Kulturverein braucht Sponsoren

Langwedeler Kinder-Kultur-Reihe: „Es geht sehr, sehr gut“

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„Waaaas?“ Wenn der Klabautermann ins Erzählen kommt, dann staunt auch Schiffsjunge Hinnerk.

Langwedel - Eine eigene Kulturreihe für Kinder? Netter Gedanke. Mehr noch, eine richtig schöne Idee. Wer als Kind nicht ins Theater geht, wird es später als Erwachsener auch kaum tun – und dann so einiges verpassen. Aber trotzdem, Kinderkultur auf dem Dorf? „Na,ja. Ich hab’ mich anfangs ehrlich gesagt auch gefragt, ob das geht. Und es geht nicht nur. Es geht sehr, sehr gut“, sagt Sigrid Ernst vom Langwedeler Kulturverein.

Der hat gerade am vergangenen Wochenende seine zweite Kinder-Kultur-Reihe beendet. Fünf Veranstaltungen mit drei verschiedenen Künstlern von November bis März hatte man im Angebot. Also schon ordentlich bunte Lichtblicke in Sachen Figurentheater und Musik in der dunklen Jahreszeit. Gemütlich machen konnte man sich das jedes Mal im Langwedeler Rathaus. Der Flecken Langwedel stellte den Bürgersaal zur Verfügung. Und wie der Name „Bürgersaal“ schon sagt, war der von Anfang an ja auch für solche Veranstaltungen gedacht und nicht nur für Ratssitzungen.

„So 40, 50 Besucher haben wir eigentlich immer“, erzählt Sigrid Ernst eine halbe Stunde vor der letzten Vorstellung dieser Saison. Etliche Stammgäste sind dabei. Die Mädchen und Jungs kommen mit ihren Eltern, mit Oma und Opa. „Wir haben auch Senioren, die kommen schon mal allein.“ Da ist die Lust auf Figurentheater, die Tageszeit stimmt auch, man geht im Hellen hin und kommt auch noch wieder nach Hause, bevor es zappenduster ist. „Ich finde das schön, wenn sie kommen“, so Sigrid Ernst.

Sie sind auch dafür verantwortlich, dass es mit der Kultur für Kinder so gut läuft: Jessica Hambrock, Norman Wackwitz, Christoph Bendikowski und Sigrid Ernst.

Es ist kurz nach Halb, die ersten Besucher kommen. Mäntel und Jacken können im Flur an der Garderobe aufgehängt werden. Wer mag, nimmt seine Sachen mit rein. An der Kasse, die von Mitgliedern des Kulturvereins ehrenamtlich betreut wird, gibt es die Karten und einen Stempel auf die Hand. Wer den nicht mag, muss aber auch nicht. In den Korb mit den kleinen Süßigkeiten drin mag aber jeder hineinlangen.

Wer Durst bekommt, kriegt auch Wasser oder Apfelschorle. Die kostet nichts. Wer mag, lässt eine kleine Spende da. Im Moment ist aber die Bühne für eine junge Theaterbesucherin von höchstem Interesse. Ja, soll sie denn hier jetzt noch 20 Minuten still sitzen? Nö.

„Ich hab die Piratten gesehen! Komm’ mal gucken, da!“ Mama muss auch schauen. „Piratten an Bord“ heißt das Stück, dass das Ekke Neckepen-Theater, also Christoph Bendikowski an diesem Nachmittag spielen wird. Der Langwedeler hat die Reihe mit angeschoben. Wenn er auf Tournee unterwegs ist, wird er mittlerweile schon auf die Kinder-Kultur-Reihe angesprochen: „Wir haben gehört, dass da....“ Doch, stimmt und die Sache läuft, kann Bendikowski dann Auskunft geben.

Also, und da muss man ehrlich sein, es läuft nur mit Unterstützung. Man braucht einen Verein und seine Mitglieder, die sich engagieren. Künstler, die sich einbringen. Und Sponsoren, die Geld dazugeben. Im Fall Langwedel ist es die lokale Arbeitsgruppe. Dahinter steht der Fachdienst Jugend und Familie des Landkreises Verden. Deswegen waren jetzt bei der letzten Vorstellung auch Norman Wackwitz und Jessica Hambrock da, die Geschäftsführung der acht lokalen Arbeitsgruppen, die es im Landkreis gibt. Quasi mal gucken, was sie in Langwedel mit dem Geld anstellen.

Positive Signale für die dritte Kinder-Kultur-Reihe

Finanzielle Unterstützung kommt auch noch von Markus Redling, also vom großen Edeka gegenüber vom Rathaus. Auch aus der Pfandbonsammelbox. Also irgendwie auch von den Kunden. Trotzdem kann man die Eintrittskarten nicht verschenken.

So, nun wird das aber Zeit. Bendikowski muss sich um sein Publikum kümmern, das beginnt, in langsam größer werdender Zahl die Bühne und ihre möglichen Geheimnisse zu erkunden. „Neee. Was dahinter ist, ist uninteressant“, meint der Schauspieler und Puppenspieler, der sich gleich in den Schiffsjungen Hinnerk verwandeln wird. „Mal gucken, ob wir hier Wellen kriegen“, meint Hinnerk/Christoph, und hör mal einer an: Es fängt an zu rauschen. 

Na, denn mal los mit der Geschichte. Die erzählt von Hinnerk, der so gerne Seemann werden will - und dann als Schiffsjunge immer zwischen Nordenham und Brunsbüttel hin- und herschippert. Boah, öde. Nix mit „Abenteuern auf den sieben Weltmeeren“. Aber das ändert sich, als Störtebecker (ein ziemlich versoffener und sangeslustiger Papagei) und der Klabautermann auftauchen und man gemeinsam nach Abenteuern Ausschau hält...

Wie sieht es denn mit einer dritten Kinder-Kultur-Reihe im kommenden Winter aus? „Wir würden es gern machen“, sagt Sigrid Ernst. Wie schon beiläufig erwähnt, man braucht Sponsoren. „Die Signale sind positiv.“  - jw

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