Führung durch das Schloss

Schloss Etelsen glänzt seit 1887

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Gästeführerin Elfriede Rippe zeigt und erläutert einer größeren Besuchergruppe das Etelser Schloss. Die Kreisvolkshochschule hatte Interessierte zu einem Rundgang durch das Gebäude und den Park samt Mausoleum eingeladen. 

Etelsen - Das Etelser Schloss zählt mit seinem Park und dem dortigen Mausoleum zu den eindrucksvollsten Gebäuden und Gartenanlagen im Landkreis Verden. Etwa 30 Frauen und Männer wollten am Sonntag einen tieferen Einblick in dieses Kleinod erhalten und versammelten sich am Springbrunnen vor dem Eingang des Schlosses, um an einer Führung der Kreisvolkshochschule Verden teilzunehmen.

Über zwei Stunden nahm sich Gästeführerin Elfriede Rippe Zeit, um aus der Geschichte des Schlosses zu erzählen. Weit über die regionalen Grenzen hinaus als Etelser Wahrzeichen bekannt, hat der Backsteinbau von jeher Besucher wie Anwohner fasziniert. „Sie haben ein Juwel im Landkreis Verden gesehen“, bilanzierte sie zum Schluss des Rundgangs am Mausoleum.

Rippe gab absolut Wissenswertes rund um das Schloss, die frühere gräfliche Begräbnisstätte und den Park zum Besten. Dass die Cluvenhagenerin ihr Fach versteht, wurde jedem Besucher sofort klar. Gespannt lauschten alle ihren Ausführungen.

Die Gästeführerin begann mit der wechselhaften Geschichte des Geländes. In den 1860er Jahren gehörte das Gut Etelsen dem vormaligen hannoverschen Landrat und Minister Johann Caspar von der Wisch. Gemeinsam mit seinem Bruder Hieronimus vereinigte er das Gut mit den Gütern Koppe, Embsen und Ruschbaden.

Die Familie Reventlow lebte von 1896 bis 1922 im Schloss

Nach dem Tod der Brüder fiel das Anwesen an die Brüder Carl Johann Christian und Gottlieb Ernst August von Heimbruch. 1883 wurde der Grundstein für ein Schloss auf dem Gutsgelände gesetzt. Sie ließen das Schloss von 1885 bis 1887 in seiner heutigen Gestalt errichten. Doch auch diese Brüder starben kinderlos, so dass die Familie Reventlow das Areal erbte. Graf Christian zu Reventlow bezog das Schloss 1896 und bewohnte es mit seiner Familie bis zu seinem Tod 1922. Danach kam es in wechselnde Besitzverhältnisse und Erbfolgen.

Nach diesem Ausflug in die lokale Historie führte Elfriede Rippe die Gäste in das Schloss, in einem Rechteck von 22 mal 35 Metern erbaut. Es hat zwei Vollgeschosse, ein hochgelegenes Kellergeschoss und ein Mansardgeschoss, erbaut aus Obernkirchener Sandstein.

Über den leichten und faszinierenden Baustil informierte Rippe eingehend und machte dabei deutlich, dass das Schloss gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einem für diese Zeit typischen gemischten Baustil mit Anleihen aus Gotik, Renaissance und Barock errichtet wurde. Die Hauptfassade, deren Mitte durch Loggia und Kuppel hervorgehoben ist, orientiert sich an französischen Renaissance-Vorbildern. Die Gartenfront enthält eher barocke Elemente. Die Putten auf der Kuppel halten das Familienwappen.

Im ehemaligen Damenzimmer werden heutzutage Paare getraut

Der Treppenaufgang ist aus echtem Marmor, erfuhren die Besucher von Elfriede Rippe. „Im Schloss werden sie kein Weiß sehen, denn es sollten warme Farben wirken“, merkte sie an. Es ging in den Speisesaal, die ehemalige Bibliothek und das Damenzimmer, das heute auch als Trauzimmer dient. Ihm vorgelagert ist ein Blumenzimmer. Mächtig ins Staunen kamen die Gäste, als sie im schmucken Prunksaal des Obergeschosses anlangten. Auch in den Keller führte Rippe ihre Gäste.

Zum Abschluss ging es dann zum Mausoleum, im neugotischen Stil schon 1873 errichtet. Mit den spitzen Turmdächern erinnert es an einen Torbau oder eine Kapelle. Ursprünglich war es mit glasierten Dachziegeln gedeckt, die 1920 durch Schieferplatten ersetzt wurden.

1934 sollte das Schloss abgerissen werden, doch kaufte es die NSDAP, die dort eine SA-Schule einrichtete; das Mausoleum diente als Garage. 1945 errichteten die Briten im Schloss ein Lazarett, 1948 wurde es Kreiskrankenhaus. Von 1960 bis 1965 betrieb der Bremer Kaufmann Trey dort einen Zoo, in dem Löwen und viele andere exotische Tiere zu bestaunen waren.

Nach Verwahrlosung restauriert

Es folgten Jahre des Leerstands und der baulichen Verwahrlosung, bis der Landkreis Verden das Schloss 1970 erwarb. 1978 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Von 1981 bis 1983 ließ der Kreis das Gebäude aufwendig und mit viel Liebe zum Detail weitgehend originalgetreu restaurieren. Trotz des Einbaus moderner Technik blieb der grundlegende Charakter des Schlosses erhalten.

Seit der Sanierung dient das Schloss dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft als Tagungsstätte, aber für verschiedene Zwecke kann es auch angemietet werden. Der Park wird durch den Schlossparkverein gepflegt und nach und nach originalgetreu hergerichtet. 

hu

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