Kritik an Schießwettbewerb in Cluvenhagen / Vorsitzender: „Weit hergeholt“

„Schwuchtelkönig – Begriff, der Schwule diskriminiert“

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Familienbande in Grün-Rosa: Schwuchtelkönig Alexander Ewert mit seinen Rittern Wolfgang und Jonas Ewert.

Cluvenhagen - Von Michael Mix. Auf den Schützenfesten in Cluvenhagen wird seit Jahren ein „Schwuchtelkönig“ gekürt. Ein Schießwettbewerb, ein Begriff, der jetzt öffentlich Unmut hervorruft. „Es ist eine Grenze überschritten, wenn wie selbstverständlich diskriminierende Bezeichnungen gebraucht werden“, urteilt Beke Meyer aus Thedinghausen-Werder.

Die 43-Jährige zeigt sich entsetzt nach dem Lesen des Zeitungsberichts „Majestät tragen Rosa“ vom vorigen Freitag. Alexander Ewert hatte beim jüngsten Fest des Schützenvereins Cluvenhagen den Titel des Schwuchtelkönigs errungen, sein Vater Wolfgang Ewert war Schwuchtel-Ritter geworden und dessen ältester Sohn Jonas Vize-Schwuchtel-Ritter.

„Wenn die Schießkordel nicht rosa, sondern schwarz wäre, dann gibt es auch noch einen Negerkönig?“, spinnt Meyer den Faden weiter. Auch für die Schützen müsste das Tragen derartiger Titel doch eine „entwürdigende Darstellung“ sein, meint die Kritikerin von der anderen Weserseite. „Das müssten sie doch eigentlich selbst merken.“

Tatsächlich ist der Begriff, an dem Beke Meyer Anstoß nimmt, negativ besetzt. „Schwuchtel ist eine meist salopp und abwertend als Schimpfwort verwendete Bezeichnung für Schwule oder einen sich weiblich benehmenden Mann“, heißt es bei Wikipedia zur Bedeutung des Wortes. Und weiter: „Seltener kommt es als wertneutrale ironisierende Selbstbezeichnung vor, manchmal zur Differenzierung untereinander.“

Doch das hält Steve Nitze, der Lebenspartner von Meyer, in diesem Fall für abwegig. „Wenn die Schützen alle homosexuell wären und sich selbst als Schwuchteln bezeichnen würden, wäre das vielleicht noch lustig“, merkt er dazu an.

Aber wenn man über solch einen Wettkampf lese, stelle sich doch auch die „Frage, was es unterschwellig mit einem macht“. Für ihn gehe das in Richtung „Nazi-Jargon“, sagt Nitze (36) unumwunden.

Johann Krüger, Vorsitzender des Schützenvereins Cluvenhagen, kann die Aufregung um den „Schwuchtelkönig“ indes nicht verstehen. „Für mich ist das alles etwas weit hergeholt, an den Haaren herbeigezogen“, antwortete er gestern auf Nachfrage der Redaktion. Die Namensgebung für den Wettbewerb und die Bestplatzierten sei doch erfolgt, „ohne jemanden verletzen zu wollen“.

Krüger (69) verweist auf die Internetseite des Vereins. Der Schwuchtelkönig wird danach bereits seit 1996 ausgeschossen. Der „Versuch“ der Cluvenhagener Schützen, für diesen neuen Wettbewerb eine passende Schießschnur herzustellen, brachte als „Endergebnis eine rosafarbene, weil diese einfach am besten von allen aussah“, ist auf der Seite zur „Historie“ weiter zu erfahren. Der Name dafür entstand allerdings erst 1999, als ein Schütze angeblich folgende Worte von sich gab: „Diese komische, alberne Schwuchtelschnur.“

Im Laufe der Jahre, auch das ist unter www.sv-cluvenhagen.de nachzulesen, kamen immer neue „Ehrenzeichen“ für die Teilnehmer und Sieger des Wettstreits hinzu. Etwa ein rosa Hemd, eine pinke Feder oder das „Schwuchteltäschchen“.

Ist das alles noch zeitgemäß? „Ich werde das Thema auf der nächsten Vorstandssitzung ansprechen“, meinte Johann Krüger gestern.

Familie Ewert war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen. „Schwuchtel-Ritter“ Wolfgang Ewert, der mit seinen Söhnen auf dem Siegerpodest stand, ist Sozialdemokrat und gehört seit zig Jahren dem Gemeinderat an.

Bernd Sackretz, Vorsitzender des Schützenvereins Völkersen und der Pokalvereinigung „Alte Aller“, möchte bei der Kontroverse auf Nachfrage „kein Öl ins Feuer gießen“. Mit Vertretern anderer Vereine sei er sich jedoch „einig, dass wir so etwas wie in Cluvenhagen nicht machen“.

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