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Langwedel nimmt Eigenverbrauch in den Blick

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Von: Lisa Duncan

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Das Langwedeler Rathaus ist nicht das einzige kommunale Gebäude, in dem sich der Energieverbrauch optimieren ließe. Archivfoto: Wenck
Das Langwedeler Rathaus ist nicht das einzige kommunale Gebäude, in dem sich der Energieverbrauch optimieren ließe. Archivfoto: Wenck © Wenck

Langwedel – Das Langwedeler Rathaus verbraucht viel Strom und Wärme. Aktuell liegt dessen Wärmeverbrauch bei 180 Prozent über dem Mittelwert von Rathäusern anderer Kommunen. Auch beim Stromverbrauch besteht mit 176 Prozent eine hohe Abweichung vom Durchschnittswert. Das geht aus dem Energiebericht des Fleckens Langwedel hervor, den das Beratungsbüro Target aus Hameln im Auftrag der Gemeindeverwaltung ausgeführt hat. Target-Mitarbeiter Jan Norrmann stellte den Bericht Dienstagabend im Bau-, Verkehrs- und Friedhofsausschuss vor.

Es zählt zu den Klimaschutzzielen der Bundesregierung, die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren. Daran will sich auch der Flecken Langwedel aktiv beteiligen und nimmt daher am kommunalen Energieeffizenznetzwerk Landkreis Verden teil. Ziel ist es, vor Ort geeignete Maßnahmen zur Minderung des Energieverbrauchs zu treffen. Klimaschutzprojekte im kommunalen Umfeld werden aufgrund der Vorbildfunktion, die letztlich auf Unternehmen und Privathaushalte ausstrahlen kann, von der Bundesregierung gefördert. Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt. Kooperationspartner sind die Gebäudemanagement-Abteilungen der kommunalen Verwaltungen, die kreiseigene Klimaschutz- und Energieagentur KleVer und das Beratungsbüro Target.

Zunächst hat Target den Ist-Zustand der kommunalen Gebäude – der Flecken Langwedel nennt 25 Gebäude und Liegenschaften sein eigen – betrachtet. Daraus hat das Unternehmen eine Prioritätenliste und einen Vergleichsmaßstab (sogenanntes Benchmarking) erstellt. Für ausgewählte Liegenschaften ist dann auch ein laufendes Energiecontrolling vorgesehen. Das soll laut Norrmann monatlich und mit einer web-basierten Software erfolgen, sodass auch die Gemeinde darauf jederzeit Zugriff hat. Langwedels Bauamtsleiter Bernhard Goldmann machte in der Sitzung deutlich, dass die Gemeindeverwaltung „sich auf zehn Gebäude konzentrieren und diese genauer untersuchen“ will. Diese Priorisierung will die Verwaltung als Diskussionsgrundlage für die Ratsmitglieder schriftlich ausarbeiten.

Dabei klang bereits an, dass das Langwedeler Rathaus in dieser eingegrenzten Prioritätenliste auftauchen würde. Der Austausch der beiden großen Heizkessel sei schon seit Längerem überfällig, berichtete Goldmann. Jedoch eigne sich die kalte Jahreszeit nicht besonders, um diese Aufgabe anzugehen. Target habe im Zuge der Analyse nun festgestellt, dass auch ein Kessel allein die Heizlast tragen könne. Zudem deutete Goldmann an, dass die Feuerwehrhäuser „erst mal nach hinten gesetzt“ würden. Als Grund nannte er die Diskussion um die Zusammenlegung von Ortswehren, die nicht abschließend entschieden sei. „Wir sollten uns Gebäude angucken, wo absehbar ist, dass sie längere Zeit genutzt werden, etwa die Kindertagesstätten“, so Goldmann.

Andreas Noltemeyer (WGL) zufolge hätte die Gemeinde auch ohne KleVer früher in Sachen Klimaschutz aktiv werden können. „Wenn wir 2050 klimaneutral werden wollen, ist das hier ein Desaster“, kommentierte er die Bestandsaufnahme von Target. „Ich habe schon schlechtere Kommunen gesehen“, beschwichtigte Target-Sprecher Norrmann. „Das kann ich so nicht stehen lassen“, erwiderte Bürgermeister Brandt auf Noltemeyers Bemerkung, und nannte als Beispiele den Neubau für die Oberschule am Goldbach, den Krippenanbau in Völkersen mit Einspeicherheizung und die energieeffiziente Grundschule Etelsen. „Wir können nicht auf den Knopf drücken und morgen ist alles klimaneutral“, so Brandt. Die Gemeinde habe auch Pflichtaufgaben zu erfüllen. „Der Bericht sagt uns, wo die Schwachstellen sind und die Politik entscheidet, wie es weitergeht.“

Hans-Hermann Prüser (SPD) fragte, warum die Oberschule und deren Turnhalle nicht in der Gebäudeliste von Target auftauchen. Für den Neubau existierten keine Vergleichszahlen und die Daten des alten Schulgebäudes seien nicht vergleichbar, so Goldmann. Laut Norrmann ist Energiesparen übrigens nicht zwingend mit Investitionen verbunden: Bei einer anderen Kommune habe Target „zwischen fünf und zehn Prozent mit Sofortmaßnahmen hinbekommen“, etwa durch eine optimierte Einstellung oder den Austausch von Wärmepumpen. Hilfreich könne etwa schon eine Hausmeisterschulung sein. „Wir machen die Teilnehmer da fit, wo sie Einfluss nehmen können“, so Norrmann.

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