Nur ein Schild reicht einfach nicht

Langwedel bei Kampagne „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ dabei

Joao Maia von der IG Metall Bremen
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Joao Maia von der IG Metall Bremen bedankte sich für die Langwedeler Teilnahme an der Kampagne und versprach, wenn gewünscht, Hilfe und Unterstützung.

Langwedel – Am 8. Oktober 2020 hatte der Langwedeler Gemeinderat beschlossen, sich an der bundesweiten Kampagne der IG Metall „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ zu beteiligen. An beiden Eingängen zum Langwedeler Rathaus will man entsprechende Schilder anbringen.

Aber schon vor fast einem Jahr machte der Rat bei seinem Beschluss deutlich, dass man es nicht allein dabei belassen wolle, zwei Schilder aufzuhängen. Eine öffentliche Veranstaltung mit möglichst breitem gesellschaftlichen Rahmen war schon für die Anbringung der Schilder gefordert. Der Rahmen stimmte am Mittwochmorgen im Rathaus – soweit das unter Coronabedingungen möglich war.

Vertreterinnen und Vertreter der politischen Gremien des Fleckens waren gekommen, dabei waren auch die Arbeitsgemeinschaft der Langwedeler Sportvereine (ALS), die Vereinigung der Selbstständigen (VdS) und die Oberschule am Goldbach. Von der IG Metall kam Joao Maia nach Langwedel.

Wolfgang Ewert begrüßte die Gäste als Vorsitzender des Gemeinderates und erläuterte, warum der Gemeinderat die „Respekt!“-Schilder am Rathaus haben möchte. „Der immer wieder und vermehrt auftretende Alltagsrassismus – auch in unserer Gemeinde – und der über den Rassismus hinaus zunehmend fehlenden Respekt gegenüber Dritten in allen Varianten macht es erforderlich, rechtzeitig eine klare Kante dagegen und für unsere Werte in unserer Demokratie und unser Zusammenleben zu zeigen.“

Marco Behrmann vom MTV Langwedel nahm ein Schild für das Sportzentrum seines Vereins mit.

Dabei seien nicht nur politische Gremien und die Institutionen der Gesellschaft in der Pflicht, „sondern jeder Einzelne, jede Einzelne ist gefordert.“ Bei dieser ersten Veranstaltung dürfe es sich nur um einen ersten kleinen Schritt handeln, eben eine Auftaktveranstaltung. „Nur ein Schild kann uns nicht zufrieden nach Hause gehen lassen.“

Aber so ein „Respekt!“-Schild kann einen Menschen einen Ort mit Vertrauen ansteuern lassen, wie Joao Maia von der IG Metall zumindest für sich ganz persönlich erklärte. „Respekt!“ signalisiere „hier ist ein Ort, an dem man mich respektiert, hier ist ein Ort, wo man die Demokratie respektiert“, erklärte der gebürtige Brasilianer. Entstanden ist die Kampagne bereits 2006, im Sport, im Fußball.

Um die „Respekt!“-Kampagne weiterzutragen, wurden Fußball- und Sportturniere veranstaltet. Workshops, Konzerte – es ist vieles denkbar. Bei Fragen, was man machen kann oder wer mehr Hintergründe wissen möchte – bei der IG Metall gibt es Menschen wie Joao Maia, die weiterhelfen können und möchten.

„Viele kleine Schritte sind erforderlich, packen wir es an – aktivieren wir den Begriff Zivilcourage. Lass uns unser gesellschaftliches Zusammenleben lebenswert erhalten“, erklärte Wolfgang Ewert zum Ende der Veranstaltung. „Wegducken und das Handeln anderen überlassen, hilft nicht mehr.“

Am Ende gab der Vorsitzende des Langwedeler Gemeinderates hörbar bewegt etwas ganz Persönliches preis. Er habe seinem Vater auf dem Sterbebett versprochen, mit dafür zu sorgen, dass in Deutschland gelte: nie wieder Nationalsozialismus, nie wieder Krieg, nie wieder Rassismus. „Ich habe Angst, dass ich mein Versprechen nicht einhalten kann.“

„Was wir daraus machen, liegt in unseren Händen“, sagt Bürgermeister Andreas Brandt noch am Ende der kleinen Feierstunde.

Das öffentliche gemeinsame Anbringen der Schilder entfiel wegen Corona und Dauerregen.

Ein drittes Schild wurde aus dem Langwedeler Rathaus getragen. „Das ist für den MTV“, erläuterte Marco Behrmann, Vorsitzender des Sportvereins.

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