Landwirtschaft verbindet weltweit: Bahrom Norbekov und seine Weiterbildung bei Schäfer Jörk Hehmsoth in Nindorf

Besuch aus Usbekistan zur Ablammzeit

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Jörk Hehmsoth (li.) aus Langwedel-Nindorf bekam zum Jahreswechsel internationalen Besuch. Sein aus Usbekistan stammender ehemaliger Praktikant Barom Norbekov (re.) war eine willkommene Hilfe im Stall.

Nindorf - Von Bettina Diercks. Landwirtschaft verbindet. Weltweit. Immer für internationalen Besuch offen ist Berufsschäfer Jörk Hehmsoth aus Langwedel-Nindorf. Über den Jahreswechsel hatte er einen ehemaligen Praktikanten aus Usbekistan zu Gast.

Der heute 26-jährige Bahrom Norbekov war im Winter 2013/14 bei Hehmsoth beschäftigt. „Genau in der Ablammzeit“, erinnern sich beide. Erst die Ziegen, dann die Heidschnucken. Dabei sind weder Schafe noch Ziegen eigentlich ein Thema für den Usbeken. „Ich habe hier sehr viel gelernt. Es gibt zuhause zwar ein paar Landwirte, die Schafe halten, aber es ist schwer in Usbekistan“, sagt Norbekov.

Der islamisch geprägte Binnenstaat in Zentralasien verfügt kaum über Grünland oder Ackerbau. Grund ist die Verlandung des Aralsees, früher einmal das viertgrößte Binnengewässer der Welt, der zu einem Salzsumpf wurde und über dem sich keine Wolken mehr bilden. Auch in Usbekistan wird das Klima rauer. Schuld an der Misere ist die Sowjetunion. Sie zapfte die beiden einzigen Zuflüsse des Aralsees so sehr für Ackerbau und Baumwollplantagen an, dass das Gewässer starb.

Norbekov hat diese Situation und Herausforderung seiner Heimat vor Augen. Derzeit ist der Usbeke in Deutschland zuhause. Er absolvierte gerade an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Mittelfranken (Bayern) seinen Bachelor im „Internationalen Masterstudiengang Agrarmanagement“ (IMA), im Sommer folgt sein Master. „Ich finde dieses Studium zukunftsweisend“, sagt Norbekov, der nach Studienende gerne bei einem internationalen Agrarunternehmen anfangen und Erfahrungen sammeln möchte, bevor er in seine Heimat zurückkehrt. Spezialisiert hat der junge Mann sich auf Tierhaltung, Fütterungs- und Agrartechnik. IMA ist darauf ausgelegt, die jungen Leute auf breiter Basis theoretisch und praktisch auszubilden, damit sie selbständig und eigenverantwortlich in agrarwirtschaftlicher Unternehmen führen und beraten können oder auch in landwirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen sowie Agrarforschung oder -verwaltung einsteigen können.

„Ich will mich mehr auf Bullenmast konzentrieren“, sagt der Student über seine Zukunft in Usbekistan. Bei der Menge an Großvieheinheiten seines Hofes stockt einem der Atem: „Im Moment haben wir zwölf Bullen und zwei Kühe“, sagt Norbekov. Alles Futter muss dazu gekauft werden, da wegen des Wassermangels kein Ackerbau möglich ist. Unter anderem erhält das Vieh Baumwollextrakt, ein hier unbekannter Futterstoff, der aufgrund seines hohen Proteingehalts von 23 bis 44 Prozent ein wertvolles Viehfutter für Wiederkäuer ist.

„Ich habe ein Stipendium bekommen“, erzählt Norbekov, der bereits in Usbekistan an der Staatlichen Agrar-Universität in Taschkent sein Studium aufgenommen hatte. Dadurch, dass er bereits in der Schule und dann an der Universität deutsch lernte, schnitt er bei einem Test des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) besonders gut ab und erhielt ein Stipendium für Triesdorf.

Zu Hehmsoth verschlug es ihn, weil er sich bei LOGO e.V. – Landwirtschaft und Ökologisches Gleichgewicht mit Osteuropa – um einen Praktikumsplatz bewarb. LOGO setzt sich besonders für die Bildung nachhaltiger Entwicklung im ökologischen Landbau und für erneuerbare Energien ein und konzentriert sich stark auf Studenten der ehemaligen Mitgliedstaaten der Sowjetunion, der so genannten GUS-Länder (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten). Norbekov sieht das als große Chance und hält dieses Konzept für zukunftsweisend. Er freut sich, dass er Glück hatte und gleich zwei Praktika in Deutschland machen konnte.

Nach seiner Ankunft in der Bundesrepublik verbrachte er deshalb erst sechs Monate auf einem ökologischen Gemüseanbaubetrieb in der Nähe von Aachen. Danach widmete er sich der Schafhaltung und -zucht. Beides Themen, die ihn zwar derzeit nicht direkt betreffen, ihn aber interessieren. „Hier und in Aachen waren alle sehr freundlich“, sagt Norbekov. Er habe auf beiden Betrieben sehr viel gelernt, gerade aber bei Berufsschäfer Jörk Hehmsoth über die Tierhaltung.

Über Silvester war es für ihn allerdings selbstverständlich, nicht nur Gast auf dem Sofa zu sein. Er half seinem Ziehvater Jörk Hehmsoth im Stall.

Denn es ist Winter und gerade wieder Ablammzeit bei den Ziegen.

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