Trennung und Scheidung

Kinder im Loyalitätskonflikt

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Die Langwedeler Gleichstellungsbeauftragte Karin Sievers (re.) dankt Referentin Cornelia Wolf-Becker (Mitte) und Kooperationspartnerin Friederike Geißler von der Frauenberatung.

Langwedel - Es war wieder ein gehaltvoller Abend, den Karin Sievers veranstaltet hat. „Wie erleben Kinder die Trennung und Scheidung ihrer Eltern?“ lautete der Titel des Fachvortrags, für den die Langwedeler Gleichstellungsbeauftragte die Pädagogin und Verfahrensbeiständin Cornelia Wolf-Becker eingeladen hatte.

Dazu kamen unter anderem Eltern, Großeltern, Erzieher, Tagesmütter und -väter ins Rathaus. Wolf-Becker brachte eine geballte Ladung Wissen an Mann und Frau, in dessen Mittelpunkt nur eines stand: das Wohl des Kindes. Sie veranschaulichte das Thema mit Begebenheiten aus ihrer Praxis – sie ist seit 16 Jahren freiberufliche Verfahrensbeiständin, hat also die Aufgabe, in kindschaftsrechtlichen Verfahren die Interessen Minderjähriger zu vertreten. Und manch ein Beispiel nahm dem ernsten Thema ein wenig die Schwere. Die Besucher folgten dem Vortrag hochkonzentriert, dankten für das ausführliche Referat und stellten viele Fragen.

„Ein Liebespaar trennt sich, doch Mann und Frau bleiben Eltern, sind also für ihre Kinder gemeinsam verantwortlich. Das heißt, dass sie zugunsten ihrer Kinder kommunizieren und sich engagieren müssen“, sagte Wolf-Becker. Denn es sei ein Grundrecht des Kindes, dass Eltern für sie da sind. Doch genau da liege der Hauptkonflikt: Es sind zwei Paar Schuhe, aber aus Frust werde ein Paar daraus. Dann leiden die Kinder. Bei Frischgeschiedenen komme hinzu, dass sie die Kinder als Munition benutzen, um den Ex-Partner zu schädigen und abzustrafen.

Tiefe Bindung zwischen Eltern und Kindern

Die Referentin beschrieb den Aufbau der Grundbindung, die sich in den ersten beiden Lebensjahren eines Kindes ausbildet, über das Empfinden der Kleinen vom dritten und vierten Jahr an, Schuld daran zu sein, dass sich die Eltern trennen, und das Grundschulalter, in dem Kinder ihre Loyalität den Eltern gegenüber festigen, bis zur Pubertät, ein für die Jugendlichen ohnehin schwieriger Lebensabschnitt. „Körper und Gehirn werden umgebaut.“ Zwar meinen viele Eltern, die Pubertät sei ein guter Zeitpunkt, sich zu trennen, doch dem ist nicht so.

Sich einfach einen neuen Partner suchen und hoffen, dass die eigenen und dessen Kinder sich verstehen: ebenfalls Fehlanzeige. „Patchworkfamilien sind schwere Arbeit – um die Bedürfnisse so vieler unterschiedlicher Menschlein herauszubekommen, muss man nah an ihnen dran sein, sonst artet es in Rollenspiele aus“, erklärte Wolf-Becker.

Ein Schwerpunkt des Referats lag auf der Loyalität, die Kinder ihren Eltern entgegenbringen. „Kinder wollen Eltern haben und sind dafür zu allem bereit, sogar zu lügen“, sagte Wolf-Becker. Dabei seien es gar keine Lügen, sondern Kinder können sich die Wahrheit nicht leisten, um die Erwartungshaltung ihrer Eltern zu erfüllen. Das Kind stehe unter starkem Loyalitätsdruck und versuche, sich anzupassen.

Bezugsperson mit besonderer Verantwortung

Wenn ein Elternteil also den Ex-Partner verunglimpft, versucht das Kind, der Bezugsperson gerecht zu werden. Rat der Expertin: „Sprechen Sie würdevoll vom Ex-Partner, und fragen Sie Ihr Kind nicht aus, wenn es von ihm wiederkommt.“ Zum Nachdenken über Patchworkfamilien: „Neue Geschwister, ein neuer Partner – was wird Kindern alles zugemutet? Vieles schaffen nicht mal Erwachsene, auch nicht mit therapeutischer Begleitung.“

Es bleibt die Frage „Wie können Eltern den Loyalitätskonflikt für ihre Kinder gestalten?“ Wolf-Becker empfahl, dass sich Eltern dazu einige Fragen beantworten: Was mute ich meinen Kindern zu? Wie habe ich meine Kinder im Blick? Welche Erwartungshaltung an meine Kinder habe ich im Trennungs- und Scheidungsprozess? Kinder im Blick zu haben heißt, sie zu stärken, ihre Widerstandsfähigkeit zu unterstützen, ihnen ein gutes Selbstwertgefühl aufzubauen. Mit Jugendlichen sollten Eltern sprechen und sie in die Trennung einbinden.

Friederike Geißler von der Frauenberatung Verden bot an: „Jede Frau, die eine Frage hat, kann bei uns anrufen und einen Termin für ein Gespräch vereinbaren.“

is

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