Von Adam und Eva bis zur Telekom

Werner Momsen begeistert auf Freilichtbühne Daverden

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Werner Momsen hat ein großes Mundwerk und zu allem und jedem eine ganz eigene Meinung.

Daverden - Klappmaul-Komiker Werner Momsen und sein Puppenspieler Detlef Wutschik begeisterten am Samstagabend auf der Freilichtbühne Daverden 360 Besucher mit ihrem Programm „Schaum vorm Mund“, das viel Spaß, aber auch Tiefgang bot.

Zunächst war der mit Spannung erwartete Gast nicht zu sehen – nur zu hören: Er hatte Probleme mit der Toilette, genauer mit dem Lichtsensor am Eingang, der nach einer Weile für plötzliche Dunkelheit auf dem Örtchen sorgte. Verzweifelt rief Werner Momsen um Hilfe, um dann mit offener Hose („die Glocken bis Jericho zu sehen“) zur Tür zu humpeln.

Ohne Applaus geht dem Komiker die Luft aus

Endlich kam ein neuer Toilettengast – und das Licht ging an. Doch wie funktioniert der Wasserhahn...? Werner Momsen beklagte sich, dass das bei jeder Toilette anders sei, fuchtelte auf der Bühne rum beim Versuch, dem Hahn Wasser zu entlocken, und beschwerte sich über die Handtuchlösungen: Papierhandtücher kommen blockweise und Handtücher, die im Kreis zu ziehen sind, sind ihm suspekt – denn wer bügelt die so frisch? Sein Rat also an alle Besucher: „Wenn Sie öffentlich unterwegs sind, nehmen Sie einen Katheter mit...“

Dann ging es los mit seinem Ärger über die Gesellschaft, in der so viel gejammert wird, obwohl es den meisten doch gut geht. Vor zwei Jahren seien die Flüchtlinge in der Willkommenskultur mit offenen Armen begrüßt worden, heute spreche man von Flüchtlingskrise. Auch das G-20-Treffen in Hamburg beleuchtete Momsen kritisch: Bei „Trump, dem Trampeltier“ warte er immer darauf, dass hinter der Fassade Günter Wallraff stecke. Zwischendurch forderte er die Besucher zum Klatschen auf, denn dann könne er mal Luft holen – der Applaus kam sofort.

360 Besucher hatten bei der Freilichtbühne in Daverden ihre helle Freude an Klappmaul-Komiker Werner Momsen bzw. seinem Puppenspieler Detlef Wutschik.

Auch die Autofahrer nahm Momsen auf die Schippe. Er spottete über die Fahrer der Mercedes-A-Klasse, die wohl alle einen Buckel hätten, denn sie könnten sich nicht umdrehen. Sie blockierten stets die Mittelspur, denn als sie Führerschein gemacht hätten, habe es nur zweispurige Autobahnen gegeben. Auch die DHL-Fahrer bekamen ihr Fett weg, die ihre Pakete bei den Nachbarn abgäben – aber bei welchen?

„Früher war vieles früher“

„In Deutschland gibt nicht der Klügere nach, sondern er wartet so lange, bis er genauso blöd ist wie die anderen“, sinnierte Momsen.

Lachsalven gab es, als Werner Momsen gemeinsam mit seinem Freund Detlef Wutschik Entspannungsübungen auf dem Stuhl versuchte. Später versuchten sie es mit Yoga auf einem Tisch – als Schmetterling, Schildkröte, Fisch oder Krokodil und schließlich als läufige Hündin. Mit einem Song über „kackende Hunde“ ging es nach einer Stunde in die Pause, um danach die langen Reden bei einem Firmenjubiläum und Fingerfood auf die Schippe zu nehmen. Aber auch die Zuschauer in der ersten Reihe bekamen ihr Fett ab: „Ein schönes Hemd haben Sie. Wenn es modern wird, haben Sie es schon.“ Männer trügen die Kleidung eben nur, um nicht zu frieren, schlussfolgerte Werner Momsen. Dann kritisierte er die billige Herstellung der Kleidungsstücke in asiatischen Ländern: „Alles wird teurer, nur die Kleidung nicht!?“

„Früher war nicht alles besser, aber vieles war nur früher. Man war zufrieden mit dem, was man hatte“, philosophierte Momsen – da gab es natürlich reichlich Applaus.

Ohne Zugabe ließen die Zuschauer Puppenspieler Detlef Wutschik und seine spaßige Figur nicht von der Bühne.

Schließlich kam er auch auf Adam und Eva zu sprechen und fragte sich, was denn schief gelaufen sei bei der Vertreibung aus dem Paradies. „Der Apfel muss gespritzt gewesen sein“, orakelte der Komiker. Zum Schluss bat er Gott, vom Baum der Erkenntnis doch ordentlich Äpfel auf die Erde zu schmeißen – „damit wir wieder ein Paradies auf Erden haben“.

Als sich Werner Momsen nach zweieinhalb Stunden verabschieden wollte, war der Beifall so groß, dass er erneut auf die Bühne kam – und sein Problem mit der Telekom nach einem Umzug schilderte. Was allen irgendwie bekannt vorkam...

Als dann viele begeisterte Zuschauer Wunderkerzen ansteckten, wurde sogar Detlef Wutschik alias Werner Momsen sentimental. Am Ende waren die Lachmuskeln der Zuschauer so strapaziert, dass diese sich am Getränkestand erstmal von den zweieinhalb Stunden erholen mussten.

hu

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