„Wir sind doch nah am Bürger“ 

SPD und WGL wollen Leitbildkonzept zurückstellen

Der Brunnen vor dem Rathaus gehört zum Ortsbild. Im Verwaltungsgebäude wird ums Leitbild gestritten. Foto: Wenck

Langwedel - Von Jens Wenck. Der Flecken Langwedel braucht unbedingt ein Leitbild. Meint jedenfalls die CDU-Gemeinderatsfraktion.

Weil so ein Leitbild unabdingbar für ein Marketingkonzept sei, betonte Jochen Werwarth jetzt noch einmal im Finanz-, Personal- und Wirtschaftsausschuss. Leitbild und Marketingkonzept seien unbedingt notwendig, um eine vernünftige Zukunftsplanung für den Flecken Langwedel aufzustellen.

Schon vor gut einem Jahr hatte der Verwaltungsausschuss der Gemeinde die Verwaltung beauftragt, ein Leitbildkonzept zu entwerfen.

Jetzt kam aus dem Rathaus die Kunde in Form einer Beratungsvorlage: Wir schaffen das einfach nicht, so ein Konzept aufzustellen.

Grund: Im vergangenen Jahr waren nicht alle Stellen besetzt, es gab reichlich Arbeit im Hauptamt rund um die unerwartet gestiegene Nachfrage nach Krippenplätzen, jede Menge unerwartete Arbeit rund um den Neubau der Oberschule. Darum jetzt der Vorschlag, eigentlich die Bitte der Verwaltung: „Der Entwurf eines Leitbildkonzeptes wird bis auf Weiteres zurückgestellt.“

„Wir sind doch jetzt in einer guten Situation um zu sagen: Wo wollen wir mit der Gemeinde eigentlich hin“, befand Jochen Werwarth mit Blick auf die vermeintlich sehr gute Haushaltslage der Gemeinde. Das Endprodukt, also das Leitbildkonzept, könne man ja kritisch sehen. „Da stehen in der Regel nur schöne Sätze drin.“ Aber der Weg dorthin sei wichtig. Es gehe darum, die Bürger zu fragen, was sie sich wünschen.

„Weiter direkt mit den Bürgern unterhalten“

„Wir können uns mit den Bürgern direkt unterhalten. Das haben wir immer schon gemacht und das machen wir weiter“, sagte Bernd Michallik (SPD). In seinem beruflichen Alltag habe er die Entwicklung mehrerer Leitbilder erlebt. „Die sind alle in der Schublade verschwunden und keiner interessierte sich mehr dafür.“

Mit Datum vom 2. Januar 2019, also kurz vor Abschluss der Haushaltsberatungen, hatte die CDU-Gemeinderatsfraktion den Antrag gestellt, 200.000 Euro in den Haushalt aufzunehmen, und zwar für die Stelleneinrichtung sowie für eine „Konzepterstellung zur weiteren strategischen Gemeindeentwicklung.“ Genannt werden darin die Themenfelder Infrastrukturplanung, Verkehrsentwicklungsplanung, Zukunftsgestaltung vor Ort und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

„Wir sind doch nah am Bürger“, befand Heike Schmitz (WGL) und nannte die Arbeit der Ortsräte. Ein Leitbild? „Da schafft man doch nur potemkinsche Dörfer, eine Luftblase.“ 200.000 Euro würde sie lieber für die Umsetzung konkreter Projekte „auf der Straße“ sehen.

Völkersen organisiert sich

„Wir sind in Völkersen dabei uns zu organisieren“, sagte Bijanka Müller. Hier hatte der Ortsrat zu einer Bürgerversammlung eingeladen, in deren Folge nun Arbeitsgruppen Wünsche und Vorstellungen der Völkerser zusammentragen sollen. Vielleicht werde man sich zum späteren Zeitpunkt noch einen professionellen Planer dazuzuholen. Die anderen Ortsräte seien im Übrigen herzlich eingeladen, sich über das Völk’ser Modell zu informieren. Geld für ein Leibild? „Das würde nur verpuffen.“

Mal eben 50.000 Euro für ein Leitbildkonzept oder gar 200.000 Euro ausgeben - „Da muss man auch sagen, wie das gegenfinanziert werden soll und wer es machen soll“, erklärte Bürgermeister Andreas Brandt. Seit Wochen sei man in den Haushaltsberatungen. „Tut es da wirklich not, dass Anträge einen Tag vor der Sitzung eingereicht werden? Ich bitte doch um ein bisschen Rücksichtnahme auf die Verwaltung und meine Mitarbeiter“, so ein Bürgermeister in für ihn bemerkenswerter Erregung, die auch auf zwei CDU-Anträge zurückging, in denen die Union (wie berichtet) die Einführung einer Ehrenamtskarte und die Aufstellung von Geschwindigkeitsmessern gefordert hatte. Die Anträge wurden einstimmig zur Beratung in den Fachausschüssen zurückgestellt.

Ein Leitbild (nach Angaben der Langwedeler Verwaltung für 85.000 Euro) hat im Landkreis sonst nur noch die Stadt Achim, von Jochen Werwarth als starkes Beispiel gepriesen. Der Finanzausschuss empfahl gegen die Stimmen der CDU, das Leitbildkonzept zurückzustellen und die 200.000 Euro nicht in den Haushalt 2019 aufzunehmen, auch nicht über einen Nachtragshaushalt.

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