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Langwedeler Familienbetrieb Autoruf Jägeler stellt sich neu auf

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Von: Christian Walter

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Tauscht Fahrersitz gegen Bürostuhl – allerdings mit Wehmut, auch wenn sie dem
Tauscht Fahrersitz gegen Bürostuhl – allerdings mit Wehmut, auch wenn sie dem Fotografen ein Lächeln schenken kann: Autoruf-Gründerin Christine Jägeler. © Christian Walter

Es ist ihr anzumerken, dass sie sich mit der anstehenden Veränderung in der Autoruf Jägeler GbR erst noch anfreunden muss, und sie sagt es auch frei heraus: „Für mich ist das natürlich sehr einschneidend.“ Das kann kaum wundern, hat Christine Jägeler das Personenbeförderungs-Unternehmen doch 1978 selbst gegründet. 44 Jahre hinterlassen Spuren, schleifen Gewohnheiten ein, führen zwangsläufig zu persönlichem Pflichtgefühl.

Nun aber steht eine Umstrukturierung des Familienunternehmens an, die dazu führt, dass die Unternehmensgründerin einen ihrer Arbeitsplätze verlässt: den Sitz vorne links in den Firmenwagen. Denn die Sparte der Mietwagen gibt Autoruf Jägeler zum Jahreswechsel ab. Der Begriff darf nicht falsch verstanden werden: Der Familienbetrieb hat keine Pkw verliehen, sondern mit seinem Fuhrpark die Dienstleistung der privaten Personenbeförderung erbracht, beispielsweise zu Arztterminen. Das fällt künftig weg, und der Betrieb konzentriert sich ganz auf sein anderes Standbein, die Schülerbeförderung, plus den Fahrdienst für Menschen mit Beeinträchtigungen, etwa im Auftrag der Stiftung Waldheim.

In Stoßzeiten waren wir ausgelastet. Aber sonst hatten wir einfach zu viele Leerräume.

Daniela Jägeler

„Für einen war das alles zusammen zu viel“, erklärt Daniela Jägeler, die Tochter der Firmengründerin, die heute die Fäden in der Hand hält. „Deshalb musste ich eine vernünftige Entscheidung treffen: Welchen Zweig betreibe ich richtig?“ Der private Fahrdienst – im Grunde vergleichbar mit Taxi-Unternehmen, nur anders organisiert und nicht 24 Stunden am Tag in Bereitschaft – sei im Raum Langwedel und Umgebung einfach nicht dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben, auch im Hinblick auf die schrumpfende Gaststättenlandschaft im Flecken. Das Einzugsgebiet sei sehr groß, der ländliche Raum sehr auseinandergezogen. Das Kundenpotenzial für normale Fahrten sei hier einfach nicht groß genug. „Achim und Verden beispielsweise haben eine ganz andere Auftragslage als wir hier“, sagt die 45-Jährige. „In Stoßzeiten waren wir ausgelastet“, etwa wenn viele Kunden morgens um acht Uhr Termine bei ihren Ärzten hätten – zu diesen Zeiten ballte sich dann die Nachfrage. „Aber sonst hatten wir einfach zu viele Leerräume.“

Der Rückspiegel ihres Wagens wird für Christine Jägeler künftig ein rein privates Werkzeug im Straßenverkehr sein.
Der Rückspiegel ihres Wagens wird für Christine Jägeler künftig ein rein privates Werkzeug im Straßenverkehr sein. © Christian Walter

Es war immer schön, es war Arbeit und Hobby zugleich. Ich hätte noch fünf Jahre weiter fahren können.

Christine Jägeler

Die Abkehr der Firma von der privaten Personenbeförderung bedeutet für Christine Jägeler den Abschied vom Steuer, jedenfalls beruflich. Denn in den sogenannten „freigestellten Schülerverkehr“ – das heißt grob gesagt Zubringerverkehr mit Kleinbussen aus abgelegenen Ortschaften zu den Hauptlinien, auf denen die großen Busse die Schulen anfahren – kann und will die mittlerweile 77-Jährige nicht einsteigen. Stattdessen wird sie künftig nur noch im Büro tätig sein, was ihr nach eigenem Bekunden nicht leicht fällt. „Es war immer schön, es war Arbeit und Hobby zugleich“, sagt sie beim Gedanken an ihren langjährigen Platz am Lenkrad. Gerade auf den längeren Fahrten, etwa nach Bad Zwischenahn oder Hannover, habe sie es genossen, sich im Auto mit ihren Fahrgästen zu unterhalten und den Kontakt zu pflegen. „Ich hätte noch fünf Jahre weiter fahren können“, sagt sie mit einem Schuss Wehmut.

Die „Mietwagen“-Kundschaft, beispielsweise Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wird nun, wie teils auch die speziell umgerüsteten Caddys, auf umliegende Taxi-Unternehmen verteilt. In Richtung Achim übernimmt Taxi Schierloh die Fahrten, in Richtung Verden etwa Köhler, Kahrs oder Sieling. „Unsere Stammkundschaft hatte viel Verständnis für die Entscheidung, die sind alle sehr umgänglich“, betont Daniela Jägeler. Und auch der Übergang hin zu den Taxi-Firmen laufe reibungslos. Überhaupt sei das Verhältnis zu den anderen Personenbeförderungs-Unternehmen immer ein sehr kollegiales gewesen.

Die Schülerbeförderung läuft auf gewohntem Niveau weiter, wir geben nur eine Sparte auf.

Daniela Jägeler

Teilweise habe man besorgte Anrufe bekommen, als Gerüchte über eine Betriebsschließung oder Pleite von Autoruf Jägeler im Flecken Langwedel die Runde machten. Das sei aber mitnichten der Fall, klärt Daniela Jägeler auf. „Die Schülerbeförderung läuft auf gewohntem Niveau weiter, wir geben nur eine Sparte auf.“ Der anstehende Umzug der Firmenzentrale unterstreicht das noch einmal: „Wir brauchen mehr Platz“, so die Chefin. Die Autoruf Jägeler GbR sitzt daher demnächst nicht mehr in Hagen-Grinden, sondern in Cluvenhagen.

Von Christian Walter

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