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Coronatests in der Kita: Ohne Handhabe gegen Testverweigerer

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Von: Lisa Duncan

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Ideal zum Toben und Spielen ist das Außengelände der Kita Etelsen. Deren Leiterin Elke Hochsattel würde eine Corona-Testpflicht für Kita-Kinder begrüßen.
Ideal zum Toben und Spielen ist das Außengelände der Kita Etelsen. Deren Leiterin Elke Hochsattel würde eine Corona-Testpflicht für Kita-Kinder begrüßen. © Duncan

Langwedel – Noch nie waren die Corona-Infektionszahlen so alarmierend – die hochansteckende Omikron-Variante hat auch den Landkreis Verden als Nachbarregion des Stadtstaats Bremen mit den bundesweit höchsten Inzidenzen fest im Griff. Während die Bürgerschaft in der Hansestadt laut über eine Testpflicht an Kindertagesstätten nachdenkt, können die Eltern nach der Verordnung des Landes Niedersachsen frei entscheiden, ob sie ihre Kinder regelmäßig auf eine Covid-19-Infektion testen.

Das findet Elke Hochsattel, Leiterin der Kita Etelsen, nicht richtig: „Wir hier im Team sind dafür, dass eine Testpflicht, genau wie an den Schulen, auch an den Kitas eingeführt wird“, sagt sie.

Hochsattel findet es nicht fair, dass die Tests trotz hoher Inzidenzen weiterhin freiwillig sind, „und wir haben die Pappnase auf und müssen selbst entscheiden, wie wir es für richtig halten“. Die Einrichtung und deren Mitarbeiter würden alleine gelassen, mit der Problematik, dass es auch Querdenker und Impfverweigerer in der Elternschaft gebe. Manche machten keinen Hehl daraus, dass sie es ablehnen, ihre Kinder zu testen. „Im Prinzip spielen wir dadurch gerade russisches Roulette. Mit einer Testpflicht hätten wir die Möglichkeit, zu sagen: ,Tut uns leid, wenn das Kind nicht getestet ist, betreuen wir es nicht’“, so Hochsattel.

Dies alles hat einen ernsten Hintergrund: An der Kita Etelsen befinden sich laut ihrer Leiterin derzeit drei von vier Mitarbeitern einer Gruppe in Quarantäne, weil sie positiv getestet sind. Der Betrieb in der Gruppe laufe zwar weiter, „aber absolut eingeschränkt“, betont Hochsattel, und ergänzt: „Im Moment kriegen wir es gerade so hin, aber das kann sich nächste Woche schon ändern.“ Ohne eine Testpflicht an Kitas, schätzt Elke Hochsattel, „wird uns das bald um die Ohren fliegen“.

Mit 26 Mitarbeitern, 75 Kindern über drei Jahren, 30 Krippen- und 40 Hortkindern ist die Kita Etelsen die größte Einrichtung im Flecken. Laut Hauptamtsleiter Rolf Korb sind aktuell insgesamt 380 Drei- bis Sechsjährige an Kitas im Flecken Langwedel angemeldet.

Was die Testung der Mitarbeiter betrifft, gelten an den Kitas Korb zufolge die gleichen Bestimmungen wie in anderen Branchen. Der Arbeitgeber muss pro Mitarbeiter zwei Tests pro Woche zur Verfügung stellen, am Arbeitsplatz gilt die 3G-Regelung. Um den Eltern die Möglichkeit zu geben, ihre Kinder zu testen, versorgt das Land Niedersachsen alle Einrichtungen mit genügend Antigen-Schnelltests (für drei Tests pro Woche für jedes Kind ab drei Jahren). „Die erhalten wir alle zwei Wochen und verteilen sie an die Einrichtungen“, so Korb. Um den Informationsfluss zwischen den Betreuungseinrichtungen und Familien datenschutzrechtlich abgesichert zu erleichtern, hat der Flecken übrigens die kostenpflichtige „Zwergennetwork“-App eingekauft, berichtet Rolf Korb.

Ob Eltern ihre Sprösslinge vor dem Kindergarten testen, könne nicht kontrolliert werden. „Anders als an Schulen gibt es ja auch keine Kita-Pflicht“, so Korb. Je nach Einrichtung und Zusammensetzung der Elternschaft werde das Testangebot der Landesregierung unterschiedlich angenommen, weiß Korb. Dies sei auch Schwankungen unterworfen: „Da, wo Infektionen auftreten, schnellt die Testnachfrage nach oben.“

Yoga für Kinder bietet die Kita Cluvenhagen seit knapp zwei Jahren an, hier Erzieherin Sandra Reinhard und Leiterin Gudrun Waschwill (re.). Archivfoto: Wenck
Yoga für Kinder bietet die Kita Cluvenhagen seit knapp zwei Jahren an, hier Erzieherin Sandra Reinhard und Leiterin Gudrun Waschwill (re.). © Wenck

An der Kita Cluvenhagen führen „nicht alle, aber viele Eltern“ regelmäßige Coronatests bei ihren Kindern durch, sagt Leiterin Gudrun Waschwill. Etwa zwei Drittel der Elternschaft, machen freiwillig von den Testkits Gebrauch, schätzt sie. „Ich habe auch das Gefühl, dass es für diejenigen Eltern selbstverständlicher ist, die Geschwisterkinder in der Schule haben.“ Diese müssten sich ja ohnehin regelmäßig testen, derzeit an niedersächsischen Schulen sogar täglich.

Mit der Alarmbereitschaft, also wenn ein Fall in der Gruppe auftrete, nehme auch die Testbereitschaft bei den Eltern zu, stellt auch Waschwill fest. Dann gebe die Kita bei Bedarf auch mal täglich Tests aus. Dafür seien genug übrig, weil ja nicht alle Eltern die Antigen-Tests nutzen. Ob sie eine Testpflicht für Kitas befürwortet, will die langjährige Kita-Leiterin jedoch nicht sagen. „Das ist ein heißes Thema, jeder hat da seine eigene Meinung“, sagt sie. Mit zwei Regelgruppen, insgesamt 50 Kindern über drei Jahre und 13 Krippenkindern, zählt die Kita Cluvenhagen zu den kleineren Einrichtungen.

Unter den 13 Mitarbeitern habe es noch keine Quarantänefälle wegen einer Coronainfektion gegeben, nur einmal habe sich eine Erzieherin nach Kontakt mit einer positiv getesteten Person isoliert. „Wir haben Glück gehabt, sind bisher gut davongekommen“, sagt Waschwill – besonders, weil in der Kita Cluvenhagen auch Risikopatienten arbeiten. Sorgen macht sich die Leiterin nicht: „Ich nehme die Sachen so, wie sie kommen. Wenn doch was passiert, ergreife ich Schutzmaßnahmen“, erläutert die Kita-Leiterin.

Auch die Kita Völkersen hofft, dass Eltern ihre Kinder dreimal wöchentlich testen, bevor sie sie in die Kita bringen. „Wir haben das im Team besprochen“, sagt Katja Rosendahl. Wie sie zu einer Testpflicht steht, dazu will sich die Leiterin aber lieber nicht öffentlich äußern.

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