Joël Tan lässt ihren neuen Roman in Bremen, Etelsen und Daverden spielen

Eine Reise durch die Zeit – und die alte Heimat

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Joël Tan wohnt zwar mittlerweile in Hamburg, hat aber nun ihre alte Heimat Etelsen (und noch so einige Orte umzu) mit in ihrem neuesten Roman verarbeitet.

Etelsen - Von Jens Wenck. So, so. Da meint also eine Hamburgerin, sie könnte einen Roman schreiben, der nicht nur in Bremen sondern auch in Daverden, Etelsen und Hagen-Grinden spielt. Muss so etwas nicht genehmigt werden? Muss es nicht. Aber es wird jetzt hier von der inoffiziellen lokalen Literaturpolizei unter die Lupe genommen. Das hat Joël Tan nun mit der Veröffentlichung von „Im Schatten der Purpurbuche“ davon.

„Auch wenn ich „nur“ von 15 bis 22 Jahren in Etelsen gelebt habe, hängt mein Herz an diesem Ort“, macht Tan schon mal mildernde Umstände geltend. Zudem leben ihre Mutter und vier ihrer Brüder immer noch hier.

Hm, kann man gelten lassen.

Schriftstellerin sei schon seit Jugendtagen ihr Traumberuf gewesen – der dann 2011 dank einer guten Buchidee, der Agentur Thomas Schlück und des Verlages Blanvalet in Erfüllung ging. Drei historische Roman, eine Triologie über Hamburgs 13. Jahrhundert, hat Joël Tan bisher vorgelegt. „Im Schatten der Purpurbuche“ spielt nun im Hier und Jetzt. Und hat eine Ebene im 13. Jahrhundert – dank einer Rückführung der Hauptfigur Svea in ein früheres Leben.

Um diese junge Frau herum entspinnt sich im Laufe des Romans eine Liebesgeschichte mit Wurzeln im 13. Jahrhundert und dazu gibt es noch ordentlich Krimielemente.

Darauf muss man erstmal kommen. Vor allem wenn man mit Anfang 30 wie Joël Tan noch zwei kleine Töchter hat (drei Jahre und sieben Monate alt). „Derzeit bin ich hauptsächlich Mama“, gibt die Autorin zu. Aber wenn die Große im Kindergarten ist und die Kleine schläft, dann ruft der Computer. „Es gibt immer was zu recherchieren, oder eine neue Buchidee, die schnell aufgeschrieben werden muss, bevor sie zwischen Windeln und Fläschchen verschwindet.“

Verschwunden sind auch einige hiesige Örtlichkeiten, zumindest so wie sie Joël Tan in ihrem neuesten Roman beschreibt. Hier beschlich die lokale Literaturpolizei beim Lesen des Buches zunächst ohnehin der Verdacht, die Autorin habe einen Deal mit der Bremer Touristinfo und im Besonderen mit dem Langwedeler Touristikverein. So deutlich liebevoll sind bestimmte Plätze beschrieben (ohne Kitsch!). Allerdings, das gibt Joël Tan unumwunden zu, hat sie sich gewisse künstlerische Freiheiten genommen oder die Orte so gelassen, wie sie sich ihr als wunderbare Jugenderinnerungen eingeprägt haben.

Wer mit dem Buch auf Entdeckungsreise geht, der findet einiges original wieder, bemerkt zum Beispiel aber auch: Das Etelser Dorfland ist längst mit einer Seniorenresidenz bebaut, hier macht kein Wanderzirkus mehr Station. Der Parkplatz am Schlosspark ist seit Jahren gesperrt. Und die lauschige Grotte, die Liebespaare so gerne nutzen, mit Blick auf die Marsch im Park? Reine Fantasie?

Mitnichten. Die Grotte war zu häufig das Ziel von Chaoten, die immer wieder eine Menge Energie daran setzten, das romantische Plätzchen zu demolieren, wie Manfred Köster vom Schlossparkverein aufklären kann. Also entschloss man sich 2009/2010 zu einem Umbau des Platzes unweit des ehemaligen Mausoleums im Park, zumal auch die Sitzbank marode war.

Zwar gibt es hier nun eine Sitzgelegenheit aus Tuffsteinquadern, aber der Blick in die Marsch ist mittlerweile durch wild aufgelaufene Bäume verstellt. Der Parkausschuss überlege aber, den Blick wieder freizuschneiden, so Köster.

An dieser Stelle ist nun aber das Auge wieder zurück zu richten auf „Im Schatten der Purpurbuche“ mit der Hauptperson Svea und ihrem tollen Verlobten (oder ist das nicht doch ein übler Geselle?), Sveas Freundinnen und ihre echt üble Chefin.

Jawoll, da gibt es gut recherchiertes 13. Jahrhundert mit der Daverdener Kirche und einst tatsächlich in der Gegend existierenden Burgen. Die Liebesgeschichte(n) aus dem Mittelalter wie aus der Jetzt-Zeit kommen glücklicherweise ohne Schwulst daher. Die Esoterikschiene mit der Rückführung in vergangene Zeiten kann man getrost und problemlos mit der gleichen Skepsis wie die Hauptperson hinnehmen. Den Krimi-Anteil hätte der Thriller-Freund der lokalen Literaturpolizei doch gern ein bisschen brutaler gehabt.

„Im Schatten der Purpurbuche“ lässt sich übrigens ganz schlecht ungeschützt am Strand der dänischen Westküste lesen – da ist es einfach zu windig. Aber für eine gleichsam entspannte wie unterhaltsame Lektüre während eines verregneten Tages im Ferienhaus (ja, auch Zuhause) ist es fein. Auch mal für Männer, obwohl die Zielgruppe eindeutig die weibliche Klientel ist. Aber Frauen lesen ja eh meist mehr als die Kerle.

„Im Schatten der Purpurbuche“ von Joël Tan ist hiermit von der selbst ernannten lokalen Literaturpolizei genehmigt, bei Blanvalet erschienen und kostet als Taschenbuch 9,99 Euro.

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