20 Kinder aus der Ukraine im Sommercamp im Schullandheim am Weißen Berge / Projekt braucht noch Sponsoren

Der Krieg hat 14 Tage Pause

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Für zwei Wochen sind 20 Kriegskinder aus der Ukraine in Cluvenhagen zu Gast.

Cluvenhagen - Von Jens Wenck. „Werder Bremen!“ tönt es mitten im wilden Geklacker am Tischkicker im Schullandheim am Weißen Berge in Cluvenhagen. Der ist dicht umlagert, die Stimmung laut und prächtig. Zack, die Kugel ist im Gehäuse. „Da!!!“ kommt der Ausruf, triumphierend werden Fäuste geballt. Alles wie immer? Nur scheinbar. „Da!“ – heißt „Ja!“ In Cluvenhagen sind derzeit 20 Kinder aus der Ukraine zu Gast, deren Väter im Krieg in der Ostukraine getötet wurden.

Organisiert hat das Sommercamp der Zentralverband der Ukrainer in Deutschland. „Die Kinder sind zum Teil schwer traumatisiert“, erzählt Lilia Dubas. Auch wenn die Auseinandersetzungen in der Ukraine aus den großen Schlagzeilen verschwunden sind, im Land ist der Krieg allgegenwärtig. „Wir wollten sie da ein bisschen herausholen, ablenken, die Trauer um ihre Väter wenigstens für zwei Wochen ein bisschen vergessen machen“, so Dubas. „Damit die Kinder sich erinnern, wie es ist, Kind zu sein.“

An die 35 Stunden lang sind die Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 16 Jahren aus den verschiedensten Gebieten der Ukraine unterwegs gewesen, bis sie mit dem Bus in Cluvenhagen ankamen. Bei strömenden und nicht enden wollendem Regen. „Bei der Abfahrt in Kiew waren es 40 Grad und Sonnenschein.“

Spiel, Spaß, Sport und Ausflüge haben die Organisatoren geplant. Ein Medien-Kameraprojekt hat es gegeben, es gibt einen Deutschkurs. Bremen will man besuchen, der Serengeti-Park und der Heide Park in Soltau spendieren der Gruppe freien Eintritt.

Internet? Gibt es in diesen zwei Wochen nicht. Damit der Krieg die Kinder nicht auf diesem Wege einholt.

Die Betreuer wollen und werden den Kindern keine Gespräche über ihre gefallenen Väter und ihre Trauer aufdrängen. „Aber wenn sie von alleine sprechen wollen, dann sind wir da.“ Und psychologische Betreuung natürlich auch. Genauso wie die anderen Mädchen und Jungen, die sich zwar erst kennen lernen mussten, aber eben auch alle das gleiche Schicksal teilen, vielleicht fallen da Gespräche untereinander leichter.

Wie schon beim ersten Sommercamp mit ukrainischen Kindern im vergangenen Sommer in der Nähe von Berlin möchte man auch dieses Mal den jungen Leuten Deutschland und Europa etwas näher bringen. „Wir möchten zeigen, wie die Leute hier leben und arbeiten, was Demokratie bedeuten und bewirken kann“, so Lilia Dubas.

Unglücklicherweise sind auch just in Bremen und Niedersachsen Sommerferien, die jungen Ukrainer derzeit als einzige Gruppe im Schullandheim zu Gast. Zu gern wäre man mit deutschen Kindern und Jugendlichen in stärkeren Kontakt gekommen. Immerhin haben sich nach einem Aufruf in den sozialen Netzwerken noch ein paar Kinder aus Deutschland für das Sommercamp angemeldet, die einen ukrainischen Elternteil haben, etwas ukrainisch oder russisch sprechen.

Nicht nur im vergangenen Sommer, auch im letzten Winter hatte man Kinder aus der Ukraine für zwei Wochen im Land. Wo die Gruppe auftauchte, waren die Kinder positiv von der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Deutschen überrascht. Die Jungs und Mädchen waren zumeist noch nie im Ausland, kommen aus nicht unbedingt finanziell blendend aufgestellten Familien.

Ganz ehrlich gesagt ist auch das aktuelle Sommercamp, dass vor allem Lilia Dubas Ehemann William, ein freier Kameramann, organisiert hat, längst nicht aus allen finanziellen Sorgen heraus. Zwar hat man neben den Rotariern aus Oldenburg, dem Möbelhaus Nemann in Vechta auch private Sponsoren – aber die Kosten für das Sommercamp sind noch nicht zu 100 Prozent gedeckt. Obwohl man nur 20 statt der ursprünglich geplanten 25 Kinder mitgenommen hat – und mit dem Bus statt dem Flugzeug gekommen ist.

Im Internet findet man unter www.betterplace.org/p23558 alle Informationen zu dem Projekt. Hier kann man auch direkt spenden.

Wer selbst zu seiner Bank gehen und das Projekt unterstützen möchte, kann dies über das Konto des Zentralverbandes der Ukrainer in Deutschland tun: Postbank Berlin, IBAN DE09100100100777623103, SWIFT/BIC: PBNKDEFFXXX, Verwendungszweck „Ukraine Kriegskinder 2015“.

Aktuelle Fotos vom Sommercamp findet man unter www.facebook.com/Sommercamp.Kiew.Bremen.2015

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