Klaus Fricke weiß im Daverdener Küsterhaus mit Namenswissen zu glänzen

Mehr als Schall und Rauch

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Klaus Fricke weiß nicht nur eine Menge über Namen. Er kann auch unterhaltsam davon erzählen.

Daverden - Beileibe nicht nur Torten lockten die Besucher am Wochenende in das Daverdener Küsterhaus, sondern auch der launig und unterhaltsam vorgebrachte Beweis, dass Namen mehr als Schall und Rauch sind, wie Klaus Fricke anhand hiesiger Flur- und Familiennamen darlegte.

„Wir alle tragen ihn, alle Welt trägt ihn mittlerweile, vielleicht einige Naturvölker ausgenommen“, begann Klaus Fricke seine Ausführungen zu den Familiennamen. Adam und Eva brauchten noch keinen Nachnahmen. Sie waren allein und konnten sich, da sie ja nackt waren, auseinander halten, so Fricke. Bei den Söhnen war ein Zuname auch nicht nötig, Kain erschlug seinen Bruder Abel.

Im weiteren Verlauf der Bibel änderte sich nichts, denn Noah, Abraham, und Mose hatten keinen Zunamen, auch die Jünger Jesu nicht. Bei den Juden, Griechen und Ägyptern hatte sich ein Familienname nicht durchgesetzt, nur bei den Römern war es anders.

Die trugen mindestens drei Namen: etwa Gaius als Vornamen, Julius als Name des Geschlechts und Caesar als Beinamen. Nach Ende des römischen Reiches im 6. Jahrhundert gab es auch dort wieder nur noch einen Namen. Erst etwa zwei Jahrhundert später entdeckte man in Italien das Praktische eines Familiennamens. Der Trend setzte sich in Südfrankreich fort und kam im 12. Jahrhundert auch nach Deutschland in die bedeutenden Handelsstädte wie Regensburg oder Köln. Mit der Zeit sahen dann auch andere den Vorteil von Familiennamen, etwa bei der Abfassung von Kaufverträgen, Heiratsverträgen oder Erbschaften. In den Dörfern war die Notwendigkeit noch nicht gleich gegeben. In Friesland musste Napoleon 1811 den Familiennamen sogar per Gesetz einführen, doch es dauerte nach fast einhundert Jahre, bis er sich wirklich durchsetzte. Erst 1874 mit der Einführung der Standesämter ließ sich eine verbindliche Schreibweise der Familiennamen festlegen.

Die deutschen Familiennamen lassen sich in fünf Gruppen einteilen: die Rufnamen, die nach der Herkunft, nach der Wohnstätte, nach Beruf, Amt und Stand sowie die Familiennamen aus Übernamen. Die bezogen sich auf ein Merkmal des Trägers, wie Schwarz, Lange, Groß, Klein oder auch Krause und Krull (Locken) deutlich machen.

Im zweiten Teil seines Vortrags widmete sich Klaus Fricke den Daverdener Flurnamen, also Namen von Feldlagen, einzelnen Flurstücken, Straßen, Wegen und Gewässern. Diese Flurnamen wurden zur Bezeichnung der verschiedenen Landstücke von Beginn einer Besiedlung an vergeben. Manche Namen stammen aus dem hier jahrhundertelang gesprochenen Mittelniederdeutsch.

Die Daverdener Marsch und Geest war einst von großen Wäldern bedeckt, worauf mehrere Flurnamen noch heute hinweisen wie „Försten“ in der Marsch oder „Daverdener Brand“ auf der Geest, ein Hinweis für brandgerodetes Land. In der Marsch wurden Flächen von Bauleuten und Kötnern genutzt, daher „Bauernwiesen“ und „Große Kämpe“. Die Flur „In den Wischen“ war bis 1800 dichter Busch, der in mühsamer Handarbeit abgeholzt werden musste und so zu Wiesen (Wischen) gemacht wurde.

Auf der Geest gab es Heidelandschaften, daher „Große Heide“ oder „Hewidland“. Am Rande der Geest gibt es Moore und sumpfigen Bruch, daher „Hohes Moor“, „Pottmoor“ oder „Bruchwiesen (Brook). Neddendörp war „Nedden in‘n Dörp“ also: unten im Dorf. Nahblöcken weist auf Blöcke hin, kurze Queräcker. „Im Hühnerort“ hat nichts mit Hühnern zu tun, sondern weist auf Hünengräber hin, „Sonnenkamp“ liegt südlich, der Sonne zugewandt. „Bullergraben“ weist auf einen Bach hin. „Bullern“ ist plattdeutsch für „poltern, Krach machen“, daher gibt es auch den Bullerofen.

Klaus Fricke erläuterte noch etliche weitere Namen, bekam großen Beifall, und möchte die nun später noch einmal vor größerem Publikum machen.

hu

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