicht wegen Überfüllung geschlossen werden, war gleichwohl aber ordentlich besetzt. Was Torsten Zwingenberger von Berlin 21 vor dem Hintergrund schon schlechter besuchter Konzerte zu der Bemerkung veranlasste: „Wissen Sie überhaupt, dass Sie in einem Jazzkonzert sind?“

Aber ja. Und jetzt ist es Zeit für ein ganz persönliches Geständnis: In Sachen Musik geht krachender Rock bei mir immer. Blues und Boogie auch. Aber Jazz? So richtiger Jazz? Ist das nicht diese Sache, wo die einzelnen Musiker im Laufe eines Stückes völlig ausflippen, die Töne irgendwo schräg ins Nichts abdrehen? Also lautet ein Beschluss, dass ich mich als Berichterstatter in der Pause ja unauffällig verdrücken könnte. Der Chronistenpflicht wäre so ja genüge getan.

Also Foto gemacht, Platz genommen, die Herren Musiker beobachtet. Gitarrist Tim Steier, 25-jähriger Kanadier und gerade ein halbes Jahr in der Formation, ausgestattet mit einem Vollbart wie aus dem Alten Testament, blickt immer wieder versonnen schräg an die Decke. Stört ihn die Beleuchtung? Martin Lillich am Bass, den er wegen seiner Größe und Nähe zum Cello „Basello“ nennt, macht auch immer wieder die Augen zu und kriegt so ein versonnenes Lächern. Das hat nach einer Viertelstunde auch Torsten Zwingenberger (Drums und Percussion). Wie das mit Lionel Haas (Piano) ist, kann ich nicht sehen. Der verschwindet meist aus meiner Sicht hinter seinem Instrument.

Da kann ich ja auch gleich einfach nur zuhören. Mich von und mit der Musik treiben lassen. Hör mal an, wenn da einer in sein Solo geht, läuft der gar nicht schräg irgendwohin. Instrumente, Klänge, Töne verweben sich, lösen sich wieder auf, drei geben dem Einen Rückhalt, bauen ein kunstvolles Fundament.

Bei mir macht sich eine unvermutete Ruhe breit, gepaart mit Fokus auf die Musik: „Was kommt da als nächstes?“ Aus dem Treiben lassen ist ein Sog geworden.

In der Pause nach Hause gehen? Aber absolut auf gar keinen Fall. Das finden die allermeisten Besucher im Bürgersaal auch, und längst nicht alle sind Jazzfans. Nach einem Abend mit den vier virtuosen Künstlern sind aber vielleicht welche dazugekommen. „Jazz muss ja auch nicht schrecklich sein“, so Torsten Zwingenberger.

„Ich war bislang auch kein besonderer Jazz-Bewunderer, aber auf dem Konzert gestern hatte man die Möglichkeit, einer zu werden“, meinte Theda Henken vom Verein für Kultur und Geschichte Daverden tags drauf. So etwas passiert, wenn die Verantwortlichen für Kulturtage in der Provinz ein Wagnis eingehen und dabei auf Qualität setzen.

Danke dafür.

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