Daverdener Theater-Werkstatt macht coronabedingt im Chat weiter / Stück über Gefahren im Netz

Auf der Jagd nach dem „Koro-Narr“

Gemeinschaft im Meeting-Room: Einige Teilnehmer der Theater-Werkstatt mit Edelfried Hennig (rechts oben). Zu dieser 8. Online-Theater-Werkstatt hat sich auch Redakteurin Lisa Duncan (Mitte) zugeschaltet. repro: Hennig

Daverden - Von Lisa Duncan. Im Chat herrscht noch gemäßigte Anarchie, Stimmen überlagern sich, hier und da ist ein Lachen zu hören. Nach und nach treffen zwölf von 17 Teilnehmern der Daverdener Theater-Werkstatt per Videoanruf ein. Wegen Corona trifft sich die Gruppe seit gut zwei Monaten nicht mehr persönlich, sondern per Online-Konferenzschaltung. „Eigentlich das Aus für ein Metier, das von der Interaktion – vom Umgang miteinander lebt. Witzigerweise hat aber genau diese Situation, die von Corona der Gruppe beschert wurde, zur Idee und zum Inhalt unseres ersten eigenen Stückes geführt“, erklärt der Leiter der Theater-Werkstatt, Edelfried Hennig.

Zur Einleitung erklingt im Meeting-Room das Lied „Hör gut zu“, das Hennig ursprünglich für das Luther-Musical komponiert hatte. Das neue Stück trägt den Arbeitstitel „Internetz“. Kernaussage: „Das Internet hat – gerade in Corona-Zeiten – tolle Dienste geleistet, aber es lauern auch Gefahren“, erklärt Edelfried Hennig.

„Internetz“ richtet sich an ein Publikum im Grundschulalter. Hennig: „Wir wollen, dass die Erstklässler Spaß haben und die Viertklässler sich nicht langweilen.“ Aufgeführt werden soll es voraussichtlich Anfang Dezember im Langwedeler Rathaus oder einer Grundschulaula. Anfragen laufen bereits.

Eine grobe Handlungsstruktur hat sich der Musiker und Theaterpädagoge Hennig überlegt. Die Kinder und Jugendlichen der Theater-Werkstatt „gestalten das Geschehen aber komplett mit“. Das bezieht sich etwa auf die Gestaltung ihrer eigenen Rolle(n). Die Akteure verkörpern nämlich jeweils einen realen Menschen und dessen „Avatar“, seine Netz-Identität. Dazu erhielten sie vorab die Aufgabe, Rollenbiografien zu erstellen. Anschließend sollte jeder im Dialog mit Hennig den anderen im Chatroom seine Rolle vorstellen.

Im Moment scheint die Welt auf dem Kopf zu stehen, denn das Internet wird in Zeiten der Corona-Kontaktsperre für viele zum wichtigsten Kommunikationskanal. Hennig findet, dass das auch Vorteile mit sich bringen kann: „Die Kinder können die Handlung des Stücks so besser nachvollziehen. Und es würden sich nicht so viele beteiligen, wenn sie es nicht ernst nehmen und sinnvoll finden würden.“ Alles liefe geordnet ab, wer sprechen wolle, melde sich: „Die haben so eine Disziplin“, lobt er. Hennig glaubt aber auch, dass die Gruppe im Meeting-Room nur so gut funktioniert, weil sich alle bereits im persönlichen Kontakt eine Basis erarbeitet haben: „Mimik und Gestik haben wir schon durch“, betont er.

Für ein Feiertagswochenende ist die Online-Theater-Werkstatt gut besucht. Eine Teilnehmerin hat sich sogar von ihrem Besuch bei Verwandten im Erzgebirge zugeschaltet. Kurz darauf werden die Grenzen der Videokonferenz deutlich: „Eben klang es noch normal, jetzt hakst du“, kommentiert Hennig eine instabile Datenübertragung.

Hennig verkündet, dass sich noch ein bis zwei Leute um den Bühnenbau, das Schminken und die Kostüme kümmern müssten. „Ich hab’ mir schon Sachen rausgesucht und bestellt“, meldet sich ein Mädchen mit schwarzem Lippenstift und Augen-Make-up. Hennig will nicht, dass die Schüler Kosten auf sich nehmen, und weist auf die Kleiderkammer der Freilichtbühne hin: „Da hängt auch einiges ‘rum.“

Nun zum Stück. Das dreht sich um eine Gruppe von Kindern, die sich im Mi-Ting-Raum (natürlich abgeleitet vom Meeting-Room) treffen. „Stellt euch vor, ihr seid auf einer Party und dann kommen da plötzlich so üble Gesellen rein“, leitet Hennig den Handlungsverlauf ein. Die Bösewichte, das sind die fratzenhafte „Lady Wayruß“, der „Koro-Narr“ mit Schellenkappe und „Bug“, der aussieht wie eine Küchenschabe. Ziel der Drei ist es, Online-Zeit zu klauen, bis die Avatare nach und nach ausgelöscht werden. Der „Koro-Narr“ (angelehnt an die Pandemie) bringt alles durcheinander, er löscht Erinnerungen. Doch wie die anderen Bösen ist er nicht unbesiegbar, sondern hat Schwächen. „Also gilt es, sich gegen diese Lady Wayruß und ihre Helfer zu wehren. Das tun unsere Internet(z)-Helden auf sehr unterschiedliche und fantastische Weise“, so Edelfried Hennig.

Für die nächsten Proben hat die Theater-Werkstatt sich auf einen Zeitplan geeinigt: Das erste Treffen außerhalb des Chatrooms soll frühestens am 10. Juli, dem letzten Freitag vor den Sommerferien, stattfinden. Geplant ist, auf dem Sportplatz des TSV Daverden Krocket zu spielen, natürlich in gebührendem Abstand. „Nach den Sommerferien geht es richtig weiter“, so Hennig. Ein Teil der Gruppe trifft sich dann zum szenischen Proben, die anderen ergänzend zu Online-Leseproben.

Infos

Näheres kann man zu gegebener Zeit auf der Homepage der Daverdener Theater-Werkstatt nachlesen:

www.daverdener-theaterwerkstatt.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Blumenkohl liefert Aroma mit Köpfchen

Blumenkohl liefert Aroma mit Köpfchen

Erst das Game, dann die Hardware: Gibt es die VR-Killer-App?

Erst das Game, dann die Hardware: Gibt es die VR-Killer-App?

Das magische Farbspiel des Staudenphlox

Das magische Farbspiel des Staudenphlox

Keltische Traditionen und malerische Schönheit

Keltische Traditionen und malerische Schönheit

Meistgelesene Artikel

Augenleiden: Alf mit Sonnenbrille unterwegs

Augenleiden: Alf mit Sonnenbrille unterwegs

Deftiges Gulasch als Trost

Deftiges Gulasch als Trost

Endlich ein Mieter für das Ackerbürgerhaus

Endlich ein Mieter für das Ackerbürgerhaus

„Bufdi“ ist genau der richtige Job

„Bufdi“ ist genau der richtige Job

Kommentare