„Wenn du rauskommst, bist du tot“

Langwedel: Anklage wegen versuchten Totschlags

Ein 54-jähriger Langwedeler und seine 29 und 30 Jahre alten Söhne stehen wegen brutaler Selbstjustiz gegen einen säumigen Mieter vor Gericht.
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Ein 54-jähriger Langwedeler und seine 29 und 30 Jahre alten Söhne stehen wegen brutaler Selbstjustiz gegen einen säumigen Mieter vor Gericht.

Langwedel/Verden – Brutale Selbstjustiz gegen einen säumigen Mieter sollen ein 54 Jahre alter Langwedeler und seine 29 und 30 Jahre alten Söhne am 7. Januar 2020 in Langwedel verübt haben. Die Staatsanwaltschaft Verden hat Anklage wegen versuchten Totschlags erhoben. Seit Dienstag müssen sich die drei Angeklagten vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden verantworten.

Laut Anklageschrift war der 30 Jahre alte Verdener Eigentümer der Wohnung. Dort soll er am Tattag gegen 10.25 Uhr zunächst mit seinem in Daverden wohnhaften Bruder durch das Schlafzimmerfenster geschaut haben. Hineingekommen seien sie nicht, sollen aber nach Polizeiangaben dem 50 Jahre alten Mieter gedroht haben: „Heute oder morgen wird dein letzter Tag sein. Wenn du rauskommst, bist du tot.“

Kurz darauf seien sie mit ihrem Vater und Brechwerkzeug – einem Axtstiel und einer Eisenstange – wiedergekommen. Die Wohnungstür sollen sie „mit brachialer Gewalt“ geöffnet und dann zu dritt „auf den Kopf und Oberkörper des Nebenklägers eingeschlagen“ haben. Als der Mann zu Boden gegangen war, sei auf ihn von dem Trio udem eingetreten worden, so der Vorwurf.

Nachdem eine „erhebliche Menge Blut aus einer Kopfwunde ausgetreten war“, sollen sie angenommen haben, den Geschädigten tödlich verletzt und ihn so zurückgelassen haben. Tatsächlich soll aber keine konkrete Lebensgefahr bestanden haben.

Gestern wollten sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen äußern. Über zwei ihrer Verteidiger ließen die Brüder erklären, dass sie sich bezüglich ihrer früheren Geständnisse beim „Wort nehmen lassen“. Es seien bereits 3500 Euro Schmerzensgeld von jedem Angeklagten an den Nebenkläger gezahlt worden.

Den verlesenen Erklärungen war einiges zu den Geständnissen zu entnehmen: Die Tat sei nicht geplant gewesen. Und es sei auch nicht beabsichtigt gewesen, den Mieter in Todesgefahr zu bringen.

Seit dem Einzug des Mieters in den damaligen Neubau im Jahr 2016 sei es „problematisch“ mit diesem gewesen. Die Mieteinnahmen sollten für die Tilgung der Kredite verwendet werden, doch „von Beginn an hat er keine Nebenkosten gezahlt.“ Auf eine Kündigung habe der Mieter nicht mit Auszug, sondern mit Einstellung der Mietzahlungen reagiert. Außerdem habe er die Wohnung verdreckt und vermüllt. In den Erklärungen wurde der Nebenkläger als „Messie“ bezeichnet.

Kurz vor dem Weihnachtsfest 2019 sei die Überlegung aufgekommen, dem Mann einen Denkzettel zu verpassen. Davon hätten sie aber Abstand genommen.

Am 7. Januar sei es auf einer Baustelle in der Nähe der Wohnung zu einem zufälligen Zusammentreffen gekommen. Der Mieter habe die drei Angeklagten „bedroht und provoziert“. Bei dem dann beschlossenen Eindringen in die Wohnung seien sie davon ausgegangen, dass der Mieter nicht vor Ort ist.

Ein Kuhfuß und eine Holzlatte seien für die gewaltsame Öffnung verwendet worden, aber die Eisenstange sei nicht als Schlagwerkzeug benutzt worden. Nur Fäuste und die Holzlatte. Tritte wurden auch eingeräumt. Ob der Vater, der aktuell als Einziger in Untersuchungshaft sitzt, sich überhaupt beteiligt habe, wusste der 30-Jährige seinem Geständnis zufolge nicht.

Die Polizei hatte seinerzeit von flüchtigen Tätern berichtet, wobei die Festnahme der Brüder am selben Tag und die des Vaters 14 Tage später erfolgt sein soll.

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird nicht vor dem 11. September 2020 erwartet.  wb

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