Womöglich die letzte Langwedeler Abschlussklasse

ibs-Berufsfachschule feiert frisch examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger

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Die Klasse „AP 15“ gab auch auf dem Foto zur bestandenen Altenpflegeausbildung ein treffliches Bild ab. Womöglich ist es die letzte Klasse, die in Langwedel verabschiedet wurde. Nach dem Verkauf des Mack-Komplexes sucht man nach neuen Räumen. 

Langwedel - ""„Historisch“ – dieser Begriff kam in der Rede von Schulleiterin Melanie Silbermann öfter vor. Dabei ist das Ritual seit gut 15 Jahren in Langwedel immer ähnlich. Immer um diese Jahreszeit wird eine Klasse von neuen Altenpflegerinnen und Altenpfleger nach erfolgreicher Ausbildung verabschiedet. Die Stimmung ist immer irgendwie aufgekratzt, fröhlich, feierlich. Und doch war es diesmal anders.

Vor allem weil niemand weiß, wie lange die Altenpflegeschule des Instituts für Berufs- und Sozialpädagogik e.V (ibs) noch in Langwedel und vor allem in den Räumen neben der Druckerei Mack sein wird. Die Druckerei selbst zieht (wie berichtet) nach Bremen. Das Druckereigelände und sämtliche Gebäude wurden verkauft. Ein Teil des historischen Gebäudes soll erhalten bleiben, der ganze hintere Teil wird abgerissen. Ein Bremer Investor will hier eine Seniorenresidenz errichten.

Die Altenpflegeschule hat zwar einen bestehenden Mietvertrag. Der Glaube an einen unproblematischen und vor allem ungestörten Schulbetrieb, während direkt nebenan Abriss- und dann später Bauarbeiten laufen, ist nicht gerade groß. Aktuell ist man auf der Suche nach einem neuen geeigneten Standort für die Altenpflegeschule im Landkreis Verden.

Die Schule ist seit 2003 in Langwedel. Ihre Gründung erfolgte 1985. Der Start war kleine, in einem Raum im Vereinsheim des TB Uphusen am Arenkamp. Hier wurde es ganz schnell zu eng, man zog 1986 in das Seniorenzentrum an der Magdeburger Straße in Achim. Das stetige Wachstum der Einrichtung spiegelt auch heute noch die gesellschaftlichen Verhältnisse wieder und die ungebrochene Nachfrage nach gut ausgebildeten Altenpflegerinnen und Altenpflegern.

Die liefert auch die historische Klasse „AP 15“, gleich 19 Stück an der Zahl. Zum einen eine historische Klasse, weil sie die letzte ist, die nach den alten Ausbildungsrichtlinien unterrichtet wurde. Und weil sie vermutlich die letzte ist, die mit einem Festakt in den bekannten Räumen an der Großen Straße in Langwedel verabschiedet wurde, so Schulleiterin Silbermann.

„Eine lebhafte und diskussionsfreudige Klasse“, befand Lehrerin Susanne Süß.

Was da so lebhaft diskutiert wurde, gab Andreas Gröger als einer der erfolgreichen Absolventen in einer kurzen und guten Rede wenigstens zum Teil preis.

„Wir haben die Gruppenarbeiten überstanden, ohne das ein Tropfen Blut geflossen ist“, befand Gröger – und sammelte schallendes Gelächter und viel Beifall ein. Aber im Ernst: „Ich glaube, dass die richtige Teamarbeit jetzt erst losgeht.“ Und dass die neuen Altenpflegerinnen und -pfleger im Beruf sehr wohl ihre Team- und anderen Fähigkeiten unter Beweis stellen werden. Auch sei man sich bewusst, dass es in der Gesellschaft sehr viele Vorurteile gegenüber der Pflege und der in ihr Beschäftigten gebe. Nur ein Beispiel: Die Meinung, wer nichts anderes könne, der werde eben Altenpfleger.

Die Absolventen der „AP15“ werden nun antreten, um sich zu beweisen. Sehr wohl im vollen Bewusstsein, dass bei ihrer Tätigkeit vor allem eines im Mittelpunkt steht: der Mensch. In Sachen Wertschätzung der Pflegeberufe erlaubte sich Gröger noch ein Zitat von Charles Dickens: „Niemand ist nutzlos in dieser Welt, der einem anderen die Bürde leichter macht.“

Übrigens würden unten auf dem Hof schon ein paar Autos warten, um die Absolventen direkt nach der Feier zum Dienst zu fahren. Einige hätten ihren Arbeitgebern außerdem schon gleich die Spätschicht zugesagt.

„Echt jetzt?“ Ganz so mochte das Lehrerin Susanne Süß nach dem Gruppenfoto nicht bestätigen.

Aber examinierte Pfleger haben keine Probleme, einen Job zu finden. „Das sind schon extrem gefragte Leute.“

Die Ausbildung zur Altenpflegerin bzw. zum Altenpfleger erfolgreich bestanden haben: Kubra Aliyeva, Heike Binding, Cindy Demski, Carol Dickow, Rieko Gatzke, Andreas Gröger, Maxi Hofmann, Melina Hugo, Julia Jokisch, Stefanie Kaiser, Celina Alisha Kargel, Christina Kenzierski, Claudia Mohr, Nicole Mrkwa, Angelika Riedel, Yaren Savaskan, Selina Schmitt, Ibrahim-Oguz Uysal und Rabea Wagner.  

jw

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